Kanada treibt Pläne für einen neuen Staatsfonds voran

Kanada verfügt über herausragende Expertise im Bereich des Vermögensmanagements. Und am Firmament der großen institutionellen Investoren wird bald ein weiterer – wenn auch winziger – Stern zu leuchten beginnen: der „Canada Strong Fund“. Bild: Pexels.
Die kanadische Regierung legt den ersten nationalen Staatsfonds auf – den „Canada Strong Fund“. Investiert werden soll in Projekte und Unternehmen, die die wirtschaftliche Transformation des Landes vorantreiben. Die Nordamerikaner können bei dem langfristigen Vorhaben auf einen großen Erfahrungsschatz bei der Steuerung und Maximierung von Kapitalanlagen aufbauen.
Am Firmament der großen institutionellen Investoren wird bald ein weiterer – wenn auch winziger – Stern zu leuchten beginnen: der „Canada Strong Fund“. Der neue Staatsfonds soll nach den Worten von Premierminister Mark Carney dem Ministerium für Finanzen und nationale Einnahmen unterstellt werden. Seine Errichtung steht im Zusammenhang mit der „Build Canada Strong“-Initiative – einem umfassenden nationalen Wirtschafts- und Infrastrukturrahmen der Regierung, der unter anderem darauf abzielt, eine widerstandsfähigere Ökonomie zu fördern.
Starten soll der Staatsfonds mit einem Kapital in Höhe von 25 Milliarden kanadischen Dollar, das die Landesregierung über drei Jahre gestaffelt zur Verfügung stellen will. Es wird erwartet, dass der Fonds im Laufe der Zeit anwachsen wird – gespeist durch die Erträge, die er erwirtschaftet, und weitere Vermögenswerte, die die Regierung ihm zuweisen könnte. Umgerechnet beträgt das Startkapital rund 15,75 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: Der deutsche Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, bei dem es sich allerdings um einen befristeten Staatsfonds handelt, baut auf einem Stiftungskapital von 24,1 Milliarden Euro auf. Der Government Pension Fund Global aus Norwegen hingegen hat kein Verfallsdatum. Als weltweit größter Staatsfonds mit Kapitalanlagen im Gesamtwert von rund 1,72 Billionen Euro ist er zugleich das Flaggschiff der institutionellen Investmentszene. Eines seiner Ziele ist es, dass die enormen Erdöleinnahmen des Landes sowohl der heutigen als auch künftigen Generationen zugutekommen.
Auch andere Länder, die ähnlich wie Norwegen mit natürlichen Rohstoffen gesegnet sind, verfügen über Staatsfonds, deren Finanzierungsquelle sich aus dem Rohstoffverkauf speist. Beispiele sind die Abu Dhabi Investment Authority in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auch die Alaska Permanent Fund Corporation aus den USA. Auch in Kanada gibt es Staatsfonds, diese sind jedoch den Provinzen des Landes zuzuordnen. Denn sie haben laut der Financial Times die Hoheit über ihre Bodenschätze und die daraus erzielten Einnahmen – und nicht die Landesregierung. Der Alberta Heritage Savings Trust Fund beispielsweise ist ein solcher Staatsfonds. Er wurde 1976 von der Provinz Alberta eingerichtet, um das Vermögen zu verwalten, das auf ihren Ölvorkommen basiert.
Expertise mit Kapitalanlagen
Kanada verfügt über herausragende Expertise im Bereich des Vermögensmanagements. Deutlich wird das auch an den sogenannten Maple Eight – einer Gruppe mächtiger Pensionsfonds des öffentlichen Sektors, die umrechnet etwa 1,28 Billionen Euro verwalten und für ihre hochentwickelten Anlagestrategien sowie ihre starke Performance bekannt sind. Ein weiterer Investmentspezialist ist die Alberta Investment Management Corporation (Aimco); der Großanleger mit zuletzt rund 113 Milliarden Euro unter den Fittichen (Stand: 2024) belegt im Ranking des Sovereign Wealth Fund Institute den zwanzigsten Platz und gilt damit als der größte Staatsfonds Nordamerikas. Allerdings trifft diese Bezeichnung in diesem Fall nicht wirklich zu, handelt es sich bei Aimco doch um einen Marktteilnehmer, der das Kapital unterschiedlicher Investorengruppen bündelt und dabei deren Anlage- und Risikopräferenzen berücksichtigt. Zu den Kunden gehören ein knappes Dutzend Pensionspläne wie der Alberta Teachers’ Retirement Fund, aber auch drei Versicherungsgesellschaften und vier Endowments Funds. In letztere Kategorie fällt der Alberta Heritage Savings Trust Fund, der als Pionier unter den Staatsfonds gilt. Er dient dazu, einen Teil der Rohstoffeinnahmen der Provinz Alberta am Kapitalmarkt anzulegen, um so ein dauerhaftes Vermächtnis für alle Einwohner der Region zu schaffen. Zum 31. Dezember 2025 belief sich der Zeitwert seiner Assets auf rund 20 Milliarden Euro. Doch das ist nur eine Momentaufnahme.
