Asset Manager
25. Oktober 2011

KAGen im Check-up

Mittelzuflüsse, steigende Provisionserträge und Gewinne: Für Kapitalanlagegesellschaften hat sich das vergangene Jahr als rosig erwiesen und die 2009 offenbar gewordenen Folgen der Finanzmarktkrise teilweise vergessen lassen. Die Freude über die vergangenen Zahlen währt jedoch nicht lang, die Gegenwart bleibt anspruchsvoll.

Auf jeden Regen folgt Sonnenschein. Dass an diesem alten Sprichwort etwas Wahres dran ist, konnten die Kapitalanlagegesellschaften 2010 feststellen. Nachdem ihnen Mittelabflüsse, sinkende Provisionserträge und rückläufige Gewinne die Bilanzen von 2009 verhagelt hatten, kam im vergangenen Jahr die Sonne heraus. Laut Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) hat die Investmentbranche das verwaltete Vermögen um rund acht Prozent auf 1.720 Milliarden Euro steigern können – überwiegend dank Mittelzuflüssen. Um ein genaues Bild über die finanzielle Lage der KAGen­ zu bekommen, analysierte portfolio institutionell die Geschäftszahlen verschiedener Gesellschaften in den Jahren 2009 und 2010.

Im Zuge der Finanzmarktkrise hatte sich der Kostendruck auf die KAGen erhöht. Die Folge: Viele KAGen verordneten sich 2009 einen Sparkurs. Um die Verwaltungskosten zu senken, wurde in den Marketingbudgets und beim Personal gespart. In den Jahresberichten 2010 ist von derartigen Sparmaßnahmen nicht mehr die Rede. Ins Auge sticht hierbei vor allem die Deka Investment, deren Mutterkonzern 2009 eine großangelegte Prozessoffensive startete, die auf eine Senkung der Personal- und Sachkosten abzielte. Bis Ende 2010 sollten insgesamt 350 Stellen gestrichen werden. Von diesen Streichungen blieb die Deka Investment offenbar verschont. Die Mitarbeiterzahl stieg ­gegenüber dem Vorjahr von 250 auf 324, der Verwaltungsaufwand ­erhöhte sich von 149,5 auf 182,7 Millionen Euro. Der höhere Personal­bestand kommt allerdings nicht durch Neueinstellungen zustande, sondern durch die Fusion mit der Deka Fund Master, die durchschnittlich 87 Mitarbeiter beschäftigte. Das relativiert den gestiegenen Verwaltungsaufwand, zeigt aber, dass die Deka Investments zumindest nicht der Kostensenkungsoffensive der Muttergesellschaft zum Opfer fiel. Mit rund 332,1 Millionen Euro hat auch Allianz Global Investors (AGI) einen im Vergleich zu 2009 um 79,2 Millionen Euro höheren Verwaltungsaufwand zu verzeichnen, was in erster Linie mit der Übernahme der Cominvest zusammenhängt. „Im Zuge der Integration wurden umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen im Personal- und Sachbereich durchgeführt“, schreibt die AGI-Geschäftsführung in ihrem Lage­bericht. Höhere­ Verwaltungskosten musste 2010 auch Universal Invest­ment ausweisen. Mit rund sieben Millionen Euro erhöhte sich der Aufwand im Vergleich zur Deka Investment und AGI nur leicht, rührt aber auch nicht aus einer Fusion oder Übernahme, sondern höheren Personalkosten. Nachdem 2009 bereits 36 neue Mitarbeiter eingestellt worden waren, kamen im vergangenen Jahr weitere 23 hinzu. Auch bei Helaba Invest wurde die ­Personaldecke um 20 Mitarbeiter aufgestockt und rund 1,3 Millionen Euro mehr für Personal ausgegeben. Weitere Beispiele: Generali, SEB Investment, Hansa­invest, Frankfurt-Trust und Axa Investment Managers.

