Traditionelle Anlagen
10. März 2020

Growth-Unternehmen begeben Wandelanleihen

Megatrends als Treiber. Gespräch mit UBP Asset Management.

Wandelanleihen bieten Investoren ein attraktives Risiko-Rendite-Profil. Auf diese Einschätzung kommt auch eine aktuelle Analyse Scope. Die vergleichsweise hohe Komplexität dieser Asset-Klasse und geringere Markteffizienz würden Investoren jedoch den Zugang erschweren, jedoch auch Outperformance-Potenziale schaffen. Einer Auswertung von Fisch Asset Management zufolge konnten Wandelanleihen in Monaten mit steigenden Aktienkursen 65 Prozent der Aufwärtsbewegung mitmachen, in fallenden Monaten hingegen den Rückgang auf 49 Prozent der Abwärtsentwicklung begrenzen. Sowohl im Bärenmarkt 2000 bis 2002 als auch während der Finanzmarktkrise 2008 haben sich Wandelanleihen im Vergleich zu Aktien deutlich stabiler gezeigt. Der Sekundärmarkt für Wandelanleihen ist mit einem Volumen von rund 450 Milliarden US-Dollar und rund 1.700 Emissionen global betrachtet relativ klein.

„Wandelanleihen sind Aktien-artig, haben aber eine defensivere Natur“, erläutert Marc Basselier, Leiter Wandelanleihen bei UBP Asset Management (UBP). Einschränkend ist jedoch festzuhalten, dass Wandelanleihen ihren defensiven Charme in konjunkturell schlechten Zeiten aber nur bei gehobener Kreditqualität entfalten. Eine Entwicklung is aktuell, dass jüngere “growth” Unternehmen an den Markt kommen, die sehr wenig Capex- Aufwendungen haben, weshalb ihr Kreditprofil wertvoll ist. Ein Blick auf derartige Unternehmen hat für Convertible Manager aber noch einen weiteren Vorteil: „Gerade dieses Segment konnte im vergangenen Jahr einen großen Zuwachs, darunter auch viele neue Emittenten, verzeichnen“, so Basselier. Global habe das Emissionsvolumen in 2019 86 Milliarden US-Dollar betragen. Dieser Zuwachs an Emittenten ist auch deshalb erfreulich, weil das Wandelanleihesegment gestärkt wird. Schließlich konnten sich Unternehmen anders als früher auch zu sehr geringen Zinskosten mit Unternehmensanleihen finanzieren.

Daran hat sich auch nichts geändert. Die neuerweckte Liebe zum Wandler begründet Basselier vielmehr mit Megatrends wie Digitalisierung, Healthcare oder Konsum in den Schwellenländern. Diese Trends haben viele junge Unternehmen entstehen lassen, die, um möglichst schnell Marktanteile zu gewinnen, zum Wachstum verdammt sind. Basselier, der seit Ende 2018 in Diensten des Schweizer Asset Managers steht: „Wandelanleihen ermöglichen es diesen Emittenten, heute Kapital einzusammeln, ohne morgen Cash-Outflows stemmen zu müssen.“ Die Verwässerung ihrer Anteile ist für bestehende Eigentümer auch leicht zu verkraften, wenn wie geplant tatsächlich hohe Wachstumsraten und damit Wertzuwächse verzeichnet werden. Was Basselier als Asset Manager an Wachstums–Unternehmen neben der meist guten Kreditqualität ebenfalls schätzt, ist eine hohe Visibilität bezüglich der Unternehmensentwicklung.

Dafür ist durch die Ausrichtung auf Wachstumsunternehmen jedoch die Sektordiversifikation vor allem in den USA fokussierter. Durch die Beimischung von europäischen und asiatischen Wandelanleihen zu den US-Convertibles bleibt das Exposure des globalen UBAM Convertible Fonds zu Technologie, Kommunikation und Konsumer mit etwa einem Fünftel jedoch im Rahmen.

Konvexität glättet Aktienrisiken

Überzeugt von Wandelanleihen ist – als Leiter Institutionelle Kunden bei UBP wenig überraschend – Peter Richters. Richters hat aber auch mit dem defensiven Charakter von Wandelanleihen gerade in der jetzigen Marktphase ein gutes Argument dafür, für Convertibles als strategisches Element einer Asset-Allokation zu werben. „Die bei Wandelanleihen eingebaute Konvexität hilft, Aktienrisiken zu glätten“, so Richters. Weitere gute Argumente sind die Zufriedenheit bestehender Anleger und der gestiegene Diversifikationsbedarf. Beides dürfte dieser Tage noch gewachsen sein.

Gehör hat Peter Richters aber noch nicht überall gefunden. „Im Vergleich zu französischen und Schweizer Anlegern sind deutsche Investoren in Wandelanleihen unterinvestiert.“ Dafür sieht Richters verschiedene Gründe. Einer ist, dass einige Anleger mit ihren Managern unzufrieden waren und sich aufgrund dessen aus dem Segment verabschiedet haben. Ein anderer ist, dass Anlegerin in jahrelang steigenden Aktienmärkten keinen Grund für ein stärker konvexes Profil sahen, was das Interesse an Wandelanleihen dämpfte. „Ein weiteres Hindernis ist, dass Consultants Wandelanleihen oftmals nicht in ihren Modellen abbilden können“, erklärt Peter Richters. Ebenfalls wenig förderlich ist der hybride Charakter von Wandelanleihen (Renten, Aktien, Option) und damit keine eindeutige Zuordnung der Fachverantwortung beim Investor. So rutschen Wandelanleihen mitunter durch das Raster.

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