Kirchliche Großanleger starten Initiative gegen Tiefseebergbau

Der Tiefseebergbau bedroht nach Einschätzung kirchlicher Investoren und ökumenischer Organisationen die Meeresökosysteme, das Klima sowie die Lebensgrundlagen vieler Küstengemeinschaften. Deshalb haben sich 16 institutionelle Anleger aus 17 Ländern und verschiedenen Konfessionen zusammengeschlossen. Bild: Pexels.
Der Arbeitskreis Kirchlicher Investoren und weitere Großanleger starten eine Initiative gegen den Tiefseebergbau. Wir fassen zusammen, was die kirchlichen Investoren aus 17 Ländern fordern.
Am 11. Juni 2026 beginnt eine ökumenische Engagement-Initiative gegen den Tiefseebergbau. An der Initiative sind kirchliche Investoren aus 17 Ländern beteiligt, wie der Arbeitskreis Kirchlicher Investoren (AKI) vermeldet.
Der Tiefseebergbau bedroht nach Einschätzung kirchlicher Investoren und ökumenischer Organisationen die Meeresökosysteme, das Klima sowie die Lebensgrundlagen vieler Küstengemeinschaften. Deshalb haben sich auf Initiative des AKI und kirchlicher Entwicklungsorganisationen 16 institutionelle Anleger aus 17 Ländern und verschiedenen Konfessionen zusammengeschlossen.
Mit dabei sind neben den 47 evangelischen Mitgliedsinstitutionen des AKI unter anderem auch sechs Jesuitenprovinzen aus ganz Europa, die Church of Sweden sowie die Protestant Church of the Netherlands. Auch zwei deutsche Bistümer und die KZVK Köln haben sind Teil der Initiative.
Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft sollen Moratorium unterstützen
Gemeinsames Ziel der Investoren ist es, Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft für die Unterstützung eines Moratoriums zu gewinnen, wie es in der Mitteilung des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren heißt. Demnach sollen die Unternehmen sich „öffentlich dazu verpflichten, keine Mineralien aus dem Tiefseeboden zu beziehen, solche Rohstoffe aus ihren Lieferketten auszuschließen und keine Aktivitäten für den Tiefseebergbau zu finanzieren“.
In einem Statement erläutert der AKI-Vorsitzende Dr. Jörg Mayer die Verbindung zwischen den kirchlichen Investoren und den Firmen, die bei dieser Initiation adressiert werden. Er sagt: „Als Investoren haben Kirchen Zugang zu Unternehmen. Mit ihrer Kombination aus Kapital- und Wertemacht können sie in Engagementdialogen einen wirksamen Beitrag für die Umsetzung eines Moratoriums leisten.“
Der AKI habe bereits positive Erfahrungen mit dem Engagement zu Tiefseebergbau gemacht und auch erste Erfolge verzeichnet, fährt Mayer fort. „Um den Hebel zu vergrößern, haben wir uns an die katholischen Kolleginnen und Kollegen gewandt und Bistümer, Ordensgemeinschaften und kirchennahe Institutionen in Deutschland eingeladen, sich uns anzuschließen. Darüber hinaus ist es gelungen, acht weitere institutionelle kirchliche Investoren aus Europa für die Teilnahme zu gewinnen.“
Ein Instrument der ethisch-nachhaltigen Geldanlage
Das Engagement gegen Tiefseebergbau bezeichnet der AKI als Instrument der ethisch-nachhaltigen Geldanlage. Dieses steht aus Sicht der Kirchen im Zusammenhang mit Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Das ökumenische Nachhaltigkeitsverständnis orientiert sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals (SDGs). Die Sammlung von 17 miteinander verknüpften Zielen war im Jahr 2015 von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet worden.
Nach Einschätzung der beteiligten Organisationen verstößt Tiefseebergbau gegen mehr als zwei Drittel dieser Ziele. Die Tiefsee sei das am wenigsten erforschte Ökosystem der Erde. Wissenschaftliche Erkenntnisse würden darauf hindeuten, dass sich die von Eingriffen betroffenen Arten dort nur extrem langsam oder gar nicht regenerierten, heißt es.
Kritiker würden deshalb vor irreversiblen Schäden an der Biodiversität und vor einer Schwächung der Ozeane als wichtigste Kohlenstoffsenke des Planeten warnen. Dies könnte die Klimakrise zusätzlich verschärfen.
