Jahreskonferenz
17. April 2026

Innovative Bausteine für mehr Zinsen und mehr Stabilität

Das allgemeine Renditeniveau am Rentenmarkt ist zuletzt nochmals gestiegen, gleichzeitig setzt sich die Spread-Kompression in weiten Marktbereichen fort. Die Experten auf dem Fixed-Income-Panel diskutierten über die aktuellen Herausforderungen und über Bausteine, die dem Portfolio zugleich mehr Rendite und Diversifikation verleihen können.

Rendite und Stabilität standen im Zentrum des Panels „Innovative Diversifier mit attraktiver Komplexitätsprämie für mehr Stabilität“. Ein relevantes Thema, denn wie Moderator Markus Schmidt, Principal bei Mercer, betonte, ist Fixed Income „nach wie vor der wichtigste Portfoliobaustein in Deutschland“. Je nach Perspektive ist die Lage im Fixed Income einerseits komfortabel, wenn man das heutige Marktzinsniveau mit den Niedrig- und Minuszinsen der 2010er Jahren vergleicht.

Andererseits sind die Renditeprämien über weite Teile des Marktspektrums auf langjährige Tiefstände geschmolzen. Mit welchen Bausteinen sich Portfoliorisiken reduzieren und Mehrerträge generieren lassen, diskutierten auf dem Panel in Berlin Dr. Steffen Gehring, Geschäftsführer bei Südwestmetall, Hugh Briscoe, Senior Fixed Income Client Portfolio Manager bei Morgan Stanley Investment Managers, und Tobias Ripka, Investment Director bei Wellington Management.

Beim Fixed-Income-Panel wanderte Markus Schmidt (v. l. n. r.) mit Hugh Briscoe, Tobias Ripka und Dr. Steffen Gehring durch die Zinslandschaft. Bild: Alex Habermehl.

Als Streikkasse der Arbeitgeber hat die Südwestmetall einen speziellen Anlagefokus. Während institutionelle Anleger meist extrem langfristig investieren, reicht der unmittelbare Anlagehorizont der Südwestmetall genau genommen so weit wie der geltende Tarifvertrag. „Ein Tarifvertrag läuft in der Regel nicht länger als ein bis zwei Jahre und dann muss natürlich im Zweifel auch Liquidität da sein“, so „Südwestmetaller“ Gehring. Anders als bei einem Pensionsvermögen, bei dem die Verpflichtungen in Höhe und Fristigkeit weitgehend bekannt sind, seien die tatsächlichen Verpflichtungen in ihrer Höhe kaum exakt zu quantifizieren und der Anlagehorizont sehr kurz. Diesen Umstand berücksichtigt die Strategische Allokation etwa über den Fokus auf liquide Anlagen im Fixed-Income- und im Equity-Bereich.

Fokus auf Zinsrisiken statt Spreads

Den Anleihenmarkt bewegen nach Einschätzung von Tobias Ripka von Wellington gerade vor allem makroökonomische Risiken – und da besonders die Zins- und Inflationserwartungen. „Die Märkte fokussieren sich aktuell ganz stark auf die Zinsseite“, so der Wellington-Experte. Ganz anders beim Kreditrisiko: Trotz der gefühlt hohen Unsicherheit seien die Renditeprämien bis vor kurzem auf absoluten Tiefständen gelegen und selbst seit Kriegsausbruch sei die Spread-Ausweitung sehr verhalten ausgefallen. „Hier ist im Endeffekt kaum Risiko eingepreist“, so Ripka. Er hält den Anleihenmarkt auf dem gegenwärtigen Renditeniveau aber trotz der zuletzt höheren Volatilität für grundsätzlich sehr attraktiv: Mit einem breit aufgestellten, qualitativ hochwertigen Portfolio über verschiedene Sektoren sichere man sich als Investor eine sehr gute Gesamtrendite, von der man auf Jahre hinaus profitieren könne.

Die engen Spreads bereiten Hugh Briscoe von Morgan Stanley Investment Managers aktuell noch keine großen Sorgen. Er rechnet mit anhaltender Unterstützung für risikobehaftete Zinsanlagen wie Unternehmensanleihen. Anhaltender Rückenwind komme etwa vom Infrastrukturpaket in Deutschland, aber auch von regulatorischen Änderungen wie der Solvency-II-Reform in Europa und der Deregulierung im US-Bankensektor. Doch klar ist für Hugh Briscoe auch: „Je länger der Irankrieg andauert und je höher der Ölpreis steigt, umso besorgter sind wir wegen der Inflations- und Rezessionsrisiken.“

