Immobilien
15. September 2022

Handelsimmobilien weiter auf Einkaufsliste

Zwei Drittel der Anleger wollen zukaufen. Hahn Gruppe: Anleger suchen inflationsindexierte Mieten.

Investoren verspüren nach wie vor Appetit auf Handelsimmobilien und wollen sich weitere Assets einverleiben. Dies gilt zumindest für knapp zwei Drittel der im Sommer von der Hahn Gruppe befragten Investoren. Ein Viertel der Befragten scheint dagegen einen gewissen Sättigungsgrad erreicht zu haben und will seinen Immobilienbestand zumindest halten. „Die weiterhin starke Kaufneigung – trotz der volatilen Kapitalmärkte – zeigt auf, dass die Investoren gezielt konservative Immobilieninvestments mit inflationsindexierten Mieten suchen, um Stabilität in das Portfolio zu bringen“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Hahn-Gruppe, Thomas Kuhlmann. „Innerhalb des Handelsimmobiliensegments werden versorgungsorientierte Objekttypen wie Fachmarktzentren, Lebensmittel- und Fachmärkte präferiert.“ Diese Aussagen tätigte Kuhlmann auf der gestrigen Pressekonferenz. Auf dieser stellte er gemeinsam mit CBRE, Bulwiengesa und EHI Retail Institute den 17. Retail Real Estate Report vor.

CBRE: Renditekompression gestoppt

Konkrete Zahlen zum deutschen Einzelhandelsimmobilienmarkt nannte Dr. Jan Linsin. Laut dem Head of Research bei CBRE in Deutschland verzeichnete der Markt in 2021 ein Investitionsvolumen von rund 9,7 Milliarden Euro. Dies stellt einen Rückgang von 21 Prozent dar. Diesen deutlichen Rückgang begründete Linsin mit dem Ausbleiben von großvolumigen Übernahmen und Transaktionen. Zudem überstieg die Nachfrage das Angebot deutlich. Im ersten Halbjahr 2022 erreichte der deutsche Einzelhandelsimmobilieninvestmentmarkt ein Transaktionsvolumen von 3,7 Milliarden Euro und damit ein leichtes Plus von einem Prozent. Dämpfend wirkte insbesondere Q2. „Mit 1,6 Milliarden Euro war es das schwächste Einzelquartal seit dem zweiten Quartal 2010“, so der auf exogene Schocks verweisende Linsin. Derzeit würden die Preisvorstellungen häufig zu unterschiedlich ausfallen.

Die Rahmenbedingen wirken sich auch auf die Renditen aus. Die anhaltende Renditekompression sei im Frühjahr zum Erliegen gekommen. „Im zweiten Quartal des Jahres 2022 blieben die Nettoanfangsrenditen gegenüber dem Vorquartal weitestgehend stabil und lassen für die folgenden Monate eine gegenläufige Entwicklungstendenz erwarten“, sagte Linsin.

Aufschlag für ESG

Beeinflusst werden die Renditen auch von Nachhaltigkeitsaspekten. 55 Prozent der von Hahn Befragten sehen in diesen einen sehr relevanten Faktor. Mittelfristig planen 78 Prozent in anerkannte Nachhaltigkeitsinvestments zu investieren. „Das Angebot der bereits als ESG-konform klassifizierten Immobilien ist allerdings noch begrenzt“, so Thomas Kuhlmann. Darum sei die Hälfte der Investoren bereit, für „grüne“ Objekte einen Aufschlag von bis zu fünf Prozent zu zahlen. „29 Prozent würden sogar einen Aufschlag von bis zu zehn Prozent akzeptieren.“

Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.