Alternative Anlagen
5. März 2021

Investoren ziehen Kapital aus Absolute-Return-Fonds ab

Lupus-Alpha-Studie: Anteil institutioneller Gelder sinkt 2020 erstmals deutlich seit 2008. Insgesamt Mittelabflüsse von 25 Milliarden Euro.

2020 war nach starken Wertverlusten im März ein schwieriges Jahr für Absolute-Return- und Liquid-Alternatives-Strategien in Deutschland. Investoren reagierten auf die höchsten Drawdowns der vergangenen fünf Jahre mit Mittelabflüssen aus der Anlageklasse von 25 Milliarden Euro. Diese Entwicklung hat vor allem die kleineren Fonds betroffen, während großen Fonds Marktanteile hinzugewinnen konnten. Bis Jahresende haben die meisten Fonds ihre Verluste jedoch weitgehend bis vollständig wieder aufgeholt – unter dem Strich stand eine durchschnittliche Performance von 1,34 Prozent. Dies ist das Ergebnis der von Lupus Alpha halbjährlich durchgeführten Absolute-Return-Studie basierend auf den Daten des Analysehauses Refinitiv.

Institutionelle Skepsis

Das in institutionellen Anteilsklassen verwaltete Vermögen lag 2020 bei 122,6 Milliarden Euro und ist damit seit Beginn der Studie im Jahr 2008 erstmals deutlich gesunken. Im Vorjahr betrug das institutionelle Anlagevolumen noch 125,1 Milliarden Euro. Gründe dafür, warum so mancher institutionelle Anleger den AR-Strategien den Rücken kehrte, lassen sich einem aktuellen Interview von portfolio institutionell mit Volker Pätzold, Bereichsleiter Asset Management der Versicherungsgruppe Hannover, entnehmen. Man habe im vergangenen Jahr beschlossen, alle Total-Return-Fonds abzubauen. Pätzold begründet dies so: „Es gibt nur einige wenige, die an den Wendepunkten der Märkte die Kurve kriegen. Die meisten sichern nach unten zu spät ab und gehen nach oben zu langsam ins Risiko.“

Da institutionelle Anteilsklassen allerdings vergleichsweise geringere Abflüsse zu verzeichnen hatten als die im Sektor der Privatanleger, hat sich der Anteil institutioneller Investoren in der Anlageklasse von 45,6 auf 49,2 Prozent erhöht. Noch vor fünf Jahren lag ihr Anteil bei nur knapp einem Drittel. Das zeigt auch, wie stark Absolute-Return-Strategien in der Gunst der Privatanleger gelitten haben.

Insgesamt Rückgang um neun Prozent

Seit 2008 untersucht Lupus Alpha das Universum der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Absolute-Return- und Liquid-Alternatives-Fonds im Ucits-Mantel mit aktivem Managementansatz. Das verwaltete Fondsvermögen in diesem Segment ist gegenüber dem Vorjahr um 9,1 Prozent auf 249 Milliarden Euro gesunken. Damit waren die Mittelabflüsse der auffälligste Trend im Corona-Jahr 2020, das die höchsten Volatilitäten sah, seit es liquide Optionsmärkte gibt, und die sogar das Krisenjahr 2008 übertrafen, so Lupus Alpha. Aus mehr als einem Viertel der Fonds zogen sich Investoren zurück, obwohl diese zum Jahresende flat bis positiv performt haben. Auch Fonds mit leicht negativer Rendite von bis zu -5 Prozent waren stark von Abflüssen betroffen. Beide Gruppen umfassen fast drei Viertel aller Fonds in dieser Anlageklasse. „Rückblickend muss man feststellen, dass Anleger sich vorschnell aus dieser Anlageklasse zurückgezogen haben, auch wenn ihre Risikobudgets zwischenzeitlich sehr unter Druck standen. Wer seinem Manager in dieser schwierigen Marktlage treu geblieben ist, konnte damit besser fahren als ein Investor, der ihm im Tiefpunkt der Krise das Vertrauen entzogen hat“, sagt Ralf Lochmüller, CEO und Managing Partner von Lupus Alpha. „Interessant wird zu beobachten sein, ob Investoren vor dem Hintergrund dieser Erfahrung ihren Managern in Zukunft mehr Vertrauen in Marktkrisen entgegenbringen“, so Lochmüller weiter.

Kleine Fonds büßten fast die Hälfte ihres Kapitals ein

Der Rückzug aus der Anlageklasse hat vor allem die kleineren 80 Prozent der Fonds mit einem Fondsvolumen von im Durchschnitt unter 17 Millionen Euro betroffen. Diese Fonds büßten fast die Hälfte ihres Kapitals ein, während die in den großen Fonds verwalteten Vermögen um nur knapp zwölf Prozent sanken.

Alternative Relative Value performte am besten

So konnten die teils milliardenschweren Fonds im oberen Quintil ihre Dominanz ausbauen und verwalteten Stand Jahresultimo über 80 Prozent des Gesamtkapitals. Zuflüsse verzeichneten allein tendenziell risikoärmere Strategien (Alternatives Credit Focus) und Relative-Value-Ansätze sowie Strategien, die von größeren Marktbewegungen profitieren (Global Macro, Event Driven). Entsprechend haben diese Strategien ihren Marktanteil ausbauen können. Insbesondere wuchs gemessen am Gesamtmarktvolumen der Anteil der Strategien Global Macro, Alternative Credit Focus und Event Driven deutlich an. Die beste Durchschnittsperformance erreichten Alternative-Relative-Value-Strategien mit 5,6 Prozent, am unteren Ende lagen Fonds im Bereich der Alternative Multi Strategies mit durchschnittlich -5,9 Prozent.

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