Recht, Steuer & IT
25. August 2017

Intellectual Property für die Sommerzeit

Der Buchmarkt ist auch in Zeiten der Digitalisierung eine sprudelnde Quelle, an der man den Wissensdurst stillen kann. Das belegt ein ­kurzer Überblick über relevante Neuerscheinungen, Bewährtes und Verkaufsschlager, die das persönliche Intellectual Property steigern.

Die Redaktion von portfolio institutionell wird Tag für Tag mit E-Mails geflutet. Unsere Aufgabe besteht darin, die relevanten Informationen zu filtern und in die eigene Recherche einzubetten. Daneben spielen auch Fachbücher im redaktionellen Alltag eine entscheidende Rolle, daran konnte auch das ins Unermessliche wachsende Angebot aus dem Internet nichts ändern; vielmehr ist Gedrucktes bis heute von ­herausragender Bedeutung bei den Themen, die uns beschäftigen.

Ein Beispiel: In jüngster Zeit haben wir uns wiederholt mit der künstlichen Intelligenz (K.I.) in der Kapitalanlage auseinandergesetzt. Als Anker in der Informationsflut erschien uns das 2016 im Verlag ­Palgrave Macmillian erschienene Fachbuch „Artificial Intelligence in Financial Markets“. Das Werk eignet sich sehr gut, um einen ersten Einblick in die historische Entwicklung der künstlichen Intelligenz im Kontext der Kapitalanlage zu gewinnen. Es ist gespickt mit Übersichten, die die Forschungsarbeiten von Jahrzehnten auflisten. Der Leser erfährt beispielsweise, dass die „K.I.“ bereits Anfang der 1990er Jahre intensiv erforscht wurde.
Die Autoren um Dr. Christian W. Dunis, Gründer des Beratungshauses Acanto Research, werfen auch ein Schlaglicht auf die jüngsten Entwicklungen im Bereich des quantitativen Tradings. Sie erläutern den Aufbau neuronaler Netzwerke und stellen Ansätze vor, die sich den einzelnen Anlageklassen, Märkten und daran angrenzenden Finanzbereichen widmen. In insgesamt vier Sektionen erfährt man Wissenswertes über die Analyse von ­Zeit­reihen und wie sie für die Prognose genutzt werden können. Übersichtlicher geht es kaum.

Die intellektuelle Spannweite ist enorm
Die Auswahl wirklich relevanter Bücher ist kein leichtes Unterfangen, ganz egal, ob man sich mit Innovationen in der Kapitalanlage beschäftigen möchte oder einen Erfahrungsschatz heben will. Analysiert man etwa die einschlägigen Bestseller-Listen des deutschen Buchhandels, kommt man selbst beim Online-Händler Amazon nur in kleinen Schritten voran. Warum? Die Klassifizierung ist fragwürdig. ­Bestseller im Bereich Risikomanagement ist das 6,95 Euro günstige Taschenbuch „Aktien für Anfänger: Wie Sie auch mit geringem Kapital langfristig ein Vermögen an der Börse aufbauen werden“.
Ebenfalls wenig zielführend ist der Bestseller (!) in den Kategorien „Betriebswirtschaft“ sowie „Geldanlage und Vermögensaufbau“. Er trägt den Titel „Nine-to-five muss nicht sein!: Eine unfehlbare Anleitung zu finanzieller Freiheit und sicherem Vermögensaufbau durch passives Einkommen“. Für professionelle Zwecke erscheint das Werk zum Preis von 2,99 Euro in der Kindle-Edition wenig geeignet. Lassen wir es mit diesem Ausflug in die Bestseller von Amazon bewenden und richten den Blick auf relevante Themen und hochkarätige Fachbücher.

Assekuranz auf Papier
Zum 1. Januar 2016 ist das vollkommen neu strukturierte Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) in Kraft getreten. Der Gesetzgeber stand nach Angaben des Nomos-Verlags vor der Herausforderung, endlich die Solvabilität-II-Richtlinie (Solvency II) umzusetzen. Das Ergebnis ist ­eine Gesetzesänderung von grundlegender Bedeutung und mit weit reichenden praktischen Auswirkungen. Denn das neue Gesetz bringt signifikante Änderungen im Bereich der Kapitalanforderungen, des aufsichtsbehördlichen Überprüfungsverfahrens, der Marktdisziplin und Veröffentlichungspflichten mit sich.

Der im September 2017 bei Nomos erscheinende Kommentar zum Versicherungsaufsichtsgesetz ist rund 1.300 Seiten stark. Die Kommentierungen widmen sich vor allem den neuen Themenbereichen, die sich durch die Umsetzung der Solvabilität-II-Richtlinie ergeben, und machen damit die entschieden europäische Dimension deutlich (Stichwort „Vollharmonisierung“). Entwickelt werden laut Verlag ­konkrete Handlungsvorschläge für Versicherungsunternehmen und den beratenden Fachanwalt im Versicherungsrecht.
Für die Versicherungsaufsicht biete der Kommentar eine sichere Handreichung für die Umsetzung des Drei-Säulen-Ansatzes, insbesondere bei der vorgesehenen verbesserten Zusammenarbeit zwischen den nationalen Aufsichtsbehörden. Stets einbezogen sind die neuen ­nationalen ­Verordnungen, ebenso die Delegierte Verordnung (EU) 2015/35 ­beziehungsweise 2016/467 und die Leitlinien der Euro­päischen ­Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die ­betriebliche Altersversorgung (Eiopa). Jede VAG-Vorschrift enthält einen Hinweis, welche Altregelung sie aufgreift, welche sie abändert und ob sie eine Entsprechung im früheren VAG findet. Angeführt wird auch die ­jeweils umgesetzte Regelung der Solvabilität-II-Richtlinie.