KI-Emissionen und Disruptionsangst

Auch das Geschehen am Primärmarkt beschäftigt die Investoren, insbesondere die enormen anleihefinanzierten KI-Investitionen der Hyperscaler. Anfang des Jahres hatte Google erfolgreich eine hundertjährige Anleihe platziert. Für Briscoe bleibt die zentrale Frage, ob die KI-Investitionen tatsächlich die erwarteten Produktivitätsgewinne bringen werden. „Der Markt ist sich darüber noch nicht einig“, so der Fixed-Income-Experte. Doch noch würden renditegetriebene Investoren im Investment-Grade-Bereich solche Volumina problemlos absorbieren. Er sieht zudem einen Widerspruch zwischen erfolgreichen KI-Emissionen und der Disruptionsangst im Software-Sektor: „Wenn wir davon ausgehen, dass steigende Investitionen zu höherer Produktivität führen, können wir nicht gleichzeitig im gleichen Maße davon ausgehen, dass Disruption ein zentrales Risiko darstellt“, so Briscoe.

Zinsänderungs- und Kreditrisiken sind zentrale Risikoaspekte im Fixed Income: Hier ist für Südwestmetall-Geschäftsführer Gehring trotz der potenziell kurzfristigen Abrufbarkeit eine längerfristige strategische Sicht auf Risiken entscheidend. Es sei wichtig, die Reagibilität zu verstehen. Dazu arbeitet Gehring unter anderem mit einem eher konservativen „Value-at-Risk“-Ansatz und mit den historischen Drawdowns. In einigen der vergangenen Black-Swan-Events hätte Value-at-Risk schlicht versagt, so seine Erfahrung: Anschaulicher wäre oft der rückblickende Vergleich, wie ein Portfolio in seiner aktuellen Aufstellung durch große Schocks wie die Lehman-Krise gekommen sei. Am Ende des Tages müsse das Geld da sein für die Gefahrengemeinschaft, so Gehring, „und da muss ich natürlich große Disruptionen irgendwie mit einbeziehen.“

Ob Fixed Income aktuell eher Chance oder Herausforderung ist, kommt laut Wellington-Experte Ripka vor allem auf das Anlageziel an: So gebe es Kunden, die stark auf die Spread-Welt fokussiert seien. „Die haben natürlich aktuell eine andere Herausforderung als solche Kunden, für die im Endeffekt die Gesamtverzinsung entscheidend ist“, so Ripka. Ein Weg zu höheren Mehrerträgen im Investment-Grade-Bereich (IG) besteht seiner Meinung nach darin, bewusst auf einen Teil der Liquidität zu verzichten. Dies könne beispielsweise dadurch umgesetzt werden, dass in Cashflow-Driven Investing-Mandaten weniger liquide Anlagen wie Private Placements beigemischt werden. „Solche direkt ausgehandelten Positionen bringen immer noch einen zusätzlichen Tick Liquiditätsprämie“, so Ripka. Zugleich würden Investoren damit weiter in einem qualitativ sehr hochwertigen Kreditumfeld bleiben und dabei über die Individualisierung einen zusätzlichen Spread generieren.

Komplexitätsprämien mit Struktur

Auch strukturierte Produkte bieten potenziell Chancen für Diversifikation und Mehrrendite. Morgan-Stanley-Experte Briscoe sieht solche Gelegenheiten derzeit etwa bei Agency US Mortgage-Backed Securities (Agency MBS) und bei Collateral Loan Obligations (CLOs). Im Agency-MBS-Markt seien die Spreads momentan höher als im IG-Credit-Bereich. Grund für diese Anomalie sei unter anderem die Bilanzverkürzung der US-Fed, die ihre MBS-Bestände zurückfährt, während sich Käufer noch zurückhalten. Sehr interessant findet er auch AAA- und AA-Tranchen im CLO-Segment. Auch diese hochdiversifizierten, strukturierten Produkte würden bei gleichem Rating eine attraktive Komplexitätsprämie gegenüber entsprechenden Unternehmensanleihen bieten. Zudem erwartet er mit der Solvency-II-Reform und den Erleichterungen bei Securitized Assets wie CLOs und ABS, dass auch Versicherer zunehmend in dieses Segment investieren.

Als interessanten Baustein nennt Wellington-Experte Ripka auch Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern: Diversifikation bedeute in der Anleihewelt häufig die Kombination von Zins- und Spread-Risiken. Bei Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern sei das anders. Ripka: „Innerhalb der klassischen Long-Only-Strategien ist das einer der wenigen Diversifikatoren, der je nach Basiswährung wirklich ein echt anderes Renditeprofil erzeugt.“

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