Strategien
20. Juni 2016

Gegen Mainstream, Untreue und Liquiditätsprobleme

Rückblick auf die Highlights der Uhlenbruch Jahrestagung 2016.

Gewandet in ein fliederfarbenes Jacket hat Ralf Wohltmann, Direktor des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin, auf dem Podium der 19. Uhlenbruch Jahrestagung nicht nur ein modisches Statement gesetzt: „Wir suchen besondere Asset Manager. Wir wollen Asset Manager mit anderen Ideen.“ Austauschbare Anbieter mit grauen oder schwarzen Anzügen gebe es schließlich schon genug. „Darum arbeiten wir auch mit Dr. Kleeberg zusammen.“ Gegen den Mainstream handeln die Zahnärzte zum Beispiel bei Wohnimmobilien. Während die Tagungsteilnehmer per Ted-Umfrage dieser Asset-Klasse mit 45 Prozent die größte Blasengefahr bescheinigen – und damit weit vor Corporate Bonds mit zwölf Prozent – baut das Versorgungswerk seinen Wohnungsbestand noch weiter aus. 33 Millionen Euro an Commitments sind noch offen. Insgesamt kommen Immobilien auf eine Quote von knapp 20 Prozent. Auch im Fokus der Berliner Zahnärzte sind Container, Rail, Direktbeteiligungen und Joint Ventures. 
Einen Schwerpunkt legte die Konferenz auf Style-based Investing. „Wichtig für die Kunden ist, dass Asset Manager ihrem Stil treu bleiben“, erklärte Harald Sporleder von Allianz Global Investors. „Timing zwischen Value und Growth funktioniert nicht.“ Referent Tobias Moskowitz, Fama Family Professor of Finance, stimmte dem zu. Moskowitz plädierte auch wegen der geringen Korrelationen für die Kombination verschiedener Faktorprämien. Gegen Timing-Versuche spricht auch die zunehmende Liquiditätsproblematik. Sporleder: „Mittlerweile haben wir schon im Dax 30 Probleme.“ Alex Veroude von Insight Investment erwartete ebenfalls, dass die Liquidität noch weiter abnimmt, und ging auf die Folgen ein: „Da die Händler weniger verdienen, wird deren Anzahl zurückgehen. Das Risiko wandert damit in die Fonds und zu den Anlegern.“ In seinem Vortrag zum Kreditmarkt präsentierte Veroude drei Lösungen: Buy and maintain, Unconstrained-Opportunity-Strategien und Secured Finance, wie beispielsweise Darlehen, Distressed oder Trade Finance. Secured Finance hat zwar eine geringere Liquidität, aber eine höhere Rendite als Unternehmensanleihen, High Yields oder Loans. 
Ölfonds sucht Aktien 
Wer über die Liquiditätssituation zu Recht klagen kann – wenn auch auf hohem Niveau – ist der knapp 800 Milliarden Euro schwere norwegische Ölfonds. Wie Björn From vom norwegischen Finanzministerium zum Aufbau des Staatsfonds schilderte, betrugen die Mittelzuflüsse in einem Monat auch einmal neun Milliarden Euro. Der Aktivtausch von Öl in Wertpapiere findet vor allem über Direktinvestments statt, so dass die Kosten bei lediglich neun Basispunkten liegen. Zu den 70 externen Kapitalverwaltern zählt FPM aus Frankfurt. 
Investiert wird seit etwa zehn Jahren zu 60 Prozent in Aktien. 2,5 Prozent der gelisteten europäischen Unternehmen gehören damit Norwegen. Wegen der festen Aktienquote werden Aktien vor allem dann gekauft, wenn die Märkte fallen. Im größten Katastrophenfall könnte From wegen des Rebalancings dem Parlament dann eine gute und eine schlechte Nachricht vermelden: „Alle europäischen Unternehmen gehören Norwegen. Leider sind diese aber nichts mehr wert.“ 
portfolio institutionell newsflash 20.06.2016/Patrick Eisele
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