Stiftungen
27. Juni 2017

Inventur beim Erzbischof

Das Erzbistum München und Freising geht in medias res und will sein gesamtes Vermögen offenlegen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Das Erzbistum München und Freising hat in dieser Woche seinen Jahresabschluss und seinen Lagebericht 2016, den Haushalt 2017 sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte weiterer wichtiger Rechtsträger im Erzbistum vorgelegt. Die Bilanzsumme des Erzbistums beträgt rund 3,3 Milliarden Euro. Sie hat sich zum 31. Dezember 2016 gegenüber dem Vorjahr um 26 Millionen Euro verringert. Das in der Bilanz abgebildete Vermögen umfasst Sachanlagen in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro, darunter insbesondere Immobilien. Des Weiteren sind in der Bilanz Finanzanlagen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro abgebildet. 
Für die Finanzanlagen gelte ein strenges Nachhaltigkeitskonzept, das Positionen der katholischen Glaubenslehre ebenso berücksichtigt wie allgemeine ökologische, soziale oder ethische Aspekte. Im Umlaufvermögen sind zum 31. Dezember 2016 liquide Mittel in Höhe von rund 285 Millionen Euro enthalten. Mit Blick auf die Erfolgsrechnung ergibt sich folgendes Bild: Erträgen von 833 Millionen Euro standen im Jahr 2016 Aufwendungen von 805 Millionen Euro gegenüber. Der Löwenanteil bei den Einnahmen entfällt mit 590 Millionen Euro auf die Kirchensteuer. Den größten Anteil der Ausgaben betreffen mit 293 Millionen Euro Personalkosten. 
HGB leistet Orientierungshilfe 
Im Vorjahr hatte das Erzbistum seine freiwillige Umstellung der Rechnungslegung von der sogenannten Kameralistik auf eine den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB) entsprechende doppelte Buchführung abgeschlossen. Dadurch sei es zu einer größeren Transparenz über die Verwendung finanzieller Ressourcen gekommen. Nun liege der Schwerpunkt auf einer Fortentwicklung der strategischen Jahresplanung. Ziel bleibe, berichtet das Erzbistum in einer Pressemitteilung, „kirchliche Handlungsspielräume in einem sich verändernden gesellschaftlichen Umfeld nicht nur zu behalten, sondern flexibel gestalten zu können sowie stabil und zuverlässig in der Gesellschaft präsent zu bleiben“. 
Im Zuge der buchhalterischen Umstellung hat das Erzbistum große Vermögensteile an drei Stiftungen zugunsten der kirchlichen Grundaufträge übertragen. Das sei „ein großer Schritt in die Zukunft“ gewesen, erklärte Generalvikar Peter Beer. „In Anbetracht eines sich rapide ändernden gesellschaftlichen Umfelds können wir unsere Mittel mit Blick auf künftige Generationen nachhaltig einsetzen. Zudem sind über die Stiftungen Wege der Finanzierung kirchlichen Handelns erweitert.“ Der Generalvikar machte zugleich deutlich, dass das Erzbistum vor weiteren großen Herausforderungen stehe. So gelte es, ein umfassendes System von Compliance-Regelungen einzuführen sowie ein Qualitätssicherungssystem einzurichten und die Kompetenz aller Beteiligten für nachhaltiges, strategisches und vernetztes Denken in der Ressourcenplanung weiterzuentwickeln. 
Wie die Agentur dpa-afx berichtet, könne der Besitz der über 700 Kirchenstiftungen in den Pfarreien erst in einigen Jahren bilanziert werden. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf Aussagen von Beer. „Wir sind am Überlegen, wie wir das machen.“ 
Vermögen auf dem Prüfstand
Vor einem Jahr hatte das Erzbistum München unter Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zum ersten Mal sein Vermögen bewertet. Damals kam das Erzbistum ohne den Besitz der Pfarreien auf rund sechs Milliarden Euro. Das sei ein Rekordwert in Deutschland. Darin ist das Vermögen der drei großen überörtlichen Stiftungen in Höhe von gut zwei Milliarden Euro enthalten. Mit dem Geld werden etwa katholische Kindertagesstätten, karitative Projekte und das gemeindliche Leben in den Pfarreien finanziert. Im Zuge der Pfarreienreform hin zu teils großen Pfarrverbänden will Beer auch die Gebäude auf den Prüfstand stellen. 
Im Erzbistum München und Freising gibt es 748 Pfarreien. 666 von ihnen arbeiten in 218 Pfarrverbänden zusammen. Insgesamt stehen rund 15.500 Männer und Frauen im Bereich der Erzdiözese im kirchlichen Dienst. Weitere rund 28.500 Mitarbeiter sind beim Caritasverband und den angeschlossenen Fachverbänden und Einrichtungen tätig. Das Bistum Freising wurde im Jahre 739 errichtet und entwickelte sich in der Folge zum kulturellen Zentrums Altbayerns. In der Säkularisation von 1802 wurde das Bistum Freising aufgehoben, Papst Pius VII. legte 1821 das Gebiet des Erzbistums München und Freising fest. Von 1977 bis 1982 wurde es von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., geleitet. Seit 2008 leitet Kardinal Marx das Erzbistum. 
portfolio institutionell newsflash 27.06.2017/Tobias Bürger
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