Traditionelle Anlagen
22. September 2026

Investoren wappnen sich vor Vola-Anstieg

Marsh: „Suche nach echter Diversifizierung, Inflationsschutz und Flexibilität.“ Gefragt ist insbesondere Liquidität.

Was nun Investor? Geopolitische Unsicherheit und Inflation könnten jederzeit für einen Volatilitätsanstieg sorgen. Um sich zu wappnen setzen die größten institutionellen Investoren verstärkt auf Liquidität, Infrastruktur Assets und auch Emerging Markets. Dies geht aus dem Global Asset Owner Barometer 2026 von Marsh, vormals Mercer, hervor. In das Barometer eingegangen sind die Angaben von 430 globalen institutionellen Investoren aus 25 Länder mit einem verwalteten Vermögen von über 5,76 Billionen Dollar. Die Erhebung fand von Juni bis Juli 2026 statt.

Laut Barometer hat knapp die Hälfte der Investoren die geografische Ausrichtung angepasst. 37 Prozent der Befragten haben das Gesamtrisiko reduziert und ist mehr in Liquidität gegangen. „Die diesjährige Studie erfolgt vor dem Hintergrund eines historischen Anstiegs der Investitionsausgaben für KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Halbleiter – ein Wandel, der bereits in den Unternehmensgewinnen sichtbar wird“, erläutert Niall O’Sullivan, Global Chief Investment Officer, Marsh Investments and Retirement. „Kapital ist in Bewegung und Investoren sind auf der Suche nach echter Diversifizierung, Inflationsschutz und Flexibilität.“

Mehr Infra, Linker und EM-Aktien

Etwas mehr als die Hälfte der befragten institutionellen Investoren beabsichtigt, ihre Allokation in Infrastruktur-Assets in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. Inflationsindexierte Anleihen und Aktien aus Emerging Markets gewinnen ebenfalls an Dynamik: 41 beziehungsweise 47 Prozent der Befragten planen, ihre Anteile in diesen Asset-Klassen jeweils zu erhöhen. Die bedeutendste Veränderung bei den Anlageklasse-Plänen gegenüber dem Vorjahr betrifft laut der Umfrage jedoch liquide Vermögenswerte. Achtunddreißig Prozent der Befragten planen, ihre Allokation im nächsten Jahr zu erhöhen, gegenüber neun Prozent im Jahr 2025. „Diese Verschiebungen deuten darauf hin, dass institutionelle Investoren bewusst eine Barbell-Position einnehmen: Sie stärken den Abwärtsschutz und die Diversifikation und behalten gleichzeitig die Flexibilität, auf Marktchancen zu reagieren“, so O’Sullivan.

Bezüglich Private Markets führt das Barometer zu der Erkenntnis, dass Investoren zunehmend selektiver werden. Das Interesse an Private Debt und Private Equity habe im Vergleich zum Vorjahresniveau nachgelassen. Trotzdem plant immer noch etwa ein Drittel, die Bestände an Private Debt in diesem Jahr zu erhöhen. Kritisch betrachtet werden die Bewertungen. „Private Markets sind leichter zugänglich geworden, aber schwieriger gut zu managen. Die Bewertungen sind hoch, der Wettbewerb um Vermögenswerte hat sich verschärft, und Erfolg hängt nun von tiefgehender Deal-Expertise ab, statt einfach nur über Kapital zu verfügen, das eingesetzt werden kann“, erklärt Garvan McCarthy, Chief Investment Officer of Alternatives, Marsh Investments and Retirement. „Zukünftig werden vor allem die institutionellen Investoren Vorteile haben, die ihre Kapitalzusagen flexibel steuern können, ihre Allokations-Disziplin beibehalten und verstehen, wie sich jedes Engagement auf die Liquidität und das Gesamtrisiko des Portfolios auswirkt.“

Technologie bestimmt die Zukunft

Der Blick nach vorn ist jedoch nicht nur kurzfristig auf aktuelle geopolitische Krisen. Über einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren sagen 83 Prozent der Befragten, dass Technologie, Automatisierung und weiterreichende Umbrüche für Anlagechancen und -risiken von Bedeutung sind – der höchste Wert unter den untersuchten strukturellen Trends. „Kurzfristig prägen geopolitische Risiken und Inflation die Entscheidungen, während langfristig Technologie und umfassendere Umbrüche voraussichtlich einen stärkeren Einfluss auf die Renditequellen haben werden“, erklärt Jeffrey Dissmann, Leiter Investments, Marsh Deutschland. „Resilient zu bleiben bedeutet, die Risiken zu managen, die sich bereits in den Portfolios zeigen, und zugleich einige Annahmen zu überdenken, die in einem stärker von Umbrüchen geprägten Markt möglicherweise nicht mehr gelten.“

Autoren:

Schlagworte: | |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert