Traditionelle Anlagen
13. Juni 2022

Institutionell verwaltete ESG-Anlagen wachsen um 26 Prozent

FNG-Marktbericht: ESG-Integration löst Ausschlüsse als meistgenutzte Anlagestrategie ab. Nachhaltig verwaltetes Anlagevolumen in Deutschland steigt um 50 Prozent.

Die ESG-Anlagen institutioneller Investoren in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf 232,8 Milliarden Euro angewachsen. Ende 2020 hatten sie noch 184,3 Milliarden Euro betragen. Dies ist eines der Ergebnisse des Marktberichts 2022 des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG).  Das Verhältnis nachhaltiger Geldanlagen hat sich dem Bericht zufolge in 2021 deutlich in Richtung Privatanleger verschoben. Deren Anteil an nachhaltigen Geldanlagen wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 130 Prozent auf 246 Milliarden Euro.

Demnach hat sich auch die Zusammensetzung der institutionellen Investoren nach ihrem Anteil an nachhaltigen Assets etwas verändert. Während kirchliche Investoren in 2020 noch 29,4 Prozent der verwalteten ESG-Anlagen hielten, waren es Ende 2021 nur noch 23,3 Prozent. Die kirchlichen Anleger führend damit aber nach wie vor die Rangliste an. Auch Versicherer und Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit gaben Anteile ab (von 17,1 Prozent auf 13 Prozent), während die öffentliche Hand (von 15,9 auf 16 Prozent) und insbesondere betriebliche Pensionsfonds (von 8,5 auf 11,9 Prozent) ihre Anteile ausbauen konnten.

Rekord bei 501,54 Milliarden Euro

Das FNG hat neben den nachhaltigen Publikumsfonds, Mandaten und Spezialfonds auch die Kundeneinlagen der insgesamt 15 im Marktbericht erfassten Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus (45,8 Milliarden Euro) auch die Eigenanlagen (Depot A) von Banken berücksichtigt, die unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien verwaltet werden (47,1 Milliarden Euro). Daraus ergibt sich für die nachhaltige Geldanlage in Deutschland ein Gesamtvolumen von 501,4 Milliarden Euro. Das ist ein neuer Rekordwert. Er entspricht einem Zuwachs von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2020).

64 Prozent der ESG-Anlagen von institutionellen Anlegern

Institutionelle Anleger hielten zum Stichtag 31.12.2021 insgesamt 64 Prozent des unter Berücksichtigung von strengen umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen (ESG-)Kriterien verwalteten Kapitals. Der Marktanteil nachhaltiger Geldanlagen am Gesamtmarkt sprang von 6,4 auf 9,4 Prozent. Unter die Klammer der verantwortlich verwalteten Geldanlagen (Responsible Investments) in Deutschland, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich zum 31.12.2021 eine Gesamtsumme von rund 2,2 Billionen Euro.

82 Prozent werden nach ESG-Integration gemanagt

Die ESG-Integration ist erstmals auf Platz eins der nachhaltigen Anlagestrategien in Deutschland. Diese legte im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent zu und wurde für rund 82 Prozent aller nachhaltigen Fonds und Mandate angewendet. Verantwortlich für den starken Zuwachs ist unter anderem auch die Tatsache, dass viele Immobilienfonds innerhalb des vergangenen Jahres als Artikel-8-Fonds deklariert wurden und damit als nachhaltig gelten.

Erstmals auch Immobilienfonds mit in der Auswertung

Mehr als jeder dritte in nachhaltige Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds angelegte Euro (36 Prozent) war per 31.12.2021 in Aktien investiert. 25 Prozent waren in Unternehmensanleihen investiert. Damit flossen insgesamt 61 Prozent aller nachhaltigen Geldanlagen in von Unternehmen emittierte Wertpapiere. Auf Immobilienfonds entfielen 21 Prozent der nachhaltigen Geldanlagen. Die Immobilienfonds wurden im Rahmen des aktuellen FNG-Marktberichts auf Basis ihrer Klassifizierung als Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds erstmals zu den nachhaltigen Geldanlagen gezählt. Dabei wurden insgesamt 26 Immobilienfonds mit einem Gesamtvolumen von 72,2 Milliarden Euro berücksichtigt. Elf Prozent der nachhaltigen Kapitalanlagen entfielen auf öffentliche Anleihen, sieben Prozent auf Geldmarkt- und Bankeinlagen sowie Hedgefonds.

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