Schwarzer Schwan
26. März 2013

Leo XIII. – Schutzheiliger aller Asset Manager

Die Erwartungen an den neuen Heiligen Vater, Franziskus, sind hoch. Franziskus will und soll den Vatikan modernisieren. Als leuchtendes Vorbild kann ihm hierzu einer seiner Vorgänger, Leo XIII., dienen.

Leo XIII. öffnete nämlich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert die katholische Kirche für die moderne Welt. Als Pontifex Maximus von 1878 bis 1903 verfasste er die erste explizite Sozialenzyklika („Rerum Novarum“) der römisch-katholischen Kirche und folgte sogar dem heliozentrischen Weltbild von Galileo Galilei. Nur mit Darwins Evolutionstheorie tat sich Leo XIII. schwer.
Der Nachwelt in Erinnerung blieb Leo XIII. auch deshalb, weil er selbst der Nachwelt erhalten blieb. So wurden ihm als vorerst letztem Papst nach seinem Ableben sämtliche Organe entnommen. Mehr modern mutet an, dass er 1903 der erste Papst war, dessen Stimme mit einem Phonograph auf einer Wachsrolle aufgenommen wurde. Außerdem war Leo XIII. der erste Stellvertreter, der mit einer Kamera gefilmt wurde.
Papst Leo XIII. machte sich auch um die Vermögensverwaltung verdient und sollte eigentlich noch heute als Schutzheiliger des Asset Managements verehrt werden. Über die Kommission „ad pias causas“ machte er laut FTD den Weg frei für Spekulationen an den Börsen und für die 1887 erfolgte Gründung eines Geldhauses. Aus diesem entwickelte sich dann das „Istituto per le Opere di Religione“. Auf den frommen Wunsch eines Audienzbesuchers, Leo möge 100 Jahre alt werden, soll Leo XIII. – der erst mit 93 Jahren als Stellvertreter Christi abberufen wurde und damit noch immer als Rekordhalter amtiert – geantwortet haben: „Wir wollen der göttlichen Vorsehung keine Grenzen ziehen.“ Keine Grenzen wurden auch dem Istituto per le Opere die Religione gezogen, womit es sich eine Reputation als letztes Offshore-Paradies Europas erwerben konnte.
Trotzdem waren die Gründung der Kirchenbank und der damit erleichterte Handel mit Wertpapieren ein weiser Beschluss. Denn mit Immobilien allein lässt sich auch kein Kirchenstaat machen. Laut Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung verspekulierte Leo XIII. nämlich während Roms Immobilienblase um 1880 – trotz allem göttlichen Beistand – noch die „Restfinanzen“ des Vatikans. In Rom soll es nach einem langen Bauboom 1887 zu einem Preiseinbruch auf dem Immobilienmarkt gekommen sein.
Gott sei Dank war die katholische Kirche als Bauherr erfolgreicher als Leo XIII. als Immobilienspekulant. Denn ohne die Bauten der katholischen Kirche wäre die Welt ärmer.
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein gesegnetes Wochenende.

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