Strategien
6. Oktober 2026

Glanz und Elend

Reichstenliste zeigt, dass man auch mit Finanzdienstleistungen vermögend werden kann. Aber in der Top 100 ist nur noch für einen Finanzdienstleister Platz.

Vermögende sind nicht nur eine Obsession von SPD und sonstigen linken Parteien, sondern auch für das Manager Magazin. Dieses hat nun wieder seine Liste der 500 reichsten Deutschen veröffentlicht. Für portfolio-institutionell-Leser, die die Superreichen-Skala durchforsten, mag die Liste inspirierend und motivierend wirken – oder für Neid sorgen: Unter den Milliardären und Centa-Millionären gibt es nämlich einige Vertreter, die mit Finanzdienstleistungen im weitesten Sinne reich wurden!

„Unsere Besten“: Andreas und Reinfried Pohl Junior! Deren Vater gründete die Deutsche Vermögensberatung. Die Pohls rangieren 2026 mit einem Vermögen von 4,2 Milliarden Euro auf Rang 57. Andreas und Reinfried Junior müssen sehr fleißig gewesen sein, denn im vergangenen Jahr wurden sie nur mit 3,5 Milliarden Euro taxiert.

Auch der Milliardär hat´s schwer

Die Pohls und ihre Deutsche Vermögensberatung spiegeln aber nicht nur den Glanz der Finanzdienstleistungsbranche wider, sondern auch deren Elend. Dieses lässt die SPD, die doch ansonsten immer für soziale Gerechtigkeit kämpft, übrigens völlig kalt! Im Jahr 2013 reichte Papa Pohl nämlich noch ein Vermögen von nur 3,1 Milliarden Euro für Rang 31. Dieser Betrag würde heutzutage nicht einmal mehr für die Top 100 in der Liste der reichsten Deutschen reichen. Hauptgrund für den sozialen Abstieg unserer Pohls auf Platz 57 (was sollen nur die Ranglisten-Nachbarn denken?): In anderen Sektoren wird man viel schneller reich.

Relativ verarmt

Ablesen lässt sich dies auch darin, dass im Zeitraum 2001 bis 2018 in der Top 100 mit Familie Wolfgang Grenke (Grenke Leasing), den MLP-Gründern Manfred Lautenschläger und Bernhard Termühlen, den Bankiersfamilien Schmidt und von Metzler, Versicherer Rolf Gerling und dem Verkaufstalent Carsten Maschmeyer noch viel mehr Milliardäre aus der Finanzdienstleistungsbranche vertreten waren. Diese sind heute zwar nicht absolut, aber relativ verarmt. Sie sortieren sich mehrheitlich nur noch zwischen Rang 200 und 449 ein.

Eine Existenzangst-Epidemie unter Finanzdienstleistern ist jedoch übertrieben – zumindest für diejenigen, die es in die Top 500 geschafft haben. Und dies sind nicht wenige. Auf Platz 127 taxiert das Manager Magazin die gleichnamigen Gründer von Flossbach von Storch auf 2,1 Milliarden Euro. Nummer 258 ist Versicherungsunternehmer Paul-Otto Faßbender (Arag) mit 0,9 Milliarden Euro. Auf Platz 304 machen die Gründer von Trade Republic und Sum Up mit jeweils 0,8 Milliarden Euro dem alten Geldadel einen Platz unter den reichsten 500 streitig. Marcus Brennecke, Platz 350 mit 0,7 Milliarden Euro, machte sein finanzielles Glück als Partner bei EQT. Die gleichen Koordinaten weist Bernd Förtsch auf, der mit Flatexdegiro und Börsenmedien für das Alter vorsorgen konnte. Die vier HQ-Schwestern können ihr Vermögen mit 0,6 Milliarden einigermaßen zusammenhalten, was mit Platz 392 belohnt wird. Dauergründer und Finanzinvestor Christian Angermayer folgt mit 0,6 Milliarden Euro auf Platz 392. Ihm folgt Peter Harf, oberster Family Officer und mittlerweile auch Investmentpartner der Familie Reimann, mit 0,5 Milliarden Euro auf Platz 449. Auf Rang 488 kommt mit den Familien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen der Finanzadel, der hinter der Fürstlich Castell´sche Bank steckt. Deren Schatulle soll mit fürstlichen 0,45 Milliarden Euro gefüllt sein.

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