Die Provinzregierung in der Hauptstadt Edmonton verfolgt einen ehrgeizigen Plan. Dieser sieht vor, das Vermögen im Heritage Fund bis zum Jahr 2050 auf umgerechnet 157 Milliarden Euro anwachsen zu lassen, um finanzielle Stabilität und Wohlstand für die heutigen und künftigen Generationen zu schaffen. Das erhoffte Wachstum speist sich dabei nicht nur aus Anlagerenditen und thesaurierten Gewinnen, sondern auch aus Dotierungen. Für das Haushaltsjahr 2025/26 beispielsweise will die Provinzregierung 2,8 Milliarden Dollar in den Heritage Fund einzahlen. Möglich machen das entsprechende Haushaltsüberschüsse.
Kanada will seine Infrastruktur stärken
Doch kehren wir zu den Plänen von Premierminister Carney zurück, der Mitte März 2025 vereidigt wurde – genau zu Beginn des Zollstreits mit den USA. In den Pressemitteilungen, die sein Haus verlassen, findet man in letzter Zeit wiederholt das folgende Statement: „Die Welt wird zunehmend gefährlicher, gespaltener und unsicherer. Als Reaktion darauf konzentriert sich Kanadas neue Regierung auf das, was wir steuern können: den Aufbau einer stärkeren, widerstandsfähigeren und unabhängigeren kanadischen Wirtschaft.“ Vor diesem Hintergrund muss man auch den angekündigten Staatsfonds einordnen. Er ist, wie oben bereits deutlich wurde, der erste landesweite Fonds dieser Art und Teil von Carneys Bestreben, Kanada zur „stärksten Volkswirtschaft der G7“ zu machen, wie die Financial Times anmerkte – und das „zu einer Zeit, in der US-Präsident Donald Trump lähmende Zölle auf dessen wichtigste Exportgüter verhängt hat“.
Der Staatsfonds soll – gemeinsam mit dem privaten Sektor – strategisch in kanadische Projekte und Unternehmen investieren, die die wirtschaftliche Transformation des Landes vorantreiben, wie es heißt. Dazu zählen Projekte in den Bereichen saubere und konventionelle Energie, kritische Mineralien, Landwirtschaft sowie Infrastruktur. Im Mittelpunkt stehen Projekte des sogenannten „Nation-Building“ – allen voran geht es um neue Häfen, Bergwerke sowie Handels- und Energiekorridore –, die die Ressourcen des Landes erschließen, seine heimischen Lieferketten sichern und es den Kanadier ermöglichen sollen, neue Märkte zu beliefern. Die Erträge des Fonds werden reinvestiert, um den Canada Strong Fund noch stärker zu machen und seine Leistungsfähigkeit weiter zu erhöhen. Letztlich werde das Kapital in Investments gelenkt, die „das höchste Ertragspotenzial für Kanada bieten“, heißt es. Davon sollen auch die Kanadier profitieren; die Regierung entwickelt ein auf sie zugeschnittenes Anlageprodukt, um so auch der Bevölkerung eine unmittelbare Beteiligung am langfristigen Wohlstand der Nation zu ermöglichen.
Schon heute investiert die Regierung in Projekte und Unternehmen, um Kanadas langfristiges Wachstum und seine Wettbewerbsfähigkeit voranzutreiben. Dabei stützt sie sich zum Beispiel auf den Canada Growth Fund, einen Investmentfonds mit einem Startkapital von 15 Milliarden Dollar, der unabhängig und auf Distanz zur Staatsmacht agiert. Der Fonds wurde im Jahr 2022 gegründet und nahm im Sommer 2023 offiziell seinen Betrieb auf. Verwaltet wird er vom Investmentmanager Public Sector Pension Investment Board (PSP Investments) mit dem Ziel, privates Kapital für Projekte im Bereich des Klimawandels und der sauberen Wirtschaft zu mobilisieren. PSP Investments steuert außerdem die laufenden Rentenbeiträge der kanadischen Regierung für die Mitglieder der öffentlichen Pensionspläne des Bundesdienstes. Aber auch die kanadischen Streitkräfte sowie die Einsatzkräfte der Royal Canadian Mounted Police verlassen sich auf die Anlagespezialisten von PSP Investments.
Länderübergreifende Rentenpläne
Die Regierung unter Mark Carney treibt jedoch nicht nur die Stärkung der kanadischen Wirtschaft und die Einrichtung des neuen Staatsfonds voran; auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich der Kapitalanlagen steht auf ihrer Agenda. Dies wurde im März dieses Jahres deutlich, als PSP Investments bekannt gab, im Rahmen der „Canadian–Australian Pension Funds Investment Initiative“ (CAP Invest Initiative) eine Absichtserklärung unterzeichnet zu haben. Die am 3. März 2026 von Führungskräften einiger der größten Pensionsinvestoren Australiens und Kanadas ins Leben gerufene Initiative soll die Zusammenarbeit zwischen Pensionsinvestoren beider Länder stärken und das Investitionsumfeld in den jeweiligen Rechtsräumen verbessern. Durch diese Zusammenarbeit soll zusätzliches langfristiges Kapital für private Investitionen mobilisiert werden – zugunsten von Millionen von Erwerbstätigen und Ruheständlern in beiden Ländern.
Festzuhalten bleibt: In Kanada wird langfristiges Denken großgeschrieben. Und zwar sowohl in der Wirtschaftsförderung als auch in der kapitalmarktfinanzierten Ruhestandsplanung. Und man darf gespannt sein auf die Strahlkraft des Staatsfonds.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Print-Ausgabe | Staatsfonds | Weltspiegel
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