Strategien
6. Dezember 2021

Klimaschutz-Fortschritte bei KMU

Zurich-Umfrage: 46 Prozent der kleineren und mittleren Unternehmen kennen eigenen CO2-Ausstoß. Zunehmendes Bewusstsein um Bedeutung von Nachhaltigkeit.

Bei der Transformation der Wirtschaft hin zu Klimaschutz und einer Kreislaufwirtschaft spielen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine wichtige Rolle, nichtsdestotrotz ist die Datenerhebung in diesem Segment der Wirtschaft noch im Aufbau begriffen. Dennoch sind sich immer mehr KMU der Bedeutung von Nachhaltigkeit für Klimaschutzziele bewusst, so das Ergebnis einer Umfrage der Zurich-Gruppe. Der Umfrage unter 503 mit Finanzentscheidungen betrauten Mitarbeitern in KMUs in Deutschland zufolge schätzen bereits rund 43 Prozent der KMU Nachhaltigkeit als unabdingbar für den Klimaschutz ein. Vor allem kleinere Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden stimmen dieser Aussage zu (48,1 Prozent). Auch Branchen wie der Handel (46 Prozent) oder der Dienstleistungssektor (52,1 Prozent) messen Nachhaltigkeit eine leicht höhere Relevanz als der Durchschnitt zu. Gleichzeitig gilt Nachhaltigkeit als wichtig für die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells (43 Prozent) sowie für die gesellschaftliche Akzeptanz des Unternehmens (43 Prozent).

Immerhin 46 Prozent der befragten Unternehmer kennen zudem  den eigenen CO2-Fußabdruck, tendenziell steigt dieses Wissen mit der Unternehmensgröße bis auf 52 Prozent. Eine Beratung, wie sie ihren Fußabdruck reduzieren können, wünschen sich 37 Prozent der Betriebe. Auch hier sind größere Unternehmen schon weiter, von ihnen interessieren sich bis zu 46 Prozent dafür.

Ein Drittel für strengere Regulierung

Die Mehrheit der KMU will der Studie zufolge Nachhaltigkeitsziele eigenverantwortlich erreichen und hält eine strengere Gesetzgebung und Verbote nicht für die Lösung des Problems. Über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) befürwortet die Kraft des Marktes bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Dennoch hält immerhin ein Drittel der Befragten eine strengere Gesetzgebung oder Vorgaben für die technische Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen für sinnvoll. Dieser Trend steigt noch einmal mit der Größe des Unternehmens. Zudem halten 31 Prozent der Befragten erhöhte Investitionen in die Nachhaltigkeit als relevant an.

Kunden machen Druck

Auch wird der Trend zu mehr Nachhaltigkeit von Kundenseite an die Unternehmen herangetragen, so die Umfrage. 40 Prozent der Befragten geben demnach an, dass Kunden nach nachhaltig produzierten Produkten und Services verlangen. Auch hier liegt der Handel mit 44 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Gelebte Nachhaltigkeit öffnet 41 Prozent der KMU Chancen für Investments. Dies bekräftigen vor allem Befragte aus dem Bereich Handwerk und Baugewerbe. Nur ein Drittel der Befragten sagt, dass Nachhaltigkeit kein relevantes Thema für sie ist. 26 Prozent sind noch unentschlossen.

Energieverbrauch von Gebäuden gesenkt

Auch gehen die Unternehmen die Umsetzung von klimaschonenden Maßnahmen bereits an: Jedes fünfte Unternehmen hat den Strom für sein Gebäude schon auf Ökostrom umgestellt, weitere 31 Prozent planen die Umsetzung. Eigene Energie, zum Beispiel per Photovoltaik oder Geothermie, erzeugen bereits 17 Prozent, geplant haben es 31 Prozent. Bei den größeren Unternehmen sind es bis zu 22 beziehungsweise 34 Prozent, die die Umsetzung abgeschlossen haben oder noch in der Planung sind. Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Verarbeitendes/ Produzierendes Gewerbe (41,5 Prozent) sowie Handel (41,4 Prozent) haben hier entsprechende Maßnahmen ins Visier genommen. Wenn es um die Reduzierung des Energieverbrauchs des Gebäudes geht, haben kleine KMU mit bis zu zehn Mitarbeitenden sogar die Nase vorn: 27 Prozent dieser Gruppe haben schon den Energieverbrauch des Gebäudes deutlich reduziert, bei den größeren sind es lediglich bis zu 22 Prozent. Von allen Befragten haben 54 Prozent die Energie deutlich reduziert beziehungsweise planen dies.

Mittelgroße Unternehmen stellen Produktion um

Schaut man auf die Produktion, so haben 49 Prozent der Befragten hier schon Energie reduziert beziehungsweise die Produktion auf ein nachhaltigeres Verfahren umgestellt oder geplant. Hier sind gerade mittelgroße Unternehmen mit einer Mitarbeiteranzahl zwischen elf und 100 recht umtriebig: Bis zu 76 Prozent der Befragten planen hier energiesparende Maßnahmen. Größere Unternehmen ab 101 Mitarbeitende sind da skeptischer: Von ihnen halten 35 Prozent der Befragten energiereduzierende Maßnahmen für technisch nicht umsetzbar. Eine Umstellung des Fuhrparks auf alternative Antriebe haben 15 Prozent umgesetzt, bei weiteren 33 Prozent ist diese in der Planung.

Risiko Klimawandel

Zudem ist auch eine verschärfte Risikobetrachtung bei den KMU zu bemerken: Aktuell sehen 45 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen deutliche Risiken durch den Klimawandel. Dies steigt tendenziell mit der Größe des Unternehmens. Dabei wird vor allem die Sorge vor höheren Kosten (zum Beispiel durch eine CO2-Steuer) genannt (41 Prozent), dicht gefolgt von dem Risiko einer gefährdeten Energieversorgung (31 Prozent). Auch unerwartete Naturereignisse zusammen mit höheren Präventionskosten sind für etwa ein Drittel der Befragten ein Thema. Weniger Sorgen machen sich Unternehmer dagegen über fehlenden Versicherungsschutz für Katastrophen (21 Prozent).

„Insgesamt zeigt sich, dass knapp die Hälfte der KMU schon bewusst über Integration der Nachhaltigkeit in ihr Geschäftsmodell nachgedacht hat. Die Unternehmerinnen und Unternehmer sind sich nicht nur den Risiken des Klimawandels bewusst, sondern schreiben auch dem Thema Nachhaltigkeit Relevanz zu. Erste Maßnahmen sind bereits umgesetzt, aber auch die geplanten Veränderungen zeichnen ein zukunftsgewandtes Bild des deutschen Mittelstandes“, analysiert Jawed Barna, Mitglied des Vorstands bei Zurich und verantwortlich für das KMU-Geschäft, die Ergebnisse.

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