Strategien
16. Dezember 2013

Integrated Reporting verspricht mehr Transparenz

Die großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland geben Investoren immer häufiger Einblick in nichtfinanzielle Leistungsindikatoren. Treiber für Unternehmenserfolg lassen sich identifizieren.

Börsennotierte Unternehmen stecken viel Zeit und Energie in die Erstellung integrierter Finanz- und Nachhaltigkeitsberichte.Experimente der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) haben gezeigt, dass Investoren gute ESG-Arbeit von Unternehmen honorieren, wenn diese integriert im Finanzbericht berichtet wird. Laut einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC erweitern insbesondere die Unternehmen aus dem Dax ihre Berichterstattung und greifen dabei die Idee des Integrated Reporting auf. 
Wie der Studie „Integrated Reporting in Deutschland“ zu entnehmen ist, für die PWC die Geschäftsberichte der 30 Dax-Unternehmen unter die Lupe genommen hat, werden dabei auch nichtfinanzielle Themen einbezogen, die für den nachhaltigen Unternehmenserfolg relevant sind. Demnach machen inzwischen 27 Prozent der Dax-Konzerne Angaben zu unterschiedlichen Aspekten des Integrated Reporting, wie PWC lobend hervorhebt. 60 Prozent der Unternehmen informieren zumindest zu einzelnen dieser Themen. Nur eine Minderheit von 13 Prozent berichtet nach Angaben der Prüfungsgesellschaft noch gar nicht oder nur im minimalen Umfang. Insgesamt lägen die Defizite vor allem in der Darstellung des Geschäftsmodells, der Strategie und der nichtfinanziellen Indikatoren, so die Studienmacher. 
Nach Angaben von Harald Kayser, Mitglied des PWC-Vorstands und verantwortlich für den Geschäftsbereich Wirtschaftsprüfung, gewinnt Integrated Reporting an Relevanz, allerdings herrsche bei den Unternehmen ein hohes Maß an Unsicherheit, wie sie diese Form der Berichterstattung angehen sollen. Es fehlten Standards und einheitliche Messmethoden, so der Branchenexperte. „Ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz ist das neue Rahmenwerk des International Integrated Reporting Council, das Inhalte und Prinzipien für diese Form der Berichterstattung formuliert“, erläutert Kayser. 
Rahmenwerk für Transparenz 
Das International Integrated Reporting Council (IIRC) hat dieses neue Rahmenwerk am 5. Dezember nach einer mehrjährigen Testphase mit inzwischen über 100 Pilotunternehmen verabschiedet. In dem IIRC-Gremium engagieren sich laut PWC neben Unternehmen und Standardsetzer auch institutionelle Investoren. Das Rahmenwerk enthält die Elemente für ein Integrated Reporting, formuliert Ziele und legt Prinzipien fest. Dabei wird, wie PWC es formuliert, „der bislang enge Kapitalbegriff in der Rechnungslegung erweitert: Das Integrated Reporting soll die Kapitalquellen ausweisen, die das Geschäftsmodell und den Erfolg des Unternehmens beeinflussen.“ Dazu zählen neben dem finanziellen Kapital und dem Produktionskapital das sogenannte Humankapital, intellektuelles Kapital, Naturalkapital und soziales Kapital, die nun ebenfalls zum Gegenstand der Berichterstattung werden. 
In der herkömmlichen Rechnungslegung spielten diese Aspekte bislang kaum eine Rolle, streicht man bei PWC heraus. Doch das dürfte sich sukzessive ändern. Denn mit Hilfe des Integrated Reporting lassen sich einzelne Werttreiber besser als bisher darstellen, was ganz im Sinne der Investoren sein dürfte. PWC-Vorstand Kayser argumentiert: „Bislang verknüpfen Unternehmen die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Kapitalquellen und nichtfinanziellen Indikatoren nicht, wie unsere Untersuchung der Dax-Unternehmen zeigt.“ Ein Beispiel für eine typische Wirkungskette sieht nach PWC-Angaben so aus: Eine Investition in die Aus- und Weiterbildung reduziert einerseits das finanzielle Kapital, andererseits erhöhe sich dadurch das Humankapital. Qualifizierte Mitarbeiter können langfristig einen besseren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten. 
Der Weg zu mehr Transparenz bei nichtfinanziellen Indikatoren ist allerdings recht steinig. „In der Regel liegen über die nichtfinanziellen Treiber eines Unternehmens bis dato nur wenige Informationen vor. Anders als im Finanzbereich fehle es an etablierten Verfahren und Messmethoden“, erläutert Kayser und unterstreicht: „Während sich in der Finanzberichterstattung allgemein akzeptierte Key-Performance-Indikatoren etabliert haben, fehlen für die nichtfinanziellen Informationen noch solche Standards.“ Vor diesem Hintergrund bestehe eine der Aufgaben heute darin, Leitlinien für eine transparente, vergleichbare und branchenbezogene Umsetzung zu entwickeln. 
Langfristig birgt diese freiwillige Form der Berichterstattung immense Chancen, ist man bei PWC überzeugt. Kayser: „Integrated Reporting liefert ein umfassenderes Bild über ein Unternehmen, als dies die herkömmliche Rechnungslegung leisten kann.“ Mittels Integrated Reporting ließen sich die Treiber für den kurz-, mittel- und langfristigen Unternehmenserfolg identifizieren und ausweisen. 
portfolio institutionell newsflash 16.12.2013/Tobias Bürger
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