Wälzer im Regal
Allen Wissbegierigen, die sich näher mit dem Thema Solvency II auseinandersetzen möchten und Expertise verlangen, legen wir das Handbuch Solvency II: Von der Standardformel zum Internen ­Modell, vom Governance-System zu den MaRisk VA aus dem Schäffer-­Poeschel-Verlag ans Herz. Die im Mai 2011 gedruckte Erstausgabe ­gehört zum Standardrepertoire unserer verlagseigenen Bibliothek. Der Band bringt Autoren aus Industrie und Aufsicht zusammen, die auf die wesentlichen mit Solvency II verbundenen Fragen eingehen. ­Besprochen werden unter anderem die Standardformel von Solvency II, Anforderungen an das Governance-System, sowie versicherungstechnische Risiken in internen Modellen.
Mit rund 1.500 Seiten deutlich umfangreicher als das 319 Seiten starke Handbuch Solvency II ist die neue, fünfte Auflage des Kommentars der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) von Ralf Hannemann, Ira Steinbrecher und Thomas Weigl. Der Kommentar bringt nach Angaben des herausgebenden Verlages Schäffer-Poeschel alles Wichtige dazu zur Sprache: Risikodatenaggregation, Risikoberichterstattung sowie die neuen Aspekte rund um die Verschärfung der Anforderungen an Auslagerungen.

Kommen wir zur Kapitalanlagepraxis. Auf der Suche nach Ertragsquellen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld rücken alternative Investments bei institutionellen Investoren stärker in den Fokus. Das gilt beispielsweise für Private Equity. Die Assets under Management in dieser Asset-Klasse haben mittlerweile 2,4 Billionen US-Dollar übersprungen, wie eine Studie der State Street Bank 2016 gezeigt hat. Und es könnten in den nächsten fünf Jahren noch deutlich mehr werden. Demnach planen fast zwei Drittel der 118 befragten institutionellen ­Investoren weltweit, ihren Private-Equity-Anteil im Portfolio in den nächsten fünf Jahren zu erhöhen. Aber haben sie auch das erforder­liche Know-how? Der Schäffer-Poeschel-Verlag begegnet dem ­Wissensdurst von Investoren  mit dem neuen Fachbuch „Grundkurs Private Equity“ von Sebastian Prexl.

Der Autor geht darin zunächst einmal Grundsatzfragen nach: Was ist Private Equity? Für wen ist Private Equity interessant? Wie sind ­Private-Equity-Gesellschaften organisiert und wie arbeiten sie? Was sind die Erfolgsfaktoren der Branche? Das Buch beschreibt laut Verlags­angaben „das noch junge Segment der Finanzbranche – die ­Finanzierung nicht börsennotierter Unternehmen mit Eigenkapital, das von privaten oder institutionellen Anlegern bereitgestellt wird – und erläutert wie Private-Equity-Gesellschaften die typischen Herausforderungen mittelständischer Unternehmen lösen können.“ Das Werk ist gespickt mit aktuellen empirischen Forschungsergebnissen und zahlreichen Fallbeispielen. Wem das nicht genug ist, der findet im gut sortierten Buchhandel dutzende weitere Fachbücher über ­Private Equity, die zum Teil bereits kurz nach der Jahrtausendwende veröffentlicht wurden.

Neben Private Equity sollen auch Investments in Infrastruktur die Renditenot institutioneller Investoren lindern. Die Anlageklasse hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. ­Allerdings ist zum Aufbau von Know-how in diesem Segment kaum adäquate Literatur verfügbar, berichtet der Wiesbadener Verlag ­Springer Gabler. Abhilfe hat das Unternehmen bereits 2015 mit dem Fachbuch Infrastrukturinvestments geschaffen. Herausgeber sind Professor Dr. Jens Kleine, Thomas Christian Schulz und Dr. Matthias Krautbauer. Dieses Buch hat das Ziel, die Lücke durch eine sowohl wissenschaftliche als auch praxisorientierte Darstellung zu schließen. „Dabei werden die unterschiedlichen Einbindungsmöglichkeiten der Asset-Klasse Infrastruktur sowie auch die für Investmententscheidungen relevanten ­Aspekte vorgestellt“, sagt der Verlag.

