Hohes Interesse an der Immobilienverrentung
Mehr und mehr Eigentümer suchen nach Wegen, gebundenes Vermögen aus den eigenen vier Wänden zu mobilisieren. Wie sich der Markt im vergangenen Jahr entwickelt hat, zeigt eine aktuelle Statistik.
Die Immobilienverrentung, also der Teil- oder Vollverkauf selbst genutzter Immobilien, ist längst kein Nischenthema mehr, sondern Teil einer größeren gesellschaftlichen Entwicklung. Darauf macht der Bundesverband für Immobilienverrentung e. V. (BVIV) anlässlich der Bekanntgabe der vorläufigen Marktstatistik für das Geschäftsjahr 2025 aufmerksam.
Demnach verzeichneten die Mitgliedsunternehmen des BVIV binnen eines Jahres fast 20.000 konkrete Anfragen zu Angeboten der Immobilienverrentung. Diese hohe Zahl unterstreiche, dass viele Eigentümerinnen und Eigentümer nach Wegen suchen, gebundenes Vermögen aus den eigenen vier Wänden zu mobilisieren – ohne ihr Zuhause vollständig aufgeben zu müssen, so der Verband.
„In einer alternden Gesellschaft mit hoher Immobilienquote und gleichzeitig eingeschränktem Zugang zu klassischen Kreditlösungen im höheren Lebensalter gewinnen alternative Modelle zur Liquiditätsgewinnung zunehmend an Bedeutung“, ordnet der BVIV ein. Die Marktstatistik bildet die Entwicklung der Immobilienverrentung in Deutschland ab und zwar in den Bereichen Teilverkauf, Leibrente, Erbbaurecht und Darlehen.
Teilverkauf: Anhaltend hohe Nachfrage bei geringeren Transaktionen
Im vergangenen Jahr war der Immobilien-Teilverkauf das am stärksten nachgefragte Modell der Immobilienverrentung. Allerdings sei die hohe Nachfrage auf ein herausforderndes Finanzierungsumfeld getroffen. Das heißt konkret: Verschärfte Ankaufskriterien finanzierender Banken sowie das temporäre Pausieren der Marktaktivitäten eines großen Anbieters hätten dazu geführt, dass deutlich weniger Anfragen in tatsächliche Abschlüsse überführt werden konnten.
Im Segment Immobilien-Teilverkauf verzeichnete der BVIV 705 Abschlüsse im Jahr 2025, was einen Rückgang der abgeschlossenen Transaktionen um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der durchschnittliche Marktwert der teilverkauften Immobilien lag den Angaben zufolge bei rund 500.000 Euro.
Die Verkäufer veräußerten im Schnitt 40 Prozent ihrer Immobilie. Das Marktvolumen („tatsächlich angekauft“) im Immobilien-Teilverkauf innerhalb des BVIV lag 2025 damit bei über 140 Millionen Euro.
Der Verband bildet nach Einschätzung seiner Mitglieder 85 Prozent der Transaktionen der institutionellen Anbieter im Gesamtmarkt ab. „Der Rückgang der Abschlüsse ist kein Nachfrageproblem, sondern Ausdruck eines veränderten Marktumfelds auf Finanzierungs- und Anbieterseite“, erklärt Thomas Weiss, Vorstand des BVIV. „Seniorinnen und Senioren suchen weiterhin aktiv nach Alternativen zum Gesamtverkauf oder zu klassischen Krediten. Diese Nachfrage ist strukturell intakt.“
Erbbaurecht im Fokus
Ein Teil der Nachfrage habe sich im Jahresverlauf auf alternative Verrentungsmodelle verlagert und zwar insbesondere auf das Erbbaurecht. Dieses Modell gelte seit Jahrzehnten als solides Instrument der Immobilienverrentung und ergänze das bestehende Spektrum sinnvoll, heißt es. Das betrifft zum Beispiel Immobilien mit Denkmalschutz, komplexer Bausubstanz oder eingeschränkter Drittverwertbarkeit. 2025 konnten knapp 30 Ankäufe mit einem durchschnittlichen Marktwert von 350.000 Euro getätigt werden, dies entspricht einem Volumen von zehn Millionen Euro.
Der Leibrenten-Anbieter Stiftung Liebenau im BVIV habe bis Ende 2025 13 Transaktionen durchgeführt. Der durchschnittliche Marktwert der Immobilie bei Vertragsschluss wird mit 420.000 Euro angegeben. Das Ankaufsvolumen wird auf 5,5 Millionen Euro beziffert. Damit bewege sich das Segment auf einem stabilen Niveau im Vergleich zum Vorjahr.
„Gerade in einer alternden Gesellschaft braucht es unterschiedliche Wege, gebundenes Immobilienvermögen verantwortungsvoll zu mobilisieren. Die stabile Entwicklung der Leibrente zeigt, dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern passgenaue Modelle für unterschiedliche Lebensphasen und Bedürfnisse“, erklärt Christoph Sedlmeier, Vorstand des BVIV.
Immobilienverrentung wandelt Beton in Bargeld
Immer mehr Banken und Sparkassen beschäftigen sich mit Immobilienverrentungen in Form von Nießbrauchvereinbarungen, Immobilienleibrenten mit lebenslangem Wohnrecht, Teilverkäufen oder grundpfandrechtlich besicherten Darlehen. Solche Immobilienverrentungen gewinnen demografisch bedingt auch stark an Bedeutung, wie Sie in unserer Analyse „Immobilienverrentung wandelt Beton in Bargeld“ aus dem Jahr 2022 nachlesen können.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Wohnimmobilien
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