Investoren
24. August 2021

Klimaschützer aus Fernost

Die Temasek Holding mit Sitz in Singapur gehört zu den ­größten Staatsfonds der Welt. Der Fonds hat einen starken Home Bias und investiert über 60 Prozent seiner Kapitalanlagen in Asien. ­Dabei verfolgt der Fonds seine ganz eigene Nachhaltigkeitsstrategie. ­Neben Investititionen in Kohlenstoffspeichertechnologien setzt ­Temasek auch auf Impact Investments.

Temasek Holdings ist ein Staatsfonds im Besitz der singapurischen Regierung, genauer gesagt untersteht der Fonds dem Singapurer Finanzministerium. Er wurde 1974 gegründet und hat das ­vorrangige Ziel, Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten mit Kapital zu unterstützen und damit die wirtschaftliche Entwicklung des Stadtstaates voranzutreiben. Dabei sind nur 55 Prozent des Portfolios in liquiden Assets investiert. Umgekehrt gesehen ­liegen also ganze 45 Prozent der Anlagen in illiquiden Asset-­Klassen wie Infrastruktur, Immobilien oder Private Equity. Geografisch gesehen sind 27 Prozent der Assets in China investiert, 24 Prozent in Singapur. 20 Prozent der Assets liegen in den USA und Mittel- und Südamerika. Nur zwölf Prozent seiner insgesamt 283 Milliarden US-Dollar an Assets under Management (Stand 31.3.2021) hält der Staatsfonds in Europa. Das Exposure sei zu 60 Prozent in entwickelten Märkten angesiedelt.

Nach Sektoren aufgesplittet zeigt sich, dass sowohl der Finanzsektor­ als auch der Sektor Telekommunikation, Medien und Technologie mit 24 und 21 Prozent übergewichtet sind. Der Anteil Asiens an den Investments liegt bei 64 Prozent, wovon der Fonds 24 Prozent seiner Assets in Singapur anlegt. Damit hat er einen starken Home Bias. Rund 381 Milliarden Singapur-Dollar-schwer war der Fonds zum Ende des Jahres 2020, seine Assets under Management ­belaufen sich also umgerechnet auf 239 Milliarden Euro. Im ­vergangenen Jahr erwirtschaftete Temasek einen Total Shareholder Return von 24,53 Prozent. Die durchschnittliche Jahresrendite seit ­Gründung 1974 liegt bei 14 Prozent.

CO₂-Ausstoß bis 2030 halbieren

Auch Temasek hat sich, wie andere Staatsfonds weltweit, Klimaziele­ gesetzt. So will der Fonds die Netto-Kohlenstoffemissionen des Portfolios bis 2030 gegenüber 2010 halbieren und bis 2050 netto keine Kohlenstoffemissionen mehr erzeugen. Zudem hilft „unser Rahmenwerk für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance – ESG) uns, nachhaltigkeitsbezogene Risiken und Chancen bei den von uns getätigten ­Investitionen und dem von uns gehaltenen Portfolio zu erkennen.“ In einem Brief des Vorstandsvorsitzenden Lim Boon Heng vom ­Juli 2021, der online einzusehen ist, berichtet der Staatsfonds von einem Rennen um die Zeit hin zu Net-Zero. „Die Kohlenstoffuhr tickt. Jüngsten Schätzungen zufolge verfügt die Welt nur noch über acht Prozent ihres Kohlenstoffbudgets. Das ist die maximale ­Menge an Kohlenstoffemissionen, die in die Atmosphäre abgegeben ­werden kann, bevor die Temperaturen um 1,5 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau steigen. Ein darüber hinausgehender ­Anstieg würde zu noch schwerwiegenderen klimabedingten ­Risiken für die Gesundheit, den Lebensunterhalt, die Ernährungssicherheit und mehr führen“, warnte demzufolge das IPCC ­(Intergovernmental Panel on Climate Change). Temasek nennt an dieser Stelle Unternehmen wie Eavor und Svante, in die der Staatsfonds investiert habe, um „die Art und Weise, wie die Welt Energie und Rohstoffe produziert, durch innovative Dekarbonisierungstechnologien zu verändern“. Eavor Technologies ist ein in Kanada ansässiges Unternehmen, das eine eigene Technologie zur ­Gewinnung geothermischer Energie entwickelt. Svante ist ein ebenfalls kanadisches Unternehmen, das sich auf die CO₂-­Filterung direkt aus Industrieprozessen spezialisiert hat.

In Sachen CO₂-Abscheidung beziehungsweise -Speicherung ist der Staatsfonds aktiv. So heißt es zum Thema Nachhaltigkeit ­prominent auf dessen Website: „Wir haben unsere Bemühungen verstärkt, in Möglichkeiten zur Vermeidung von Kohlenstoff zu investieren, zum Beispiel in Erneuerbare Energien und Proteine auf Pflanzenbasis. Wir suchen nach kohlenstoffnegativen Lösungen wie ­Kohlenstoffabscheidung, -verwertung und -speicherung (CCUS), sobald diese machbar sind.“ So kündigte Temasek im April eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock an, „um Lösungen zur Dekarbonisierung voranzutreiben und die globalen Bemühungen um eine Netto-Null-Wirtschaft bis 2050 zu beschleunigen.“ Zunächst würden im Rahmen der Partnerschaft rund 600 Millionen US-Dollar bereitgestellt, „um eine Reihe von Risikokapital- und Private-Equity-Investmentfonds“ aufzulegen, schrieb Chairman Lim Boon Heng im Juli. Die Partnerschaft ­namens „Decarbonization Partners“ werde eine Reihe von ­Risikokapital- und Private-Equity-Investmentfonds in der Spätphase­ ­auflegen, die sich auf die Förderung von Dekarbonisierungslösungen­ konzentrieren, um die globalen Bemühungen zu beschleunigen, bis 2050 eine Netto-Null-Wirtschaft zu erreichen.

