Alternative Anlagen
19. Dezember 2014

J-Kurven und Lernkurven

Zwei Experten für über zwei Milliarden. Private Equity bedeutet für viele deutsche Institutionelle noch Neuland. Hierzulande sind aber auch Institutionen und Personen anzutreffen, die sich seit über 20 Jahren erfolgreich mit dieser Anlageklasse beschäftigen. portfolio institutionell sprach mit Peter Hielscher, Abteilungsleiter Alternative Investments bei Talanx Asset Management, und Berater Detlef Mackewicz.

Herr Hielscher, Herr Mackewicz, was sind die drei größten Private-Equity-Irrtümer?
Peter Hielscher: An erster Stelle fällt mir die „Ich-bin-Top-Quartile-Aussage“ ein. Bei mir hat sich noch nie jemand vorgestellt, der sich nicht zum Top Quartile zählte. Als Zweites könnte man die Angabe der Haltedauer benennen, konkret, dass diese zwischen drei und fünf Jahren liege. Fonds, vor allem Dachfonds, die wir bei Gerling vor 2000 gezeichnet haben, sind zum Teil immer noch nicht zurückgezahlt.
Detlef Mackewicz: Und drittens ist es nur in den seltensten Fällen zutreffend, wenn jemand sagt, dass nur er Zugang zu einem bestimmten Fonds bieten kann.
Wie hat sich Private Equity seit Ihren Zeiten bei der West-LB verändert?
Hielscher: Anfang der 90er kam ich erstmals in Berührung mit dem neuen Private-Equity-Ansatz, bei dem die Analysetechniken viel ausgereifter und sorgfältiger waren, als wir das damals vom Beteiligungsgeschäft her in Deutschland kannten. Wir haben damals für das Direktgeschäft sehr viel von den Angelsachsen gelernt. Als ich dann 2000 zu Gerling kam und mich erstmalig mit indirekter Investmenttätigkeit beschäftigen konnte, hatte die Versicherung schon einige Fondsinvestments, davon relativ viel Venture Capital, gezeichnet. Damals bestand die Due Diligence primär aus dem persönlichen Eindruck: Die Idee musste überzeugen und die Leute einen kompetenten Eindruck machen. Damals gab es auch zum Teil strategisch bedingte Direktinvestments. 
Diese ersten Fonds- und Direktinvestments in das Venture-Segment waren nicht besonders erfolgreich. Die Buyouts haben glücklicherweise die Venture-Investments ausgeglichen und das Gesamtportfolio auf ein vertretbares Renditeniveau gebracht. Mit meinem Eintreffen haben wir begonnen, Due-Diligence-Prozesse, ein Team, Analysetools, Datenbanken et cetera aufzubauen.
Seit damals hat sich die Branche erheblich professionalisiert: Ausgefeilte Due-Diligence-Prozesse, Informationsbedürfnisse, Umfang und die Gleichartigkeit von Quartals-Reports, Controlling, Risikomanagement, Daten-Provider oder die Ausbildung und Qualität der Mitarbeiter sind wesentliche Stichpunkte. 
Dieser professionelle Ansatz gilt auch für die Talanx: Die konkrete Private-Equity-Quote wird im Rahmen der strategischen und taktischen Asset-Allokation festgelegt; die konkrete Fondsauswahl folgt einem ausgefeilten Due-Diligence-Prozess, zu dem ein Scoring Tool mit Fragenkatalog von über 100 Einzelfragen gehört. Heute beläuft sich das Volumen des Private-Equity-Portfolios auf 2,3 Milliarden Euro Commitments beziehungsweise auf rund 150 Fonds. In diesen sind circa 3.000 Unternehmen gebündelt.
Wie performte das Portfolio seit dem Start? 
Hielscher: Wir sind zufrieden. In den etwa 20 Jahren konnten wir nach Kosten eine Rendite im unteren zweistelligen Bereich erzielen. Damit gehört Private Equity zu den besten Asset-Klassen der Talanx. Zudem ist die Volatilität bei einem ausgereiften Portfolio begrenzt. Die Default-Rate der Unternehmensbeteiligungen liegt unter zwei Prozent.
Und wie lief es in der Finanzkrise?
Hielscher: Eigentlich vergleichsweise gut. Natürlich gab es deutliche Wertkorrekturen. Aber diese kamen Private-Equity-typisch zeitlich gestreckt und nicht so tief wie zum Beispiel bei Public Equity. Zudem war es uns gelungen, sehr früh diese Wertkorrekturen, die zum Teil gegen stille Reserven, zum Teil als echte Abschreibungen liefen, näherungsweise zu prognostizieren, so dass der Überraschungseffekt ausblieb. Außerdem hatten wir eine Erholungsannahme der Werte, basierend aus den Erkenntnissen aus 2001, mitgeliefert, die dann ebenfalls tendenziell zutraf. Die Folge war, dass lediglich eine Konzerneinheit die Investitionsentscheidung für Private Equity korrigierte, während der größere Teil weiter investierte, was angesichts der Erholung nach der Krise dann sehr erfolgreich war. 
Mackewicz: Damals machten viele Investoren auch die Erfahrung, dass Private Equity durch überraschende Rückflüsse und das -Reporting auf Quartalsbasis das Gesamtvermögen stabilisiert hat. Durch das verzögerte Reporting sind die Ausschläge lange nicht so dramatisch wie auf dem Aktienmarkt.
Hielscher: Korrekt. Wenn eine Krise anfängt, verlieren die gelisteten Vergleichsunternehmen quasi sofort an Börsenwert. Das Unternehmen selbst verspürt aber erst nur einen Rückgang bei den Auftragseingängen. Erst nach und nach setzen sich die Wirkungen über Umsatzrückgang, GuV-Folgen beim Unternehmen zum Fondsmanager, dessen Bewertung im Quartalsbericht und damit letztendlich zum Investor fort. Entsprechend verhaltener ist dann auch die Erholungsphase. Oft sind Aktienkurse bereits wieder deutlich gestiegen, während das Private-Equity-Portfolio noch keine Erholung erkennen lässt. Zur Glättung trug in der vergangenen Krise im Unterschied zu der vor zwölf Jahren auch bei, dass die Fondsmanager auf viel Geld aus dem erfolgreichen Fundraising der Jahre 2005 bis 2007 saßen und deshalb – anders als in der Dotcom-Krise – nicht gezwungen waren, zu verkaufen.
Hier finden Sie das vollständige Interview mit Peter Hielscher und Detlef Mackewicz, das auch in der Dezember-Ausgabe 12/2014 von portfolio institutionell veröffentlicht wurde. Das Interview führte Patrick Eisele. 
Autoren:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.