Versorgungswerke
10. Juni 2013

Geteiltes Bild unter deutschen Altersversorgern

Pensionskassen und berufsständische Versorgungswerke haben laut einer Mercer-Studie ihre Aktien-und Immobilienquoten auf Kosten des Rentenanteils ausgebaut. Ganz anders haben die deutschen CTAs in ihrer Asset Allocation agiert.

Deutsche Altersversorgungseinrichtungen, wie Pensionskassen und Versorgungswerke, haben offenbar die Aktie für sich wieder entdeckt. Im Verlauf des vergangenen Jahres wurde die Quote von sechs auf nunmehr elf Prozent angehoben. Dies geht aus der neuen Mercer-Studie „European Asset Allocation Survey 2013“ hervor, in der mehr als 1.200 europäische Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung mit einem Fondsvolumen von über 750 Milliarden Euro berücksichtigt wurden. Darunter befanden sich 37 deutsche bAV-Einrichtungen.
Trotz der deutlich gestiegenen Aktienquote bleiben die deutschen Einrichtungen im europäischen Vergleich noch immer deutlich zurück. Lediglich in Norwegen findet sich mit neun Prozent eine noch niedrigere Aktienquote. Die höchsten Quoten weisen die Pensionspläne aus Irland (44 Prozent), Schweden und Belgien (jeweils 41 Prozent) sowie Großbritannien (39 Prozent) aus.
Wie aus dem Survey weiter hervorgeht, haben die deutschen Einrichtungen ihren Anteil an Rentenpapieren zugunsten der Aktien- und Immobilienquote zurückgefahren. Die Quote liegt „nur“ noch bei 68 Prozent. In Immobilien haben Pensionskassen und berufsständische Versorgungswerke inzwischen zehn Prozent ihrer Kapitalanlagen investiert. Im europäischen Vergleich landet Deutschland damit auf dem dritten Platz. Lediglich die Schweiz und Norwegen verfügen mit 15 Prozent über höhere Immobilienquoten.
Ganz anders als bei Pensionskassen und berufsständischen Versorgungswerken stellt sich unterdessen das Bild der Asset Allocation bei deutschen CTAs (Contractual Trust Arrangement) dar. Laut dem Mercer-Survey beließen sie ihre Aktienquote nahezu unverändert. Im Schnitt liegt diese bei 28 Prozent, was gegenüber dem Vorjahr zwar eine leichte Reduktion von zwei Prozentpunkten bedeutet, aber noch immer deutlich über den Quoten der anderen deutschen Pensionseinrichtungen liegt. Ebenfalls deutliche Unterschiede zeigen sich im Renten- und Immobilienbereich. Ins Auge sticht insbesondere die mit zwei Prozent sehr niedrige Immobilienquote. Auf Renten entfallen 57 Prozent.
„Das anhaltende Niedrigzinsniveau und die Marktunsicherheit haben sich im vergangenen Jahr unterschiedlich auf deutsche Altersvorsorgeeinrichtungen und CTAs ausgewirkt“, erklärt Carola Benteler, Principal bei Mercer Investment Consulting. Und weiter: „Das Zinsniveau 2012 hat die deutschen Versorgungswerke dazu veranlasst, verstärkt ertragsreiche Anlageklassen beizumischen. Deutsche CTAs haben aufgrund des niedrigen IAS-Rechnungszinses und seinem Effekt auf den Bedeckungsgrad ihre Rentenanlagen erhöht, um ihre Verpflichtungen stärker bilanziell abzusichern.“
Gemeinsamkeit: Faible für Alternatives
Bei allen Unterschieden zwischen den deutschen Versorgungswerken und CTAs gibt es jedoch ein Punkt, in dem sich die Asset-Allokationen ähneln: Alternatives. Diese machen inzwischen elf Prozent bei den Pensionskassen und Versorgungswerken und zwölf Prozent bei den CTAs aus. Auf demselben Niveau wie die Deutschen bewegen sich auch die Alternatives-Quoten in Großbritannien, Finnland und Schweden. Einen höheren Anteil haben lediglich die Dänen (19 Prozent).
In der Mercer-Studie zeigt sich außerdem, dass die Bandbreite der alternativen Anlageklassen, in die europäische Pensionspläne einen Teil ihres Anlagevermögens investieren, von Jahr zu Jahr steigt. So bestehen Sachwertportfolios nicht mehr nur aus traditionellen Kernimmobilieninvestitionen, sondern schließen vermehrt auch Value-added Immobilien sowie Infrastruktur und Forst ein. Etwa ein Viertel der europäischen Pensionspläne will ihre Investments in Alternatives im kommenden Jahr ausbauen. Lediglich sieben Prozent planen eine Verringerung. Zudem setzen laut Studie die europäischen Altersversorgungseinrichtungen weiter auf wachstumsorientierte, festverzinsliche Kapitalanlagen mit einer Beimischung von Schwellenländeranleihen, High Yield, Absolute-Return-Bond-Funds und Private Debt.
„Die europäischen Pensionspläne verfolgen vermehrt Investmentstrategien, die auf Risikominimierung ausgelegt sind. Allerdings bedeutet weniger Risiko nicht, dass nur verstärkt in Staatsanleihen sehr guter Bonität investiert oder einfache Swap-Strategien verfolgt werden“, erklärt Herwig Kinzler, Leiter des Investment-Consulting bei Mercer Deutschland. Bei Mercer geht man davon aus, dass in den Fokus der Investoren Anlageklassen rücken, die eine relativ stabile, realwert-orientierte Rendite liefern, wie Infrastruktur. „Weiterhin wird sicherlich auch breiter in festverzinsliche Papiere investiert, indem zum Beispiel vermehr Buy-and-Maintain-Strategien für Unternehmensanleihen verfolgt werden“, so Kinzler.  
portfolio institutionell newsflash 10.06.2013/kbe 

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