Partner bei der Dekarbonisierung

Blackrock und Temasek beabsichtigen, gemeinsam 600 Millionen US-Dollar an Startkapital bereitzustellen, um in mehrere von der Partnerschaft aufgelegte Fonds zu investieren. Die Fonds werden auch Drittkapital von Investoren aufnehmen, die sich für eine ­Netto-Null-Wirtschaft engagieren und gleichzeitig langfristige, nachhaltige finanzielle Erträge anstreben, teilt Temasek mit. ­Decarbonization ­Partners hat ein Fundraising-Ziel von einer ­Milliarde US-Dollar für seinen ersten Fonds, einschließlich des ­Kapitals von Temasek und Blackrock.

Zudem sei man im vergangenen Jahr insbesondere in den ­Sektoren Technologie, Finanzdienstleistungen, Industrie und Energie sehr aktiv gewesen, heißt es im Brief des Vorstands vom Juli. Dazu ­gehörten Investitionen in Roblox, eine Online-Unterhaltungsplattform, Snyk, einen Softwareentwickler von Cybersicherheitstools, Hopin, eine Plattform für das Management virtueller Live-Events, TSMC, einen Halbleiterhersteller, und Nuvia, ein Start-up-­Unternehmen für Chipdesign, das inzwischen von Qualcomm übernommen wurde. Außerdem tätigte Temasek Folgeinvestitionen­ in Kuaishou, eine Plattform für digitale Medien, und UST Global, einen Anbieter von Technologiedienstleistungen und -lösungen. Eine Liste einzelner Aktieninvestments, wie sie zum Beispiel beim norwegischen Staatsfonds Government Pension Fund Norway, GPFN, üblich ist, findet sich zu Temasek nicht im Netz.

Impact Investments

Daneben tritt der singapurische Staatsfonds auch als Impact ­Investor in Erscheinung. Im März gründete Temasek eine ­strategische Partnerschaft in Höhe von 500 Millionen US-Dollar mit der globalen Impact-Investment-Gruppe Leapfrog ­Investments, die in Form einer Multi-Fonds-Investition von Temasek erfolgen soll. Temasek wird auch eine Minderheitsbeteiligung an Leapfrog übernehmen und Wachstumskapital bereitstellen, um die ­Expansion des Leapfrog-Teams und der Investitionskapazitäten in Asien und Afrika zu unterstützen. Benoit Valentin, Leiter des ­Bereichs Impact Investing bei Temasek, sagte zur Bekanntgabe: „Es besteht ein dringender Bedarf, die kritischen sozialen und ­ökologischen Herausforderungen, mit denen die Welt konfrontiert ist, anzugehen. Wir glauben an das Potenzial von Impact Investing, um das Kapital zur Bewältigung dieser Herausforderungen ­freizusetzen. Unsere Partnerschaft mit Leapfrog, die sich auf ­unterversorgte Märkte konzentriert, unterstreicht das Engagement von Temasek für wirkungsorientierte Investitionen und den ­Beitrag, den diese Investitionen zur Gestaltung einer besseren Welt für unsere Gemeinschaften leisten.“ Im Rahmen der Partnerschaft hat Leapfrog seit seiner Gründung über zwei Milliarden US-Dollar von globalen institutionellen Investoren erhalten. Über die vier ­Private-Equity-Fonds von Leapfrog hinweg sind die Unternehmen im Durchschnitt um 30 Prozent pro Jahr gewachsen.

Investitionen in Hafenbetreiber

Als weiteres Beispiel für seinen „Pfad zur Nachhaltigkeit“ führt ­Temasek auf seiner Website den Hafenbetreiber PSA International (PSA) an. Dieser habe sich zum Ziel gesetzt, seine absoluten ­Kohlenstoffemissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2050 ­kohlenstoffneutral zu sein. Zu diesem Zweck führe PSA eine Reihe von umweltfreundlichen Initiativen für sein Portfolio an ­Terminals, Logistik- und Schifffahrtsanlagen in rund 30 Ländern ein. Um die direkten Emissionen zu reduzieren, stelle PSA von dieselbetriebenen­ Anlagen auf kohlenstoffärmere Optionen wie elektrische Hofkräne und fahrerlose Transportsysteme (AGVs) um. Das Unternehmen arbeite an der Senkung des Stromverbrauchs und nutze ­erneuerbare Energiequellen durch die Installation von Solaranlagen und den Bezug von Ökostrom aus Wind- und Wasserkraft. PSA teste auch neue Dekarbonisierungstechnologien, um deren Entwicklung und Einsatz im Hafensektor zu beschleunigen. Außerdem werde ein ­intelligentes Netz eingeführt, das durch Batteriespeichersysteme und künstliche Intelligenz unterstützt werde, um die ­Energienutzung zu optimieren.

Temasek gibt sich alle Mühe, sich selbst als Nachhaltigkeitsförderer zu präsentieren. Oder wie es Chairman Lim Boon Heng im Juli 2021 formulierte: „Das Zeitfenster für die Kohlenstoffreduzierung schließt sich schnell. Wir nähern uns dem Kipppunkt, an dem die Gletscher unwiderbringlich beginnen zu schmelzen.“ Ob der Staatsfonds seinen erklärten Zielen wirklich Taten folgen lässt, lässt sich trotz der zum Teil sehr konkreten Einzelinformationen ­nur schwer beurteilen. Zumindest hat sich der knapp 240 Milliarden schwere Staatsfonds mit mächtigen Partnern verbündet.

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