Alternative Anlagen
28. August 2013

Langlebigkeit bringt Extremrisiken mit sich

Angesichts der steigenden Lebenserwartung werden Langlebigkeitsrisiken zunehmend an Rückversicherer und andere Akteure transferiert. Dabei können neue Risiken entstehen.

Rückversicherungsunternehmen, wie die Hannover Rück und Munich Re, nehmen im Markt für verbriefte Versicherungsrisiken eine bedeutende Stellung ein. Einerseits übernehmen diese Marktteilnehmer verschiedene Risiken, um das eigene Portfolio über eine Vielzahl möglichst unkorrelierter Wetten zu streuen. Auf der anderen Seite werden bestimmte Risiken auch an Investoren weitergereicht, zum Beispiel an Hedgefonds. In diesem Zusammenhang wird das Risiko „Langlebigkeit“ (die Lebenserwartung fällt höher als erwartet aus), verbrieft. Nach Angaben der Deutschen Börse, die die sogenannten Langlebigkeitsindizes „Xpect“ berechnet, war das Interesse an der Thematik nie zuvor so groß wie heute. Grund: Pensionsfonds und Versicherer wollen das Risiko der steigenden Lebenserwartung abstreifen. 
Das „Joint Forum“, in dem Experten der Banken-, Wertpapier- und Versicherungsaufsichtsbehörden aus 13 Industrieländern vertreten sind, hat nun allerdings ein Konsultationspapier über den Markt für den Transfer von Langlebigkeitsrisiken vorgelegt, das vermuten lässt, dass viele Akteure mit den spezifischen Risiken noch nicht vertraut sind; die Autoren sprechen von „unerforschtem Territorium“ für Analysten, Akademiker und Regulierer.
Wie einer 28-seitigen Zusammenfassung zu entnehmen ist, kommt dem Langlebigkeitsrisiko eine signifikante Bedeutung zu. Laut Schätzungen des globalen Volumens von Langlebigkeitsrisiken im Zusammenhang mit Pensionszahlungen soll es sich dabei um eine Größenordnung von 15 bis 25 Billionen Dollar handeln. Und: Jedes Jahr, das bei der Schätzung der Lebenserwartung unberücksichtigt bleibt, kostet die Risikoinhaber bis zu eine Billion Dollar zusätzlich.
Um ein Gespür für die damit einhergehenden Risiken zu bekommen, gehen immer mehr Pensionseinrichtungen dazu über, die Risiken steigender Lebenserwartung zu transferieren – etwa an Rückversicherer; allerdings scheint das Wissen der Akteure, gelinde gesagt, ausbaufähig zu sein. Das Joint Forum listet acht Punkte auf, die Kapitalmarktteilnehmer, wie Analysten und Aufseher, im Hinblick auf Langlebigkeitsrisiken und deren Transfer berücksichtigen sollten. 
So sollten etwa die Aufsichtsbehörden im Hinblick auf den Transfer dieser Risiken international und sektorübergreifend zusammenarbeiten, „um das Potenzial für regulatorische Arbitrage“ zu reduzieren. Nach Angaben des Joint Forums sollten die Behörden sicherstellen, dass die Beaufsichtigten über das erforderliche Wissen, die Fähigkeiten und die Expertise verfügen, um mit den Risiken der steigenden Lebenserwartung umgehen zu können. Ein weiterer Vorschlag des Joint Forums besteht darin, den Transfer von Langlebigkeitsrisiken zwischen Unternehmen, Banken, (Rück-)Versicherern und den Finanzmärkten durch die Aufsichtsbehörden strikt zu überwachen. In dem Zusammenhang weisen die Auguren darauf hin, dass Langlebigkeits-Swaps, die beim Transfer von Langlebigkeitsrisiken regelmäßig zum Einsatz kommen, den Bankensektor bestimmten Tail-Risiken aussetzen, die wiederum zu einem „Zusammenbruch der Risikotransferkette“ führen könnten.
Blocktransaktionen im Blickfeld 
Welche Dimensionen Transaktionen im Markt für Langlebigkeitsrisiken aufweisen, zeigt das Beispiel der Hannover Rück. Im April dieses Jahres hat die Rückversicherung, die seit Mitte der 90er Jahre im Segment der Absicherung von Langlebigkeitsrisiken aktiv ist, zwei Blocktransaktionen abgeschlossen und dadurch Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund einer Milliarde Pfund rückversichert. Die Niedersachsen übernahmen dabei Langlebigkeitsrisiken von Abbey Life, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, in Höhe von 490 Millionen Pfund. Darüber hinaus erweiterte die Hannover Rück ihr Risikoportfolio durch die Übernahme von Langlebigkeitsrisiken von Rothesay Life in Höhe von 460 Millionen Pfund. 
Zuvor hatte die Hannover Rück im Februar dieses Jahres Langlebigkeitsrisiken vom britischen Versicherungskonzern Legal & General im Umfang von rund zwei Milliarden Pfund übernommen.  Der Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück, Ulrich Wallin, begründet diese Transaktionen mit den Worten: „Bei unseren jüngsten Blocktransaktionen fungieren wir als alleiniger Rückversicherer und haben erneut unsere Expertise für Rückversicherungs¬produkte im Bereich der Langlebigkeit unter Beweis stellen können. Hier sichern wir, wie auch im Falle von Legal & General, nur das biometrische, nicht aber das Investmentrisiko ab.“ Langlebigkeitsrisiken sind für die Niedersachen auch deshalb interessant, weil sie negativ zu Sterblichkeitsrisiken korreliert sind und so zu einer besseren Diversifizierung des Portfolios beitragen. 
portfolio institutionell newsflash 28.08.2013/Tobias Bürger
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