Kirchliche Geldanleger wollen mehr Einfluss nehmen
Europäische Kirchen konferieren über die umfassendere Sichtweise bei Investments. Wichtig ist der Dialog.
Wie können Kirchen das ihnen anvertraute Vermögen verantwortungsvoll einsetzen und ihren Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft bewusst wahrnehmen? Darüber tagen in Innsbruck derzeit kirchliche Investoren aus ganz Europa. Es handelt sich laut den Veranstaltern um die zweite Konferenz in diesem Format. Zu den Organisatoren und Teilnehmern der Konferenz zählen Kirchen aus ganz Europa von beispielsweise der Church of England bis zur Erzdiözese Malta. Aus Deutschland mit dabei sind unter anderen Dr. Jörg Mayer vom Arbeitskreis Kirchlicher Investoren und David Reusch, der für die Missionszentrale der Franziskaner und Cric tätig ist.
Nach kirchlicher Ansicht muss investieren mehr sein als moralisch neutral nach Risikomodellen und Finanzkennzahlen vorzugehen. Eine rein technische Sichtweise sei nicht nur unzureichend, sondern grundlegend falsch. Kirchliche Geldanleger haben schon immer die Position vertreten, dass Investitionen nicht nur die Berücksichtigung finanzieller, sondern auch ethisch-nachhaltiger Aspekte erfordert, heißt es in einem Schreiben der Veranstalter. Und: Letztendlich gehe es bei verantwortungsvollem Investieren für kirchliche Institutionen nicht nur darum, Schaden oder Reputationsrisiken zu vermeiden oder ESG-Kriterien abzuhaken.
Die Erfahrungen würden zeigen, dass sich diese umfassendere Sichtweise auf Investitionen mit dem Ziel vereinen lässt, langfristig nachhaltige Renditen zu erzielen. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Für Kirchen ist jede Entscheidung, wohin Kapital fließt, eine, die beeinflusst, unter welchen Umständen Menschen arbeiten, und welche Technologien gefördert werden. Sie ist auch eine Entscheidung für oder gegen die Einhaltung christlicher Werte.“
Bedenken, dass kirchliche Vermögen zu klein sind, um gestaltend wirken zu können, seien nicht berechtigt. Schließlich können kirchliche Investoren mit multinationalen Konzernen in den Dialog treten, Normen setzen und vorleben, wie verantwortungsbewusstes Investieren aussieht. Sie können die Ersten sein, die unbequeme Fragen stellen, aber auch die Letzten, die ein schwieriges, aber vielversprechendes Engagement aufgeben.
Beim Investieren stützen sich Kirchen auf den biblischen Auftrag und auf den Apostel Petrus: „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ Verantwortung beginne mit der Erkenntnis, dass das, was wir besitzen, uns nicht gehöre, sondern uns lediglich vorübergehend anvertraut sei.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Nachhaltigkeit/ESG-konformes Investieren
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