Alternative Anlagen
13. Oktober 2021

Jeder vierte Investor sieht Renditeziele als gefährdet

Regulierung herausfordernder als Niedrigzins. Run auf Alternatives und Fonds.

Investoren blicken pessimistisch in die Zukunft. Wie der Studie Future Asset Allocation aus dem Hause Wealthcap zu entnehmen ist, bangen Investoren um ihre Renditeziele. „Fast ein Viertel der befragten Investoren gibt an, mit der aktuellen Portfolioallokation die eigenen Renditeziele in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht mehr erreichen zu können, vor allem wegen der anhaltenden Negativzinsen. Das ist ein Alarmsignal“, teilt Achim von der Lahr, Geschäftsführer von Wealthcap, mit.

Für die Studie wertete die GAC – Gesellschaft für Analyse und Consulting die Asset-Allokation deutscher institutioneller Anleger mit einem Investmentvolumen von mehr als drei Billionen Euro aus. Das Online-Meinungsforschungsinstitut Civey befragte zwischen Mai und August 2021 480 Investment-Spezialisten für die institutionelle Anlage. Hinzu kamen Tiefeninterviews.

Größte Skepsis bei Versorgungswerken

Laut der Studie bezweifeln 21 Prozent der Lebensversicherungen, dass sie mit ihrer aktuellen Portfolioallokation in den nächsten drei bis fünf Jahren die eigenen Renditeziele erreichen. Etwas mehr Institutionen sind es bei Pensionskassen und Kreditinstituten mit 23 beziehungsweis 25 Prozent. Besonders pessimistisch sehen Kirchen & Stiftungen sowie Versorgungswerke ihre Allokationen. In diesen Anlegergruppen erwartet jeweils knapp ein Drittel, dass sich mit der gewählten Asset-Klassen-Gewichtung die Renditeziele nicht erreichen lassen. Dagegen liegen diese Werte bei Corporates und Family Offices nur bei etwa zehn Prozent.

Als größte Herausforderung für ein resilientes Portfolio nennen die Befragten die Regulierung noch vor dem Niedrigzins. Chancen sehen die Anleger dagegen vor allem in den Megatrends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Demografie. Die Hauptstoßrichtung der Anleger zielt auf die Allokation beziehungsweise auf höhere Quoten für Real Assets ab. „Es ist unverzichtbar, Trends und Marktentwicklungen aufmerksam zu beobachten und die richtigen Schlüsse für eine resiliente langfristige Anlagestrategie daraus zu ziehen. Unsere aktuelle Studie zeigt, dass Real Assets dabei eine entscheidende Rolle spielen“, so von der Lahr.

Der Umbau der Portfolios ist bereits weit fortgeschritten. Gemäß GAC-Analyse sank die traditionell hohe Rentendirektquote in allen Investorengruppen zwischen 2009 und 2020 deutlich. Am stärksten war der Rückgang bei Versorgungswerken (von 58 auf unter 25 Prozent). Bei Depot-A-Anlegern war der Rückgang zwar ebenfalls signifikant, jedoch weniger sprunghaft (von 78 auf 69 Prozent). Parallel bauen institutionelle Anleger ihre Immobilienquote aus. Die Immobilien-Allokationen zeigen deutliche Unterschiede zwischen und auch innerhalb der Investorengruppen: Während Versorgungswerke Anfang 2021 mit rund 20 Prozent ihrer Assets in Immobilien investiert waren, betrug derselbe Wert bei Corporates lediglich 5 Prozent.

Im Ergebnis waren zum Jahresanfang 2021 deutlich mehr als 200 Milliarden Euro deutsches institutionelles Vermögen in Immobilien-Assets allokiert. Hiervon machten Lebensversicherer mit mehr als 60 Milliarden den größten, Versorgungswerke mit fast 50 Milliarden den zweitgrößten Teil aus. In die Zukunft gerichtet unterstützt die Civey-Umfrage diesen Trend. Während 38,1 Prozent der Befragten ihre Immobilienquote in den nächsten drei bis fünf Jahren erhöhen wollen, planen nur 16,9 Prozent, diese zu reduzieren. Bei Private Equity ist das Ergebnis ebenfalls eindeutig: 34,7 Prozent planen eine Ausweitung und nur 9,7 Prozent einen Abbau ihrer Allokation.

Mit dem Umbau der Portfolios gehen auch höhere Fondsquoten einher. Zwischen 2009 und Ende 2020 wuchsen allein die Fondsanlagen deutscher Lebensversicherer, Versorgungswerke und Pensionskassen um mehr als 400 Milliarden Euro auf rund 660 Milliarden Euro. Die Fondsquote schwankt je nach Investorengruppe dabei weiterhin deutlich. Am höchsten ist sie bei Versorgungswerken mit 68 Prozent, am niedrigsten bei Lebensversicherern mit 40 Prozent.

Bild: Pexels

Korrektur am 14. Oktober. Diese betrifft die Renditeerwartungen der einzelnen Anlegergruppen

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