_Personalabbau weiter fortgesetzt

Personalaufbau stand 2010 allerdings nicht bei allen KAGen auf der Tagesordnung. Ein Beispiel ist Blackrock, das seine Mitarbeiterzahl von 51 auf 39 gesenkt hat. Der Personalabbau hing direkt mit der Auslagerung der Fondsadministration an State Street zusammen, die im vergangenen Geschäftsjahr abgeschlossen wurde. In ihrem Lagebericht schreiben die Blackrock-Geschäftsführer: „Im Zuge der Auslagerung der Fondsadministration haben neun Mitarbeiter dieser Abteilung in einem Teilbetriebsübergang zum 1. September 2010 zum dafür beauftragten externen Dienstleister State Street Bank München gewechselt.“ Personalabbau stand nicht nur bei Blackrock, sondern auch bei Bayern-Invest und West-LB-Mellon an. Beide KAGen hatten bereits­ 2009 ihre Mitarbeiterzahl reduziert, waren damit aber offenbar noch nicht am Ende. Im vergangenen Jahr strich Bayern-Invest zehn Stellen, West-LB-Mellon neun. In die Riege der KAGen mit Personalkürzungen reihten sich außerdem UBS und W&W Asset Management ein. Der Personalabbau schlug sich in der Bilanz von W&W allerdings nicht positiv nieder. Der Gewinn ging gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf 9,4 Millionen Euro zurück. Ursächlich hierfür sei „eine im Vergleich zum Vorjahr geringere Outperformance ihrer Mandate“. Mit ihrem Gewinnrückgang steht W&W nicht allein, wie die von portfolio institutionell durchgeführte Analyse der Geschäftszahlen verschiedener KAGen zeigt. Dieses Schicksal teilt die Landesbank Berlin. Alle anderen analysierten Gesellschaften konnten einen im Vergleich zum Vorjahr höheren Gewinn verbuchen.

_Nur noch eine KAG schreibt rote Zahlen

Einen besonders großen Sprung machte die AGI, die ihren Gewinn­ gegenüber 2009 fast verdoppelte und mit 175,1 Millionen Euro­ den ­absolut höchsten Gewinn aller KAGen erzielte. Es folgt Deka­ Investment mit 111,7 Millionen Euro. Mit weitem Abstand auf dem dritten Platz landete SEB Investment, die ihren Gewinn von 23,5 auf 29,8 Millionen Euro steigern konnte. Positiv zu werten ist, dass 2010 nur eine von 25 analysierten KAGen beim Gewinn rote Zahlen schrieb. Wie 2009 handelt es sich dabei um die Nord-LB-Kapitalanlagegesellschaft. Anders sieht es inzwischen bei der SGSS Deutschland aus, die 2009 mit minus acht Millionen Euro das schlechteste Ergebnis ablieferte, im abgelaufenen Geschäftsjahr aber wieder in den schwarzen Zahlen lag und einen Gewinn von 6,4 Millionen Euro erzielte. Das von der Gesellschaft administrierte Fondsvermögen stieg um gut zehn auf 57,6 Milliarden Euro. „Der Anstieg des Fondsvermögens resultiert überwiegend aus Neukundengeschäft im Geschäftsjahr 2010. Auch die positive Kapitalmarktentwicklung wirkte stützend“, hieß es in dem Jahresbericht von SGSS Deutschland.

Durchaus erfreulich sind auch die Umsatzrenditen, die bei mehr als zwei Drittel aller KAGen zweistellig ausgefallen sind. Mit über 38 Prozent führt Blackrock das Ranking an. Es folgen Frankfurt-Trust, Pioneer­ Investments und Helaba Invest mit jeweils mehr als 24 ­Prozent. Eine im Vergleich zum Vorjahr schlechtere Umsatzrendite erzielten lediglich vier von 25 KAGen, und zwar Ampega-Gerling, ­Credit Suisse, die Landesbank Berlin und W&W. Drei Viertel der von portfolio­ institutionell analysierten Gesellschaften konnten indes ihre Umsatzrendite gegenüber dem Vorjahr steigern.

