Strategien
11. Mai 2015

Hedgefonds und ESG: Zwei Welten kommen sich näher

Unter institutionellen Investoren herrscht ein immer breiterer Konsens darüber, dass die Umsetzung von ESG-Kriterien in Investmentprozessen das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios verbessern kann. Hedgefonds tun sich allerdings noch recht schwer beim Thema Nachhaltigkeit.

Unigestion zählt zu den Signatoren der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investieren (UN PRI). Diese haben unter anderem zum Ziel, Investoren zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsgrundsätzen bei ihren Anlageentscheidungen und ihrer Anlagepraxis anzuspornen. Nach eigenem Bekunden nimmt der Anbieter seine Verantwortung sehr ernst und berücksichtigt ökologische, soziale und Corporate-Governance-Kriterien (ESG) konsequent bei allen Direktanlagen. Darüber hinaus investieren die Schweizer in Fonds externer Manager. Doch dort ist die Beurteilung der Nachhaltigkeitskriterien oftmals ein schwieriges Unterfangen. 
Due-Diligence-Befragen an der Tagesordnung 
Unigestion führt nach eigenem Bekunden daher regelmäßig Due-Diligence-Befragungen durch, um sich ein Bild von den ESG-Strategien seiner Manager machen zu können. „Wenn immer dies möglich ist, arbeiten wir eng mit ihnen zusammen, um sie bei der Optimierung ihrer ESG-Praktiken zu unterstützen“, sagt der für Responsible Investment zuständige Koordinator Eric Cockshutt. In dem Zusammenhang fühlt Unigestion seinen Hedgefonds- und Private-Equity-Managern, bei denen er investiert ist, per Fragebogen auf den Zahn, um eine Beurteilung der von ihnen umgesetzten ESG-Strategien zu ermöglichen. Die erste Umfrage dieser Art fand 2011 statt. Nun hat der Anbieter eine weitere solche Umfrage nachgelegt. Anhand der Ergebnisse lassen sich Trends ableiten. 
Soviel vorab: Hedgefonds haben mit ESG häufig nichts am Hut. Laut den Studienmachern sind Hedgefonds-Manager, die ESG-Kriterien in ihren Prozessen umsetzen, in der Minderheit. 60 Prozent der befragten Akteure lehnen sie partout ab. Aber: In der Befragung aus dem Jahr 2011 lag der Anteil der Manager mit ablehnender Haltung noch bei 75 Prozent. Spiegelbildlich ist der Anteil jener Manager, die ESG-Kriterien in ihren Investmentprozess integrieren, seit der bislang letzten Befragung vor drei Jahren von 25 auf 40 Prozent und damit deutlich gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Manager, die Unigestion in dieser Hinsicht als „führend“ einstuft, mehr als vervierfacht. 
Interessant ist auch, dass die meisten befragten Hedgefonds-Manager die UN PRI bewusst nicht unterzeichnet haben. Doch auch hier gibt Fortschritte zu vermelden: 16 Prozent der Hedgefonds-Manager haben inzwischen ESG-Kriterien umgesetzt. 2011 waren es gerade einmal vier Prozent. 
Die Strategie macht den Unterschied
Von den befragten Manager wiesen diejenigen, die mit aktienbasierten Strategien, wie beispielsweise Long/Short Equity arbeiten, hinsichtlich der Integration von ESG-Kriterien einen „Vorsprung“ auf Manager auf, die eher dem Tactical Trading (Global Macro, CTA, Rohstoffe) zugeordnet werden. Dies sei nicht weiter verwunderlich, da das Aktien-Trading zahlreiche Möglichkeiten für die Berücksichtigung von ESG-Kriterien in einem Investmentprozess bietet. Dennoch lehnen nach wie vor 44 Prozent der Hedgefonds-Manager, die mit aktienbasierten Strategien arbeiten, die Integration von ESG ab. 2011 waren es 56 Prozent. Im Bereich Tactical Trading ist die ablehnende Haltung dafür aber noch weiter verbreitet. Hier lehnten zuletzt zwei von drei Managern ESG-Kriterien ab, nach 85 Prozent im Jahr 2011.
Private Equity steht zu ESG
Unigestion hat in seiner jüngsten Umfrage erstmals auch Private-Equity-Manager nach Ihrer Bereitschaft befragt, ESG-Kriterien in den Investmentprozess zu integrieren. Hier ist das Bild ein völlig anderes. Nur 27 Prozent der Umfrageteilnehmer lehnen die Beachtung von ESG-Aspekten ab. Private-Assets-Manager sind Hedgefonds demnach einen Schritt voraus; sie schätzen ESG-Grundsätze zunehmend als Wertschöpfungsquelle. Unigestion rechnet damit, dass in den kommenden Jahren weitere Fortschritte im Bereich ESG erzielt werden, da die Akzeptanz bei Private-Assets- und Hedgefonds-Managern gestiegen ist. Ferner übten die Investoren zunehmend Druck auf ihre Manager aus, resümieren die Studienmacher. 
portfolio institutionell newsflash 11.05.2015/Tobias Bürger
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