Traditionelle Anlagen
5. April 2022

Made by Private Equity: Prädikatsmerkmal für den Börsengang

Unternehmen mit Beteiligungskapital performen nach IPO besser. Kursplus von 14 Prozent nach einem Jahr.

Beteiligungsfonds halten sich meist mehrere Exit-Optionen für ihre Unternehmern offen. Neben dem Verkauf an ein anderes Industrieunternehmern, also ein sogenannter Trade Sale, und dem Verkauf an eine andere Private-Equity-Gesellschaft kommt ein Börsengang in Frage. Ein Börsengang beschert den Unternehmen einige Veränderungen. Die Firmen bekommen neues Eigenkapital, werden publizitätspflichtig und ihr Wert wird fortlaufend neu taxiert. Auch für Investoren, die schon zuvor an dem Unternehmen beteiligt waren, stellt der IPO einen Wandel dar: Wenn aus Private Equity Public Equity wird, mutieren sie vom Partner zum Aktionär – und können weiter interessante Renditen erzielen. In diesen Fällen profitieren vom Gang an die Börse also nicht nur die Beteiligungsfonds, sondern auch die neuen Aktionäre.

Dass letztere gerade von Börsenneulingen profitieren, die von Private-Equity-Unternehmen an die Börse gebracht wurden, zeigt eine Analyse von Mackewicz & Partner. Laut den Ergebnissen des Studienautors Daniel Gottstein sind Unternehmen mit Private-Equity- oder Venture-Capital-Partnern im Gesellschafterkreis deutlich erfolgreicher. Zwei Monate nach dem Listing weisen diese Börsenneulinge eine durchschnittliche Renditeperformance von sieben Prozent und nach einem Jahr von 14 Prozent auf. Die Marktkapitalisierung der Pendants ohne Beteiligungsgesellschaften kommt nach zwei Monaten nur auf einen Zuwachs von einem Prozent. Nach einem Jahr ist die Performance mit minus fünf Prozent sogar negativ.

Beteiligungskapital schützt

Aufschlussreich ist auch die Zahl der Börsenneulinge im positiven Terrain. Nach zwei Monaten weisen 15 Unternehmen, die von Beteiligungsgesellschaften an die Börse gebracht wurden, einen Wertzuwachs auf, nur sechs einen Wertverlust. Nach einem Jahr sind es jedoch jeweils gleich viel Unternehmen mit positiver und negativer Wertentwicklung: Allerdings: Bei den Unternehmen ohne Beteiligungsgesellschaften ist die Zahl derjenigen mit Wertverlusten in beiden Zeiträumen größer. Eingegangen sind in die Untersuchung 41 Unternehmen, die im Zeitraum Oktober 2013 und Juli 2020 an die Börse gegangen sind. Die für die Analyse verwendeten Daten stammen von der Börse Frankfurt und der deutschen Börse.

„Made by Private Equity“ scheint also ein Prädikatsmerkmal zu sein. Zur Begründung lässt sich vor allem anführen, dass die Companies von ihren Geldgebern aus der Beteiligungsbranche für den Börsengang auf Vordermann gebracht wurden. Dabei kann es sich um die Etablierung von passenden Strukturen, einen Feinschliff für das Geschäftsmodell und Optimierungen beim Kostenmanagement handeln. Diese Effekte überwiegen auch die üblichen Usancen der Beteiligungsfonds, ihren Einstieg mit von den Unternehmen zu bedienendem Fremdkapital zu finanzieren oder sich Sonderausschüttungen zu gönnen.

Ein besonders aktiver Begleiter auf das Börsenparkett war Holtzbrinck Ventures. Deren Spezialisten waren bei den Unternehmen Westwing, Delivery Hero und Zalando mit von der Partie. Rocket Internet war an den IPOs von Home 24 und Hellofresh beteiligt. Kinnevik war ebenfalls bei Home 24 und Zalando dabei. In vielen Fällen sind die Geldgeber aus der Beteiligungsbranche auch nach wie vor an Bord. Beispiele hierfür sind MBB bei Aumann, Permira bei Teamviewer, Hevella bei Creditshelf oder Montana bei Varta.

Der endgültige Exit als Warnsignal

Ein Warnsignal kann für die Aktionäre der Abgang der Private-Equity-Gesellschaft sein. Zwar ist danach nicht mehr zu befürchten, dass noch große Anteilspakete abgegeben werden. Dem langjährigen Partner dürfte jedoch am ehesten klar sein, wann eine Wachstumsstory ausgereizt ist. So liegen die Aktien von Brain Biotech, deren Kurs sich zeitweilig verdreifacht hat, nun unter dem Emissionskurs. Nahe dem Höhepunkt haben Beteiligungsfonds von MIG ausgecasht.

Es ist aber auch kein Versprechen für einen ewigen Renditefrühling, wenn die ehemaligen General Partner als Aktionäre an Bord bleiben. Nach wie vor ist beispielsweise bei Teamviewer der Geldgeber Permira engagiert. Teamviewer-Aktien starteten an der Börse fulminant, liegen nun aber unter dem Eimissionskurs. Permira dürfte jedoch auch schon vor dem Börsengang seinen Schnitt gemacht haben. Auch bei dem Unternehmen H-Gears, das vor einem Jahr an die Börse ging, liegen die Aktien nun, sicherlich auch wegen dem generell schwierigen Börsenzeitraum, unter dem Emissionskurs – trotz einer operativ passablen Entwicklung und trotz der unveränderten Beteiligung von Finatem in Höhe von 36 Prozent.

Gerade die Teamviewer/Permira-Liaison dürfte ein gutes Beispiel dafür sein, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit und auch die Höhe des finanziellen Erfolgs im Fall von Private Equity deutlich höher ist als für Aktionäre. Aktionäre wiederum fahren, wie die Analyse zeigt, als Co-Investoren von Private-Equity-Gesellschaften zumindest über einen gewissen Zeitraum besser als mit Unternehmen, an denen keine Private-Equity-Gesellschaften beteiligt sind.

 

Autoren:

Schlagworte: |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.