Siehe Tabelle

Fast durch die Bank weg verbessert haben sich auch die Provisionserträge. Mit der Nord-LB und Invesco haben lediglich zwei KAGen Rückgänge hinnehmen müssen. Sie sind auch die einzigen Gesellschaften, deren Provisionserträge im einstelligen Millionenbereich lagen.­ Unangefochtene Nummer eins im Ranking ist wie im Vorjahr die AGI, die ihre Provisionserträge gegenüber 2009 von 568 auf 958 Millionen Euro steigern konnte. Auf Platz zwei landete die Deka ­Investment, die auf 606 Millionen Euro kam. Mit weitem Abstand ­dahinter folgen SEB Investment, Pioneer Investments, Universal ­Investment und Helaba Invest, die allesamt auf Provisionserträge von mehr als 100 Millionen Euro kamen.

Die positive Entwicklung der Provisionserträge zeigt eine Trendumkehr gegenüber 2009. Im Jahr nach Ausbruch der Finanzmarktkrise hatte die Mehrheit der KAGen niedrigere Provisionserträge als 2008 hinnehmen müssen. In vielen Fällen ging dies mit Nettomittelabflüssen im Fondsvermögen einher. Insgesamt 13 KAGen mussten 2009 Federn lassen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich diese Zahl ­halbiert. Nur noch sechs der von portfolio institutionell analysierten Gesellschaften haben 2010 Mittelabflüsse verzeichnet. Mit fast einer halben Milliarde Euro war Frankfurt-Trust die KAG mit den höchsten Abflüssen. Diese erfolgten in erster Linie im Publikumsfondsbereich. Den bereits 2009 zu beobachtenden Trend, als der Gesellschaft 300 Millionen Euro entzogen wurden, konnte Frankfurt-Trust somit nicht stoppen. Auch bei der Helaba Invest setzte sich der Trend aus dem Vorjahr fort, allerdings dürfte dies für Freude gesorgt haben. Der Frankfurter Master-KAG flossen 2010 abermals die meisten Mittel zu, und zwar in Höhe von 10,4 Milliarden Euro. Knapp dahinter folgen Universal Investment und AGI. Die 2009 verbuchten Mittelabflüsse im Fondsvermögen von einer Milliarde Euro konnte AGI somit kompensieren. Dies verdankt die KAG ihrem Spezialfondsgeschäft, dem über zwölf Milliarden Euro an neuen Mitteln zuflossen. Bei den Publikumsfonds musste AGI hingegen Mittelabflüsse von über zwei Milliarden Euro hinnehmen. Eine positive Entwicklung im ­Fondsvermögen erlebte auch SGSS Deutschland. Nachdem die KAG 2009 mehr als anderthalb Milliarden Euro an Mitteln abflossen, konnte sie im abgelaufenen Jahr 6,7 Milliarden Euro an neuen Mitteln einsammeln.

_Die Freude währt nur kurz

Lang dürfte die Freude über die positive Entwicklung im Fondsvermögen bei den meisten KAGen nicht angehalten haben. In den ersten sieben Monaten 2011 haben zehn KAGen Nettomittelabflüsse hinnehmen müssen. Ins Auge sticht die Universal Investment, die in den vergangenen Jahren immer zu den KAGen mit den höchsten Mittelzuflüssen gehörte, bis zum 31. Juli allerdings bereits Abflüsse in Höhe von 404 Millionen Euro verzeichnen musste. Das Ergebnis würde doppelt so schlecht ausfallen, wenn man nur den Spezialfondsbereich anschauen würde. Beunruhigt scheint die KAG darüber nicht zu sein. Universal Investment wies auf Nachfrage darauf hin, dass das zweite Halbjahr traditionell das stärkere ist. Ob sich die Traum­ergebnisse aus dem vergangenen Jahr wiederholen lassen, darf dennoch bezweifelt werden. Ganz allein steht Universal Investment mit ihrer negativen Entwicklung im Fondsvermögen nicht. Beispielsweise kommt die Deka­ Investment auf Abflüsse von 179 Millionen Euro. Auch alle anderen­ von portfolio institutionell analysierten KAGen­ sind weit entfernt von den Zahlen aus dem Vorjahr. Die Gegenwart ist anspruchsvoll. Wolken sind am Himmel­ aufgezogen.

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