Pensionsfonds
24. März 2014

KZVK/VKPB: „Wir wollen an Skaleneffekten partizipieren“

Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch. Im Interview spricht Dr. Peter-Henrik Blum-Barth von einer Art Industrialisierung, die nicht nur Banken und Versicherungen betrifft, sondern auch für Pensionseinrichtungen gravierende Änderungen mit sich bringt.

Dr. Peter-Henrik Blum-Barth, Abteilungsleiter Unternehmensplanung und Controlling bei der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse Rheinland-Westfalen (KZVK) und der Gemeinsamen Versorgungskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte (VKPB), spannt imInterview mit portfolio institutionell einen weiten Bogen, der sich von der Bankenregulierung über die Assekuranz bis hin zu Pensionseinrichtungen erstreckt. In diesem Zusammenhang erläutert er den Übergang von der buchwert- zur marktwertorientierten Welt, die den Abbau volatiler Asset-Klassen in den Bankbilanzen zur Folge hat, was wiederum für einige Investoren, wie der KZVK und VKPB, Vorteile mit sich bringt. 
Aus Sicht der risikokapitalorientierten Anbieterseite sind die unverändert bilanzorientierten Investoren wie Pensionskassen und Pensionsfonds so etwas wie „sleeping beauties“, was allerdings freundlicher klingt, als es tatsächlich gemeint ist. Es bedeutet, dass die Anbieterseite unterstellt, die Investorenseite sei sich ihres aus der Regulierung stammenden Vorteils nicht bewusst. Weil das risikokapitalorientierte Aufsichtsregime zeitverzögert die gesamte Finanzbranche erfasst, wollen sich sophistizierte Pensionskassen und -fonds ihren temporär befristeten Regulationsvorteil durch günstige Erwerbs- und Managementkosten bezahlen lassen, anstatt sich zum übervorteilten Risikonehmer, der wahren Bedeutung von „sleeping beauties“, machen zu lassen. 
Herr Dr. Blum-Barth, die Finanzbranche entwickelt sich seit geraumer Zeit weg von einer bilanzorientierten hin zu einer risikokapitalorientierten Weltanschauung. Ist das aus Ihrer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung?
Ich glaube, man kann die Regulierung nicht aufhalten, sondern kann nur versuchen, sie unternehmerisch zu gestalten. Das ist die Konsequenz aus den Krisen der vergangenen Jahre. Der Staat war häufig gezwungen, Banken zu retten, und musste sich dabei selbst hoch verschulden. Wenn Sie heute die Schuldenquoten einiger Staaten ansehen, will man verhindern, noch einmal Finanzdienstleistungsinstitute oder eine große Versicherung retten zu müssen. Sobald ich risikokapital-orientiert anlege, habe ich natürlich einen Übergang von einem quotenorientierten System hin zu einem Risk-weighted-Asset-System, das nicht mehr auf ein gewisses bilanzielles Budget pro Anlageklasse abzielt, sondern auf das Einzel-Asset. 
Das macht vom Ansatz her aber einen gravierenden Unterschied. 
Es ist tiefgehender und erfordert ein stärkeres Maß an Transparenz. Wir leben im Zeitalter der Transparenz. Vielleicht hat es früher auf der Anbieterseite genügt, zu gewährleisten, dass ein bestimmtes Investment bilanziell verbucht werden kann. Heute müssen Sie, damit der Investor ein Produkt über den gesamten Lebenszyklus in seiner Bilanz handhaben kann, sehr viel stärker Informationen und Transparenz bieten. Auch ein Fonds muss offen, transparent und klar sein. 
Exemplarisch nennen möchte ich die Anforderungen an das Thema „Data-Ownership“. Der Investor muss Inhaber sämtlicher relevanter Daten sein. Und das ist ein fundamentales Umdenken, was mit dem Übergang von einer quotenbasierten in eine risikokapitalorientierte Welt einhergeht.
Der Investorenkreis wird regulierungsbedingt kleiner. Das verleiht Ihnen eine gewisse Macht. Nutzen Sie diese?
Es gibt zwei Möglichkeiten, auf die wir hinarbeiten. Erstens wollen wir bei großen Mandaten in puncto Gebühren an den realisierten Skaleneffekten partizipieren. Performance Fees sehen wir überwiegend skeptisch, sie machen aus unserer Sicht meist keinen Sinn. Der zweite Punkt betrifft Transparenz und Reporting. Ich gehe davon aus, dass uns dieser Teil über die Pensionsfonds-Richtlinie II – inhaltlich vergleichbar mit den korrespondierenden Solvency-II-Vorschriften – treffen wird. Man muss deshalb versuchen, die Anbieter operativ zu koordinieren. 
Ein Beispiel: Wenn Sie fünf verschiedene Alternative-Investment-Einheiten haben, die zu verschiedenen Stichtagen mit unterschiedlichen Risikomaßen berichten, wird es für Sie teurer. Das wollen Sie vermeiden. Und das wird meines Erachtens den Druck jenseits der Eigenkapital- und Fee-Diskussion auf die Alternative-Investment-Branche verstärken, den kundenorientierten Service auch im Bereich des Reportings zu verbessern.
Das vollständige Interview finden Siehier und in der neuen März-Ausgabe von portfolio institutionell, die am 21. März erschienen ist.  
portfolio institutionell newsflash 24.03.2014/Kerstin Bendix und Tobias Bürger
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