„Es geht um die spirituelle Dimension des Tiefseebergbaus im Pazifik“
Zugleich verweist der AKI auf soziale und menschenrechtliche Fragen. Besonders Gemeinschaften im Pazifikraum würden ihre kulturelle Identität und ihre Lebensgrundlagen bedroht sehen, heißt es. Der Arbeitskreis zitiert den Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz, Reverend James Bhagwan: „Es geht um die spirituelle Dimension des Tiefseebergbaus im Pazifik. Der Tiefseebergbau fordert uns auf, Ressourcen zu gewinnen, bevor wir sie verstehen. Die christliche Verantwortung ruft uns dazu auf, das Leben zu schützen, insbesondere dort, wo es am verwundbarsten ist und am wenigsten für sich selbst sprechen kann.“
Die Pazifische Kirchenkonferenz, der größte regionale ökumenische Dachverband in Ozeanien, habe daher ihren Aufruf zu einem sofortigen Moratorium als Teil eines umfassenderen Engagements für ökologisches Wohlergehen, indigene Weisheit und die Rechte der Natur erneuert, so Bhagwan. „An die europäischen, christlich orientierten Investoren richte ich diese Worte mit Respekt und Dringlichkeit: Eure Entscheidungen sind für unsere Gemeinden von Bedeutung. Investitionen sind niemals nur finanzieller Natur. Sie sind moralischer Natur. Sie zeigen, was wir bereit sind zu schützen, was wir bereit sind zu riskieren und wessen Stimmen wir Glauben schenken.“
Finanzverantwortliche in Europa reagieren
Kirchliche Finanzverantwortliche in Europa reagieren laut dem AKI auf diese Erwartungen. Nach Einschätzung von Carsten Simmer, Leiter der Finanzabteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland, können kirchliche Investoren bei Unternehmen der Realwirtschaft darauf hinwirken, „dass diese keine Rohstoffe aus der Tiefsee beziehen“.
Je mehr Unternehmen sich dazu verpflichten, desto eher lasse der Druck auf die Ökosysteme der Tiefsee nach, fährt Simmer fort. „In den Dialogen mit Banken, Vermögensverwaltern und Versicherern äußern wir die Erwartung, dass sich die Unternehmen öffentlich von wirtschaftlichen Aktivitäten im Zusammenhang mit Tiefseebergbau distanzieren.“
Nach Einschätzung der beteiligten Organisationen besteht derzeit die Chance, gemeinsam mit Akteuren aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dauerhafte Schutzmechanismen für die Tiefsee zu etablieren. Laut dem AKI wollen kirchliche Investoren dieses „Zeitfenster“ länder- und konfessionsübergreifend nutzen.
Metzler Asset Management schließt sich internationalem Moratorium an
Im September 2024 hatte der AKI bereits sogenannte Engagement-Gespräche mit sieben Finanzdienstleistern über Nachhaltigkeitsthemen durchgeführt. Dabei ging es auch um den Tiefseebergbau. Die kirchlichen Investoren äußerten damals die Erwartung, dass die Banken und Asset Manager sich öffentlich für ein Moratorium einsetzen würden. Konkret schlug der AKI den Unternehmen vor, das Business Statement Supporting a Moratorium on Deep Sea Mining zu unterzeichnen. Auch 2025 seien die Dialoge zum Thema fortgesetzt worden.
Wie berichtet, verzeichneten der AKI, die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF und andere Nichtregierungsorganisationen daraufhin einen Engagement-Erfolg. Metzler Asset Management hat sich am 26. August 2025 als erster deutscher Asset Manager diesem internationalen Moratorium angeschlossen und verstärke damit sein Engagement für den Schutz sensibler Ökosysteme.
Hintergrund zum Thema „Tiefseebergbau“
Mit dem zunehmenden Bedarf an Rohstoffen und Edelmetallen, insbesondere für IT-Technologien und IT-Produkte, sind in den vergangenen Jahren auch die sogenannten marinen mineralischen Rohstoffe in der Tiefsee ins Visier von Staaten und Unternehmen gerückt. Laut WWF geht es dabei um Manganknollen in den Tiefseeebenen, kobalthaltige Krusten an den Hängen von Seebergen und polymetallische Sulfide, die sich rund um Hydrothermalquellen am Meeresboden in mehreren Tausend Metern Wassertiefe ablagern.
Ein großflächiger Abbau dieser Rohstoffe in den bisher fast unberührten Tiefen der Ozeane hätte erhebliche und zum Teil unkalkulierbare Auswirkungen auf die sensiblen Lebensräume und Artenvielfalt, wie der WWF erläutert. Die Tiefsee beherberge eine Vielzahl empfindlicher Ökosysteme und eine außerordentliche Artenvielfalt.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Arbeitskreis kirchlicher Investoren | Engagement / Active Ownership
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