Strategien
30. April 2014

Konfliktpotenzial Managementvergütung

Institutionelle Investoren mit ESG-Brille nehmen oft Anstoß an den Vergütungsplänen von Unternehmensvorständen. F&C hat im Auftrag von Investoren 2013 fast die Hälfte aller Anträge im Zusammenhang mit Managementvergütung abgelehnt.

Die Vorstandsvergütung ist und bleibt für institutionelle Investoren der größte Konfliktherd mit dem Management von Unternehmen, in denen sie investiert sind. Aber auch andere Themen, wie Arbeitsbedingungen und Menschenrechte, haben zuletzt zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht „Responsible Investment Report“ der Fondsgesellschaft F&C Investments hervor, die für ihre eigenen Portfolien und im Auftrag institutioneller Investoren das Verhalten von Unternehmen zu ökologischen, sozialen und Governance-Themen durch den Dialog mit den Geschäftsleitungen und über Abstimmungen auf Hauptversammlungen positiv zu beeinflussen versucht. Unter den Kunden von F&C finden sich auch deutsche institutionelle Investoren. Zum Jahresende 2013 hat die Gesellschaft diesen Ansatz für deutsche institutionelle Kunden mit einem Volumen von 10,7 Milliarden Euro angewendet. 
Wie aus dem Report hervorgeht, engagierte sich F&C 2013 bei 716 Unternehmen aus 47 Ländern zu ESG-Fragen. Dabei sollen in rund 300 Fällen die Gespräche mit den Unternehmen zu Veränderungen geführt haben. Insgesamt hat F&C im vergangenen Jahr über mehr als 59.000 Anträge abgestimmt und dabei in fast 76 Prozent der Fälle die Vorschläge des Managements unterstützt, das seien zwei Prozent mehr als 2012. Weniger hoch fiel die Zustimmungsquote hingegen bei Anträgen im Zusammenhang mit Managementvergütung aus. Nach eigenem Bekunden wurde in fast der Hälfte aller Fälle dagegen gestimmt (43,6 Prozent). Dabei sei nicht ein einziger Vergütungsplan großer US-amerikanischer und britischer Banken unterstützt worden. Allerdings weist F&C in seinem Report auch daraufhin, dass es in Sachen Vorstandsvergütung auch Fortschritte gegenüber den Vorjahren gibt: Das zeige sich unter anderem bei langfristig ausgerichteten Bonussystemen und der Vergütung in Form von Aktienplänen anstelle von Barzahlungen. Außerdem werde in den Vergütungssystemen zunehmend ein Fokus auf Faktoren wie Kultur und Unternehmenswerte gelegt.
In dem Report ging es aber nicht nur um die Vergütungsproblematik. So identifiziert dieser auch eine Reihe ethischer Verstöße im globalen Bankensektor sowie im Pharmazie-Sektor in China und beleuchtet das Engagement beim Thema Arbeitsbedingungen und Sicherheitsversagen in Fabriken in Bangladesch. Dort hatte F&C bereits vor dem Einsturz des Rana Plaza im April 2013, bei dem über 1.100 Menschen starben, eine Reihe von Firmen dazu gedrängt, den Arbeitsbedingungen einen höheren Stellenwert zuzuweisen. Nach der Katastrophe hat F&C sein Engagement fortgesetzt und sich unter anderem stark bei Associated British Foods engagiert sowie auf den Präsidenten der Bangladesh Garment Manufacturers & Export Association eingewirkt, um die Unterstützung strengerer Arbeitsstandards im Land zu stärken. 
Doch wer glaubt, dass es nur in Schwellen- und Entwicklungsländern Nachholbedarf gibt, irrt. Laut F&C hinkt auch Japan in der Entwicklung von Corporate Governance dem Rest der entwickelten Welt deutlich hinterher. 2013 stimmte F&C in Japan in 62 Prozent der Fälle gegen die Vorschläge des Managements – mehr als in jedem anderen Markt. Dennoch mehren sich laut der Gesellschaft auch hier Zeichen für einen Wandel. So öffnete eine Rekordzahl von 112 Unternehmen ihren Vorstand erstmals für externe Mitglieder.
portfolio institutionell newsflash 30.04.2014/Kerstin Bendix
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