Investoren überdenken Beteiligung am Netzbetreiber Amprion
Einige Geldgeber von Amprion prüfen laut einem Bericht verschiedene Optionen, darunter die Übertragung von Anteilen an Mitgesellschafter. Größte Eigentümergruppe von M31 ist die Ärztliche Beteiligungsgesellschaft.
Die in der M 31 Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Energie KG (M 31) versammelten Haupteigentümer von Amprion, Deutschlands zweitgrößtem Stromübertragungsnetz, erwägen angesichts des wachsenden Finanzierungsbedarfs für Energienetze in ganz Europa offenbar den Verkauf von Anteilen an neue Investoren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Sie beruft sich auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Einige Mitglieder von M31, einem Kreis von Investoren, der 74,9 Prozent an Amprion hält, prüfen laut dem Bericht verschiedene Optionen, darunter die Übertragung von Anteilen an Mitgesellschafter sowie die Veräußerung von Beteiligungen, sagten die Insider und fügten hinzu, dass sich die Beratungen noch in einem frühen Stadium befänden. Den Angaben zufolge überprüften einige Investoren ihre Beteiligungen aufgrund der explodierenden Kosten für die Modernisierung, Instandhaltung und Sicherung der europäischen Energienetze, so die Quellen.
Milliarden müssen für den Netzausbau aufgebracht werden
Amprion, im Jahr 2003 als RWE Transportnetz Strom GmbH innerhalb des RWE-Konzerns gegründet, will nach eigenen Angaben bis 2029 rund 36,4 Milliarden Euro in den Ausbau investieren. Auch im nächsten Jahrzehnt seien erhebliche Investitionen in den Netzausbau erforderlich, um die kritische Energieinfrastruktur zu verbessern und die Energiewende in Deutschland weiter vorantreiben zu können.
Demzufolge müssen auch die Gesellschafter der Amprion GmbH in den kommenden Jahren die milliardenschweren Investitionen in die Energiewende unterstützen. Auf Nachfrage von Reuters lehnten sowohl M31 als auch der Investmentmanager M3one, der für die Geschäftsführung und Besorgung aller Angelegenheiten von M 31 zuständig ist, eine Stellungnahme ab.
„Jeder professionelle Investor muss diese Entscheidungsmatrix berücksichtigen“
Größte Eigentümergruppe von M31 ist die Ärztliche Beteiligungsgesellschaft, ein Zusammenschluss von fünf Versorgungswerken unter Führung der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL). Das berufsständische Versorgungswerk aus Münster teilte Reuters mit, dass die Amprion-Eigentümer sorgfältig abwägen müssten, ob sie weitere Anteile erwerben, verkaufen oder abwarten und eine Verwässerung ihrer Anteile im Falle einer möglichen Kapitalerhöhung in Kauf nehmen sollten. „Jeder professionelle Investor muss diese Entscheidungsmatrix berücksichtigen“, erklärte Markus Altenhoff, Leiter Kapitalanlagen bei ÄVWL, in einer Stellungnahme gegenüber Reuters.
Zu den weiteren Aktionären von M31 gehören die Meag, Swiss Life, Talanx, Commerz Real, die Provinzial und die Versicherungskammer. 2024 hatte die Versicherungskammer von der Pensionskasse Degussa einen Anteil von 2,1 Prozent an der M 31 Beteiligungsgesellschaft erworben. Auch die SV Sparkassen-Versicherung ist über die M 31 an Amprion beteiligt. Außerdem ist sie beim Netzbetreiber Transnet-BW investiert.
Vor knapp einem Jahr hatte die Ärztliche Beteiligungsgesellschaft rund sechs Prozent ihres Anteils an der M31 Beteiligungsgesellschaft abgegeben. Käufer war der Asset Manager Commerz Real, der diesen Anteil für seinen Infrastrukturfonds Klimavest erwarb. Timo Werner von Commerz Real erklärte nun gegenüber Reuters, der Konzern sei mit seiner Investition „sehr zufrieden“ und Netzwerke seien ein wichtiger Bestandteil seiner Strategie. Die Versicherungskammer erklärte gegenüber den Nachrichtenagentur, langfristig an M31 beteiligt bleiben zu wollen. Swiss Life, Talanx und Meag hätten eine Stellungnahme abgelehnt.
RWE holt Apollo an Bord
Die verbleibenden 25,1 Prozent an Amprion gehören der RWE Alkaios Holding GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen, das 2025 gegründet wurde, nachdem der deutsche Energiekonzern RWE einen Teil seiner Amprion-Anteile an Apollo Global Management verkauft hatte. Ende letzten Jahres hatten die Gesellschafter von Amprion, die M31 Beteiligungsgesellschaft sowie die RWE Alkaios Holding, 2,2 Milliarden Euro frisches Eigenkapital für Amprion bereitgestellt und sich quotal an der Kapitalmaßnahme beteiligt.
„Wir sind mit der reibungslosen Umsetzung dieser Kapitalerhöhung sehr zufrieden“, erklärte Amprion-Finanzvorstand Peter Rüth damals. „Sie unterstreicht einmal mehr die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Anteilseignern, die sich auf das Wachstum bei Amprion vorbereiten. In diesem Zuge durften wir einige neue Eigentümer in unserem Gesellschafterkreis begrüßen.“ Die regelmäßigen Eigenkapitalzuführungen seien fester Bestandteil der Finanzierungstrategie von Amprion. Sie würden die Umsetzung des Investitionsprogramms sichern, so Rüth. „Die Investitionen in unsere Projekte und deren planmäßiger Abschluss sind eine wichtige Voraussetzung zur Transformation des Energiesystems in Deutschland.“
Amprion ist neben Transnet-BW, 50 Hertz und Tennet einer der vier großen Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland. Das Netz der Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund erstreckt sich über sieben Bundesländer und versorgt rund 29 Millionen Menschen mit Strom. Das Höchstspannungsnetz von Amprion transportiert Strom in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen. Mit 11.000 Leitungskilometern ist es eines der längsten Übertragungsnetze in Deutschland. Es bringt den Strom für 29 Millionen Menschen und tausende Unternehmen.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Energiewende | Infrastruktur / Infrastructure Equity
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