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27. März 2026

Hoher Ausfinanzierungsgrad eröffnet Pensionswerken Spielräume

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung WTW zeigt, dass der Ausfinanzierungsgrad der Pensionswerke der Dax-Unternehmen zuletzt ein neues Rekordniveau erreicht hat. Das eröffne neue Spielräume für De-Risking-Maßnahmen, heißt es bei WTW.

Die Pensionswerke der Dax-Unternehmen sind mit kräftigem Rückenwind ins Jahr 2026 gestartet. Das zeigt die Studie „DAX-Pensionswerke 2025“ der Unternehmensberatung WTW. Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionsverpflichtungen stieg demnach per Ende 2025 auf 87 Prozent – ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und zugleich der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1999.

Haupttreiber der Entwicklung sind höhere Zinsen und die robuste Performance der Kapitalmärkte im vergangenen Jahr. „Die Pensionswerke vieler Unternehmen stehen heute so gut da wie seit Jahren nicht“, sagte Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW, gegenüber portfolio institutionell.

Hoher Ausfinanzierungsgrad eröffnet neue De-Risking-Optionen

Die Studie basiert auf 30 ausgewerteten Geschäftsberichten der 40 Dax-Unternehmen und umfasst damit 94 Prozent der gesamten Dax-Pensionsverpflichtungen und des Deckungsvermögens. In Summe sind die Pensionsvermögen der Dax-Unternehmen im Jahr 2025 aufgrund höherer Auszahlungen als Dotierungen zwar um 1,1 Prozent auf 258 Milliarden Euro gesunken.

Der Wert der Pensionsverpflichtungen sank jedoch deutlich stärker um 6,3 Prozent auf 298 Milliarden Euro – vor allem wegen des Anstiegs des Rechnungszinses, der im Median um 67 Basispunkte auf 4,10 Prozent zulegte. Unterm Strich ergab sich damit die deutliche Steigerung des Ausfinanzierungsgrades.

Diese Entwicklung verschaffe vielen Unternehmen neue strategische Optionen, sagt Johannes Heiniz, Leiter General Consulting Retirement bei WTW: „Ein Ausfinanzierungsgrad von knapp 90 Prozent verändert die Spielregeln im Pensionsmanagement. Viele Unternehmen haben jetzt sehr gute Voraussetzungen, ihre Pensionsrisiken systematisch zu reduzieren.“ Unternehmen könnten auf diesem Niveau deutlich offensiver über De-Risking, Auslagerungen oder Pension-Buyouts nachdenken.

Besonders Pension-Buyouts, bei denen Verpflichtungen gegenüber ehemaligen Mitarbeitenden vollständig auf externe Anbieter übertragen werden, würden zunehmend diskutiert, so Heiniz. Er sagt: „Pension Buy Outs sehen wir als klaren Trend der kommenden Jahre.“ Seiner Schätzung nach umfasst der Markt für Pension Buyouts bislang etwa vier bis 4,5 Milliarden Euro. Gemessen am gesamten deutschen Pensionsvermögen von rund 600 Milliarden Euro sei das Potenzial damit noch hoch.

Tatsächlich gab es in diesem Bereich zuletzt einiges an Bewegung: So hatte erst zum Jahresende 2025 die SV Pensionsfonds AG die Pensionsverpflichtungen der Hamburger Sparkasse in Höhe von gut 900 Millionen Euro übernommen. Auch WTW ist in diesem Segment aktiv und hatte vor kurzem gemeldet, dass man im Rahmen einer solchen Pension-Buyout-Transaktion die deutschen Pensionsverpflichtungen des ehemaligen Areva-Konzerns an die WTW Pensions Holding GmbH übertragen habe.

Investmentstrategien passen sich an ein volatiles Umfeld an

Das Kapitalmarktjahr 2025 stand wirtschaftlich und politisch unter Spannung. Handelskonflikte, neue Zollmaßnahmen der USA und geopolitische Krisen sorgten immer wieder für Unruhe an den Märkten. Dennoch schlossen die Aktienmärkte mit deutlichen Gewinnen.

Anleihen blieben ein wichtiger Ertragsbaustein, wenngleich sich die Entwicklung je nach Laufzeit, Region und Bonität deutlich unterschied. Fiskalpolitische Erwartungen, konjunkturelle Impulse und die Reform der deutschen Schuldenbremse setzten langfristige Staatsanleihen unter Druck und ließen ihre Renditen steigen.

Die anhaltenden geopolitischen Spannungen und der Volatilität der Kapitalmärkte veranlasse viele Pensionswerke dazu, ihre Investmentstrategien auf den Prüfstand zu stellen, erklärt Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director Investments bei WTW. Eine umfassende Streuung der Anlagen, flexible Steuerungsmodelle und gezielte Absicherungsstrategien würden dabei im Vordergrund stehen.

Besonders Investitionen in Private Markets würden weiter an Bedeutung gewinnen und dazu beitragen, Erträge zu diversifizieren und Renditeprofile zu stabilisieren. „Eine breite Diversifikation der Investments ist heute unerlässlich“, so Schmidt-Narischkin: „Sie ermöglicht es, Marktschwankungen abzufedern und verlässliche Renditeprofile zu sichern.“

Rechnungszins seit Jahresbeginn weiter gestiegen

Auch seit Beginn dieses Jahres sind laut Schmidt-Narischkin Inflation und Geldpolitik zentrale Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte und den Rechnungszins. „Aufgrund der signifikant gestiegenen Inflationsaussichten gelten weitere Leitzinssenkungen der EZB inzwischen als unwahrscheinlich“, so der WTW-Experte. Stattdessen würden von den Märkten für das laufende Jahr bereits ein bis zwei Leitzinserhöhungen für den Euroraum eingepreist.

Für die USA mit ihrem aktuell noch deutlich höheren Zinsniveau werden vergleichbar dazu für die nächsten beiden Jahre zwar weiterhin Leitzinssenkungen prognostiziert, doch auch hier seien die Erwartungen an deren Ausmaß und Anzahl seit Kriegsbeginn spürbar zurückgegangen. In der Folge konnte der internationale Rechnungszins der Eurozone in den ersten beiden Handelswochen im März um rund 20 Basispunkte zulegen.

Mit Hinblick auf den Rechnungszins deuten nach Meinung der WTW-Experten die Vorzeichen eher für einen weiteren Anstieg im Jahresverlauf hin. Wie sich der Ausfinanzierungsgrad entwickle, hänge aber ganz entscheidend von der Entwicklung an den Kapitalmärkten und damit der Planvermögen ab.

Der höhere Ausfinanzierungsgrad sei zudem kein Selbstläufer, so WTW-Expertin Hanne Borst. In einem volatilen Umfeld entscheide zunehmend die Qualität der Steuerung über den Erfolg. „Wer jetzt aktiv handelt, kann Risiken abbauen – und sich strategische Vorteile sichern“, so Borst.

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