Strategien
6. Januar 2020

Klimawandel hat höchste Priorität

Umfragen zum Thema Nachhaltigkeit von Franklin Templeton und Aon. Institutionelle Anleger fordern bessere Datenoffenlegung.

Institutionelle Investoren nehmen das Thema ESG und allen voran den Klimawandel zunehmend wichtig. Das ist das Ergebniss zweier aktueller Umfragen zum Thema. Einer globalen Umfrage von Franklin Templeton unter institutionellen  und Wholesale-Asset Ownern zufolge ist ESG sei eine zentrale Überlegung für Asset Owner und die Aneignung von Fachwissen in diesem Bereich habe für sie höchste Priorität. Insbesondere das Thema Klimawandel steht bei institutionellen Investoren demnach hoch auf der Agenda. 78 Prozent der weltweit Befragten gaben an, es als vorrangig anzusehen, wobei die ökologische Nachhaltigkeit mit 62 Prozent an zweiter Stelle folgte.

Die weltweite Studie, für die 237 Führungskräfte von institutionellen und Wholesale-Investmentgesellschaften in 21 Märkten befragt wurden, beschäftigte sich mit der Einführung, Implementierung und Entwicklung von ESG durch institutionelle und Wholesale Asset Owner in Nordamerika, Europa und APAC (Asien-Pazifik). Die Studie ergab, dass unzuverlässige und intransparente Daten für viele institutionelle Asset Owner eine Herausforderung darstellen, was wiederum die hohe Nachfrage bei Investoren nach konsistenteren und transparenteren Informationsquellen erklärt. Institutionelle Anleger fordern der Studie zufolge zudem eine zuverlässigere Datenoffenlegung und Datenstandardisierung im Bereich Environmental, Social and Governance (ESG). Sie wollen Verbesserungen hinsichtlich Transparenz und Datenstandardisierung sehen, damit ESG im gesamten Anlageprozess erfolgreich umgesetzt werden kann.

Sorge um Naturkatastrophen und Nationalismus

Dass Nachhaltigkeit bei den Investments von institutionellen Investoren eine immer größere Rolle spielt, belegt auch eine aktuelle Studie des britischen Rückversicherers Aon. Demnach bereiten die Themen wie Klimawandel/Naturkatastrophen und Nationalismus/Protektionismus institutionellen Investoren große Sorgen. Gefragt, welche globalen Themen Anlegern nachts den Schlaf rauben, werden diese am häufigsten genannt. Befragt wurden für die Studie 229 institutionelle Investoren aus Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten im Sommer 2019.

Eindeutige Nummer Eins unter den Antworten waren mit rund 67 Prozent der Klimawandel und Naturkatastrophen. Auf Platz zwei lagen Nationalismus/ Protektionismus mit rund 50 Prozent, gefolgt von sozioökonomischer Ungleichheit (rund 38 Prozent) auf Platz drei. Diese Themen bergen aus Sicht der institutionellen Anleger die größten Risiken für ihre Kapitalanlagen. Auf Platz vier landete mit 36 Prozent zudem die Biodiversität und der Zusammenbruch von Ökosysthemen. Sorgen machen den Anlegern auch Wasserknappheit und durch Menschen verursachte Katastrophen. Wenig beunruhigend ist für sie dagegen das Thema Künstliche Intelligenz, das in der Umfrage nur von rund 18 Prozent der Befragten genannt wurde.

„Unsere Studie zeigt nicht nur die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit bei Investments“, stellt Fred Marchlewski, Geschäftsführer der Aon Hewitt GmbH, fest: „Sie macht auch deutlich, welche aktuellen globalen Themen die Risiken und Chancen eines Portfolios beeinflussen können. Hier sind neue Lösungen und kluges Risikomanagement gefragt.“

ESG zunehmend auch bei Private Equity und Infrastruktur

Verbesserte Transparenz und Datenstandardisierung werden der Studie von Franklin Templeton zufolge als wichtige Katalysatoren für eine weitere und tiefere Übernahme von ESG angesehen. Zwei Fünftel (39 Prozent) der globalen institutionellen Investoren sehen das Fehlen akzeptabler politischer Rahmenbedingungen als die größte Herausforderung bei der Einführung von ESG an, während mehr als ein Drittel (36 Prozent) einen Mangel an qualitativ hochwertigen Daten zur Unterstützung von Entscheidungen angibt. Institutionelle Anleger sind der Meinung, dass die Offenlegungsstandards durch bessere Verfahren und eine stärkere Durchsetzung der Rechtsvorschriften verbessert werden müssen.

Die Studie zeigt, dass institutionelle Investoren eine Reihe von Vorteilen sehen, wenn sie ESG in ihre Anlageentscheidungen integrieren. Über zwei Drittel der institutionellen Anleger (69 Prozent) sehen die Risikoreduktion als den wichtigsten Nutzen der Integration von ESG, wobei die Verbesserung der finanziellen Rendite (60 Prozent) auf Platz zwei folgt. Zudem belege die Studie die Entwicklung von Best Practices für die ESG-Integration bei anspruchsvollen Anlegern, die ESG nun auch bei alternativen Anlageklassen anwenden. Bei Real Assets integrierten derzeit 79 Prozent der anspruchsvollen institutionellen Investoren ESG in Infrastrukturinvestitionen, und 78 Prozent verfolgten einen ESG-Ansatz im Bereich Private Equity.

Europa führend

Europäische institutionelle Investoren sind der Studie von Franklin Templeton zufolge führend im Umgang mit ESG-bezogenen Themen, was auf den längeren Erfahrungszeitraum der Region mit verantwortungsbewussten Investitionen zurückgeführt werden kann. Zu den wichtigsten Investitionsthemen in Europa gehört neben Klimawandel und ökologischer Nachhaltigkeit auch Korruption bei Unternehmen.

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