Apropos Infrastruktur. „Vor 20 Jahren war Infrastruktur ein als ziemlich riskant angesehener Nischenmarkt. Heute wird eine Vielzahl an Deals abgeschlossen und Infrastruktur gilt als sichere Asset-Klasse“, erklärte Linklaters-Partner Ian Andrews im März 2016 auf einer ­Infrastrukturkonferenz in Berlin, die einen breiten Überblick über das internationale Infrastrukturgeschehen gab. Doch auch in diesem Anlagesegment dreht sich das Rad weiter, wie man dem Fachbuch ­Finanzierung Erneuerbarer Energien aus dem Frankfurt School ­Verlag entnehmen kann, das 2011 erstmals erschienen ist und 2015 komplett überarbeitet wurde. Das Spektrum, das in diesem ­Handbuch abgedeckt wird, ist sehr breit.
Es reicht von der Analyse der ­Rahmenbedingungen und Marktperspektiven über die Erörterung technologischer Grundlagen Erneuerbarer Energien bis hin zur ­detaillierten Darstellung der Projektierung und der Finanzierung von Erneuer­bare-Energien-Vorhaben. Im zuletzt deutlich überarbeiteten Kapitel fünf geht es um die Investorensicht auf Erneuerbare-Energien-Vor­haben. Abschließend werden attraktive Auslandsmärkte analysiert und Besonderheiten der Projektierung und Finanzierung in ausgewählten Regionen der Welt vorgestellt.

Informationsasymmetrie

Neu im Angebot bei Springer Gabler ist unter anderem das Fachbuch „Anleihefinanzierung im eigentümergeführten deutschen Mittelstand“. Wenn Sie jetzt an das Desaster mit Mittelstandsanleihen ­denken, liegen Sie richtig. Henrik Döweling untersucht eben jene ­Anleihen, die seit dem Jahr 2009 von zahlreichen eigentümerge­führten deutschen mittelständischen Unternehmen zur Finanzierung begeben wurden. Der Autor analysiert die ausgeprägte lnfor­mationsasymmetrie zwischen den Unternehmen und den lnvestoren sowie die daraus entstehenden Probleme und entwickelt ein Prüf­instrument zur Bewertung der lnformationsasymmetrie. Es werden weitere Ansätze dargestellt, welche die Anleihegläubiger künftig ­besser schützen können und die Ausfallgefahr besser einschätzbar machen sollen.

Abseits des Tagesgeschäfts

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie schon genug Zeit mit der ­Lektüre von Fachbüchern verbringen und zur Abwechslung mal etwas anderes lesen wollen, empfehlen wir Ihnen den Bestseller „Die Macht der Geographie: Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt“ von Tim Marshall. Zum Inhalt: Weltpolitik ist auch Geopolitik. Alle Regierungen, alle Staatschefs unterliegen den Zwängen der ­Geographie. Berge und Ebenen, Flüsse, Meere, Wüsten setzen ihrem Entscheidungsspielraum Grenzen. Russland, China, die USA, ­Europa, Afrika, Lateinamerika, der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Japan und Korea, die Arktis und Grönland: In zehn Kapiteln zeigt Tim ­Marshall, wie die Geographie die Weltpolitik beeinflusst und beeinflusst hat.

In der näheren Zukunft sollten Sie folgende Neuerscheinungen im Auge behalten: Im Februar 2018 soll „Das Tao des Charlie Munger“ ­erscheinen. Zwischen zwei Buchdeckeln enthält es laut Börsenbuchverlag die besten Zitate, Sprüche und Weisheiten von Warren Buffetts langjährigem Freund und Geschäftspartner, dem Vice Chairman von Berkshire Hathaway. David Clark, einer der Autoren der legendären „Buffettology“-Reihe, hat sie gesammelt und kommentiert. Leser, die sich für Berkshire Hathaway, den intellektuellen Vordenker dahinter und den Menschen Charlie Munger interessieren, kommen hier voll auf ihre Kosten, heißt es.

Bereits im November 2017 steht der Ratgeber „Die Lebensversicherung“ in den Regalen. Autor Dominik Stadelbauer war nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre (FH) zunächst mehrere Jahre in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung tätig. Im Jahr 2009 wechselte er die Seiten und begleitete seither unterschiedliche Funktionen in der Nürnberger Lebensversicherung. Mit Blick auf das Werk ­berichtet der Verlag (Frankfurter Allgemeine Buch): Die Lebensver­sicherer in Deutschland befinden sich in einem fundamentalen Umbruch. Neben den tiefgreifenden Auswirkungen der Digitalisierung und dem demografischen Wandel stellt das schwierige Zinsumfeld viele Gesellschaften vor enorme Herausforderungen. Als Reaktion ­darauf entwickeln die Versicherer zunehmend neue Produkte, die ­eine Brücke zwischen dem Schutzbedürfnis der Kunden und den veränderten Marktbedingungen schlagen sollen. Für die Kunden wird es dadurch zunehmend schwerer, sich im Tarifdschungel zurecht­zufinden und zu beurteilen, worauf es bei den Produkten und auch bei der Wahl eines Versicherers ankommt. Aus Sicht der Redaktion steht fest: Auch dieses Werk gehört in unsere Bibliothek.

Von Tobias Bürger

portfolio institutionell, Ausgabe 08/2017

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