Recht, Steuer & IT
2. Juni 2023

Greenwashing: Fortschrittsbericht ohne Fortschritte

Europäische Aufsichtsbehörden informieren zu Greenwashing im Finanzsektor. Risiken für Banken und Wertpapierfirmen.

Die Europäischen Aufsichtsbehörden (Eba, Eiopa und Esma, kurz Esas) haben Fortschrittsberichte über Greenwashing im Finanzsektor veröffentlicht. Wie den Berichten zu entnehmen ist, zeigt das Ergebnis der quantitativen Analyse des Greenwashing-Phänomens einen deutlichen Anstieg der Gesamtzahl potenzieller Greenwashing-Fälle in allen Sektoren. Die zuständigen nationalen Behörden und die Esas arbeiten daher daran, die Erwartungen der Stakeholder zu erfüllen, um den Verbraucher- und Anlegerschutz sowie die Marktintegrität zu gewährleisten und ein vertrauenswürdiges Umfeld für nachhaltige Finanzen zu erhalten.

Wichtig für alle Stakeholder ist dabei zunächst einmal ein gemeinsames Verständnis von Greenwashing zu erhalten. Die Esas verstehen unter Greenwashing eine Praxis, bei der nachhaltigkeitsbezogene Aussagen, Erklärungen, Maßnahmen oder Mitteilungen das zugrundeliegende Nachhaltigkeitsprofil eines Unternehmens, eines Finanzprodukts oder von Finanzdienstleistungen nicht klar und angemessen widerspiegeln. Diese Praxis kann für Verbraucher, Investoren oder andere Marktteilnehmer irreführend sein. Die Esas heben zudem hervor, dass irreführende Behauptungen in Bezug auf Nachhaltigkeit entweder absichtlich oder unabsichtlich und in Bezug auf Unternehmen und Produkte, die entweder unter den EU-Rechtsrahmen fallen oder nicht, auftreten und sich verbreiten können.

Wie bereits erwähnt, ergibt die Analyse einen deutlichen Anstieg der Gesamtzahl potenzieller Greenwashing-Fälle in allen Sektoren, auch bei EU-Banken. Sie zeige auch, dass die Rechenschaftspflicht gegenüber dem Klima zunimmt: Die verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit für den Klimawandel habe dazu geführt, dass Unternehmen stärker für ihre Umweltpolitik, ihre Klimaauswirkungen und ihre Offenlegung zur Rechenschaft gezogen werden.

Reputations- und operationelles Risiko

Wie die Esas weiter mitteilen, gelten Versprechen über die künftige ESG-Leistung als am anfälligsten für Greenwashing, gefolgt von der ESG-Strategie und den Zielen der Unternehmen sowie ESG-Labels und -Zertifikaten. Sowohl die zuständigen Behörden als auch die Marktteilnehmer schätzen, dass Greenwashing die größten Auswirkungen auf das Reputationsrisiko und das operationelle Risiko hat. Die Signifikanz von Greenwashing wird derzeit für Banken als gering oder mittel und für Wertpapierfirmen als mittel oder hoch eingeschätzt, dürfte aber in Zukunft zunehmen.

Als nächste Schritte planen die Esas die Antworten auf die Aufforderung zur Einreichung von Beweisen zum Thema Greenwashing in den nächsten Wochen auf den eigenen Websites zu veröffentlichen. Die Abschlussberichte will man im Mai 2024 veröffentlichen. Diese sollen abschließende Empfehlungen enthalten, auch zu möglichen Änderungen des EU-Rechtsrahmens.

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