1. November 2012

Institutionelle Investoren stürzen sich auf Real Assets

Immobilienanlagen rücken in den Vordergrund. Anleihen verlieren drastisch an Bedeutung.

Institutionelle Investoren reagieren auf die Euro-Schuldenkrise und die damit einhergehenden Niedrigzinsen mit einer deutlichen Änderung der strategischen Asset-Allokation. Wie die Fondsgesellschaft Universal-Investment im Rahmen einer Umfrage unter mehr als 80 Investoren mit Kapitalanlagen von zusammen über 250 Milliarden Euro herausgefunden hat, wollen rund ein Viertel der Befragten „klassische Renteninvestments“ künftig meiden. Stattdessen steht bei Pensionskassen, Versorgungswerken, Versicherungen und Kreditinstituten der Ausbau alternativer Investments auf der Agenda.
Darüber hinaus setzen sich die verschiedenen institutionellen Investorengruppen laut Universal-Investment mit der stärkeren Nutzung von Anlagen in Schuldtitel, sogenannte Loan-Investments, auseinander. Last but not least unterstreicht die Kapitalanlagegesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main das zunehmende Interesse an Investitionen in Immobilien, Infrastrukturobjekten, wie erneuerbare Energien, Autobahnen oder Stromnetzen. Eine Erhöhung der Aktieninvestments planen indessen rund 30 Prozent der Befragten als Reaktion auf die Finanzkrise.
Nach Angaben der Fondsgesellschaft haben 41 Prozent der befragten Großanleger bereits heute eine Immobilienquote von neun Prozent oder mehr. Auf Sicht der kommenden drei Jahre planen zudem 29 Prozent der Umfrageteilnehmer eine Erhöhung der Immobilienquote um bis zu drei Prozentpunkte. 14 Prozent der Befragten wollen die Investments in Immobilien um mehr als drei Prozentpunkte ausbauen.
Großanleger verlangen Sicherheit
Ins gleiche Horn wie Universal-Investment stößt man auch im Lager der genossenschaftlichen Finanzgruppe. „Das Anlagedilemma institutioneller Investoren wird immer gravierender“, heißt es in der jüngsten Risikomanagementstudie von Union Investment, für die zwischen Mai und Juni 2012 insgesamt 109 institutionelle Investoren aus Deutschland befragt wurden. Für nicht weniger als 83 Prozent dieser Großanleger ist Sicherheit inzwischen der wichtigste Aspekt bei der Anlageentscheidung. Interessanterweise liegt dieser Wert zwei Prozentpunkte höher als nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2009. Gleichzeitig ging die Bedeutung der Rendite zurück. Lediglich neun Prozent sehen hierin momentan das wichtigste Anlageziel – obwohl die Rendite sicherer Anlagen seit einiger Zeit weit unter dem benötigten Mindestertrag von vier Prozent liegt, wie der Asset Manager zu bedenken gibt.
Das Auseinanderklaffen der Risiko-Rendite-Schere spiegele die Zwickmühle deutscher Großanleger wider. „Einerseits erhöhen die im Zuge der vergangenen Finanzkrisen entstandenen Verluste ihr Sicherheitsbedürfnis. Andererseits werfen gerade als sicher und solide wahrgenommene Anlagen nicht mehr die Renditen ab, die Großinvestoren wie Versicherungen und Stiftungen brauchen, um ihre Verpflichtungen zu bedienen“, betont man beim Asset Manager der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Nach Abzug der aktuellen Inflationsrate führten sie sogar sehr oft zu einem realen Vermögensverlust. Dieses Dilemma lasse sich grundsätzlich nur über die Inkaufnahme von Risiko auflösen.
Auch bei Union Investment hat man sich vor diesem Hintergrund mit der Asset-Allokation der institutionellen Investoren beschäftigt und kommt zu dem Ergebnis, dass Anleihen nach wie vor die stärkste Anlageklasse bilden. Gleichwohl sei ihr Anteil an den Kapitalanlagen von 74 Prozent im vergangenen Jahr auf derzeit 46 Prozent gesunken. Deutlich gefragter seien dagegen Investments in Geldmarktinstrumente. Ihr Anteil habe sich binnen Jahresfrist von elf auf 23 Prozent erhöht. Auf Aktien entfallen nach Berechnungen von Union Investment gegenwärtig sieben Prozent der Vermögensaufteilung. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als 2011.
Mit Blick auf Immobilien konstatiert die Kapitalanlagegesellschaft einen Anstieg von fünf auf 15 Prozent – binnen eines Jahres. Für Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für das institutionelle Kundengeschäft, ist dies eine nachvollziehbare Entwicklung: „Immobilien können dem Wunsch der Investoren nach stetigen und planbaren Erträgen sehr gut befriedigen.“ Zudem versprächen Sachwerte wirksamen Inflationsschutz.
portfolio institutionell newsflash 31.10.2012/tbü
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