Traditionelle Anlagen
28. Februar 2013

High Yield ist erstmal passé

Vorläufige Zahlen von Morningstar zeigen, dass im Januar europaweit rund 20 Milliarden Euro netto in Bond-Fonds investiert wurden. Wie schon im Vorjahr waren vor allem Schwellenländer- und Hochzinsanleihen gefragt. Von High Yield kann inzwischen eigentlich nicht mehr die Rede sein.

Nach Angaben des Analysehauses waren im Januar 2013 auch jene Anlagefonds gefragt, die flexibel in verschiedene Bond-Segmente investieren. Der fortwährende Run auf Zinspapiere impliziere, dass die Luft immer dünner wird. Das sehen insbesondere die zuständigen Fondsmanager so: „Viele Hochzinspapiere rentieren inzwischen mit zwischen vier und fünf Prozent. Wer nicht sorgfältig auswählt, setzt sich Gefahren aus“, warnte jüngst Ariel Bezalel, der den Jupiter Dynamic Bond managt.
Laut Morningstar-Experte Ali Masarwah sieht Bezalel zwar noch nicht das Ende der Fahnenstange gekommen, gleichwohl befürchte er in diesem Jahr erhöhte Volatilitäten am Markt für Unternehmensanleihen. „Die Spreads haben sich wesentlich eingeengt, und wenn sich die Eurokrise wieder verschärft oder sich ein Zinsanstieg andeutet, kann das gefährlich werden“, so Bezalel.
Schwaches Rating kein Hinderungsgrund
In seiner jüngsten Analyse hat Morningstar die Asset Allocation von 600 der insgesamt über 3.200 Euro- und globalen Bond-Fonds untersucht. Hinterfragt wurden insbesondere die Fonds, bei denen die vollständigen Portfolios bekannt sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: In den vergangenen 16 Monaten hat sich das Gewicht in diesen Produkten stark in Richtung niedrige Bonitäten verschoben. „Waren auf dem Höhepunkt der Eurokrise im August 2011 noch 39,5 Prozent der Assets von Euro- und globalen Bond-Fonds in mit AAA bewerteten Papieren investiert, sank diese Quote per Ende Dezember 2012 auf nur noch 21,7 Prozent“, erklärt Branchenkenner Ali Masarwah und ergänzt: „Der Anteil der Fondsportfolios, die in AA-Bonds investiert waren, sank zwischen August 2011 und Ende 2012 ebenfalls deutlich, nämlich von 22,1 auf 15,7 Prozent.“
Spiegelbildlich dazu hätten die Fondsmanager den Anteil von BBB-Papieren, die nur knapp vom Ramschniveau entfernt sind, seit August 2011 von 10,1 auf 34,3 Prozent hochgefahren. Auf immerhin 5,2 Prozent verdoppelt habe sich im selben Zeitraum das Gewicht von BB- und B-Papieren.
Sorglosigkeit scheint auch bei Verfechtern von Staatsanleihen an der Tagesordnung zu sein. Laut Morningstar-Zahlen werden die Bonds der Euro-Südländer heute europaweit in Rentenfonds stärker gewichtet als noch vor gut 16 Monaten. In diesem Zusammenhang analysierte das Unternehmen gut 1.500 Fonds. In diesem Universum stieg der Anteil spanischer Staatsanleihen gegenüber August 2011 von 3,14 auf 3,45 Prozent. Italienische Staatsanleihen machten Ende Dezember 2012 immerhin 7,45 Prozent der Bond-Bestände aus, nach 5,9 Prozent im August 2011. Im Gegensatz dazu wurde der Anteil deutscher Staatsanleihen bei den betrachteten Fonds von 8,5 auf 6,7 Prozent reduziert.
Abgegraster Credit-Markt
„Auch wenn man unterstellt, dass bei Unternehmensanleihen eine veritable Blase entsteht, heißt das nicht, dass diese auch kurzfristig platzen muss“, heißt es seitens des Analysehauses. Viele Indizien sprächen jedoch dafür, dass der Credit-Markt in vielen Bereichen abgegrast sei. Morningstar winkt im Hinblick auf die konjunkturelle Eintrübung übrigens mit dem Zaunpfahl und schreibt: „Die Fallhöhe der Zinspapiere ist beträchtlich.“
Nach Angaben des Asset Managers Flossbach von Storch lag die Rendite von Unternehmensanleihen mit Top-Rating (anhand des iBoxx Euro Corporate Bonds AAA-, AA-, und A-Rating, gleichgewichtet) nach einem drastischen Renditeschwund Anfang dieses Jahres bei knapp unter zwei Prozent. Für Anleihen mittlerer Qualität (iBoxx Euro Corporate Bonds BBB-Rating) waren noch rund drei Prozent Rendite drin. Und selbst im Non-Investment-Grade-Bereich, gemessen am Barclays Global High Yield, waren im Schnitt nur noch sieben Prozent zu holen.
portfolio institutionell newsflash 27.02.2013/tbü
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