Versicherungen
29. Juni 2015

Gothaer: Öffnung für Offshore-Objekte

Weiterer Ausbau von Renewables und PPPs geplant. Municipals als neue Asset-Klasse. Jahresrückblick 2014.

Der Gothaer-Konzern konnte im vergangenen Jahr einen Zuwachs bei den Bruttobeiträgen von 4,9 Prozent auf 4,51 Milliarden Euro verbuchen. Dazu trug vor allem die Sparte Schaden/Unfall, aber auch die Sparte Kranken bei. Die Lebensversicherung verzeichnete jedoch einen leichten Rückgang. Der Konzerngewinn stieg von 108 auf 122 Millionen Euro. 
Mit seinen Kapitalanlagen von nun 28 Milliarden Euro erzielte der Konzern eine Nettorendite von 4,1 Prozent und in der Lebensversicherung von 4,2 Prozent. Das Ergebnis aus Kapitalanlagen schrumpfte auf Konzernebene allerdings um knapp fünf Prozent auf 1.106 Millionen Euro. Dieser Rückgang liegt laut Finanzvorstand Harald Epple an dem gefallenen Dollar. Fremdwährungsrisiken seien zwar immer abgesichert, in der IFRS-Bilanz kommt dies aber nicht vollständig zum Ausdruck, weil bei den Eigenkapitalinvestments – bei der Gothaer primär Real Estate Funds – kein sogenanntes Hedge Accounting akzeptiert wird. Somit sind die Ergebnisse der zugehörigen Termingeschäfte ergebniswirksam. Dafür legte das Konzerneigenkapital um 17,4 Prozent auf nunmehr 1.784 Millionen Euro zu.
Kein Bekenntnis zur klassischen Lebensversicherung 
Im Bestand Leben lagen die Verzinsung beziehungsweise die laufenden Erträge 2014 bei 3,83 Prozent und die durchschnittliche Garantieverzinsung im Bestand unter Berücksichtigung der Zinszusatzreserve bei 3,07 Prozent. Die Wiederanlagerendite kam auf 2,78 Prozent, die Garantie im Neugeschäft beträgt seit diesem Jahr 1,25 Prozent. Der Vorstand der Gothaer bezeichnete diesen Puffer als „ordentlich“. Zudem teilte man mit, dass neue Garantieformen geprüft werden. Einen Abschied von der klassischen Lebensversicherung schloss die Gothaer mit Blick auf das ökonomisch sehr schwierige Umfeld nicht aus. 
In der Asset Allocation wurde im Konzern der Bestand an Staatsanleihen und Covered Bonds auf Kosten von Credits und Cash auf 60 Prozent ausgebaut. Die Quote der illiquiden Assets liegt bei 14 Prozent und setzt sich aus Immobilien, Hedgefonds, Renewables, Private Equity und Beteiligungen zusammen. In Vorbereitung auf Solvency II wurde die modifizierte Duration, die bei der Gothaer im Branchenvergleich niedrig war, auf nun 7,21 Prozent erhöht. Eine weitere Solvency-II-Anpassung besteht darin, dass bei allen größeren Kapitalanlageentscheidungen nun Return-on-Equity-Betrachtungen angestellt werden und darum auch der Hedgefonds-Bestand bis auf zwei erfolgreiche Credit-Fonds verkauft wird. Neu auf dem Einkaufszettel stehen US-Municipal-Fonds und Aktien für die Gothaer Allgemeine, deren Dividendentitel-Quote auf fünf Prozent erhöht werden soll. Auf Konzernebene liegt dieser Wert bei nur 0,6 Prozent. 
Auch Immobilien – in diese Asset-Klasse wird nur indirekt investiert – und Erneuerbare Energien stehen vor „signifikanten Neuinvestments“. Zunehmend will die Gothaer bei Immobilien auf Public Private Partnerships (PPPs) setzen. Ein Beispiel ist der Neubau des Justizzentrums in Hannover, in den die Gothaer rund 36 Millionen Euro investiert und im Gegenzug mit dem Land Niedersachsen einen Mietvertrag über 30 Jahre abgeschlossen hat. Die aktuellen Commitments für Renewables (Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft) belaufen sich auf 513 Millionen Euro. Insgesamt habe sich dieser Bestand gut entwickelt und soll in diesem Jahr um 200 Millionen Euro ausgebaut werden. Derzeit seien fünf neue Projekte in Prüfung, wobei auch erste Schritte in Wind Nearshore (Equity) und Offshore (Senior Debt) anstehen. „Wir prüfen Offshore zwei Objekte. Bei einem könnte es auf ein Konsortium mit anderen Versicherungen hinauslaufen“, teilte Finanzvorstand Harald Epple mit. Die Kapitalanlageseite profitiert bei Renewable-Investments von der technischen Due Diligence der Versicherungsseite. Diese versichert mittlerweile in Deutschland und Frankreich auch Parks mit Energiespeichern in Form von Lithium-Ionen-Batterien, in denen bis zu zehn Megawatt Strom gespeichert werden können. Europaweit hat die Gothaer über 13.000 Windkraftanlagen versichert.
Zinsanstieg wird begrüßt
Sehr erfreut zeigte sich Finanzvorstand Epple über den Zinsanstieg in diesem Jahr. „Endlich können wir wieder höher neu anlegen.“ Kursverluste seien trotz IFRS kein Problem, da man den Modus „Available-for-Sale“ nutze. Bei Available-for-Sale zeigen sich Wertänderungen nicht direkt in der GuV, sondern in den Neubewertungsreserven. Zudem seien auch, dank der zuvor sehr hohen Bewertung, nur wenige Zinsträger unter den Nennwert gefallen.
portfolio institutionell newsflash 29.06.2015/Patrick Eisele
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