Strategien
19. Oktober 2020

Mehr Faktoransätze auch für Anleihen und Nachhaltigkeit

Inveso-Studie: 97 Prozent der Faktoranleger wollen Allokationen mindestens stabil halten. 40 Prozent nutzen Faktoren für Anleihen.

97 Prozent der Faktoranleger wollen ihre Faktorallokationen in den nächsten zwölf Monaten stabil halten oder ausbauen. Der Anteil der Investoren, die höhere Allokationen in Faktorstrategien erwägen, ist in der Region EMEA größer (47 Prozent) als in Nordamerika (31 Prozent) oder Asien-Pazifik (44 Prozent). Dies ergab die fünfte Global-Factor-Investing-Studie von Invesco.

„Trotz des außergewöhnlichen Umfelds und der niedrigeren Renditen einiger Faktoren in den vergangenen beiden Jahren haben sich Faktorstrategien wie erwartet entwickelt und die Einstellungen gegenüber dem Factor Investing sind weiterhin sehr positiv“, berichtet Georg Elsässer, Senior Portfolio Manager, Quantitative Strategies bei Invesco.

Ein Grund für die höheren Faktorallokationen im Vergleich zum Vorjahr sind die zunehmend breiten Anwendungsbereiche für Faktoransätze, zum Beispiel in zusätzlichen Anlageklassen wie Anleihen. Außerdem wird das Faktorengagement schrittweise ausgebaut. So nutzen in diesem Jahr so viele institutionelle und Wholesale-Investoren wie noch nie Faktorstrategien in ihrer Anleiheallokation. Zwei Fünftel geben an, Faktoransätze für Zinsanlagen zu nutzen; mehr als ein Drittel zieht dies aktiv in Betracht. Nur 17 Prozent der institutionellen Investoren sagen, dass dies für sie aktuell kein Thema ist.

Im Vergleich zu 2018 ist der Anteil der Befragten, die der Ansicht sind, dass sich Factor Investing auch für Zinsanlagen eignet, von 59 auf 95 Prozent gestiegen. Damit hat sich diese Überzeugung fast komplett durchgesetzt. Die befragten Investoren halten Anleiheanlagen für gut geeignet für faktorbasierte Ansätze – 63 Prozent sind der Ansicht, dass Faktoren hier genauso bedeutend sind wie im Aktienbereich.

„Die Investoren sehen eindeutige Chancen aufgrund der Marktregeln oder -beschränkungen im Anleihebereich“, erklärt Elsässer. „Bestimmte Anlegertypen haben zu einigen Marktbereichen wie Hochzinsanleihen keinen Zugang. Das führt zu einer Segmentierung des Marktes und eröffnet interessante Anlagemöglichkeiten. Der relativ hohe Anteil der Befragten, die entweder bereits faktorbasierte Ansätze im Anleihebereich verfolgen oder dies erwägen, verdeutlicht das Interesse an systematischeren Investmentansätzen für diese Anlageklasse. Nach Ansicht der Investoren kann ein Faktoransatz auch deutlicher machen, inwieweit aktive Anleihemanager in der Lage sind, Mehrerträge zu generieren, und für insgesamt mehr Transparenz am Markt sorgen – so, wie wir es im Aktienbereich bereits gesehen haben.“

Nachhaltiges Factor Investing

Für institutionelle wie auch Wholesale-Investoren ist ESG bereits seit längerem ein zunehmend wichtiges Thema, das sich, wie die letztjährige Invesco-Studie gezeigt hat, häufig parallel zu Faktoransätzen vermehrt durchgesetzt hat. In diesem Jahr erklären 84 beziehungsweise 71 Prozent der befragten institutionellen und Wholesale-Investoren (die allesamt bereits faktorbasierte Ansätze verfolgen), ESG-Richtlinien zu haben; mehr als die Hälfte berücksichtigt bereits ESG-Kriterien in ihrem Faktorportfolio oder erwägt dies zumindest.

Die meisten Investoren zeigen sich überzeugt, dass die ESG-Integration eine positive Wirkung auf Faktorstrategien hat. Rund 64 Prozent der institutionellen Investoren meinen, dass sich beide Ansätze wechselseitig begünstigen und dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien in Faktormodellen eine Steuerung kurzfristiger Verlustrisiken ermöglicht und zugleich Potenzial für langfristig höhere Erträge bietet.

Die institutionellen Investoren erhoffen sich durch eine Kombination beider Ansätze ein besseres Risikomanagement (90 Prozent) sowie potenzielle ESG-bezogene Mehrerträge. Die Wholesale-Investoren legen den Fokus zwar ebenfalls auf die Rendite und das Risikomanagement, verweisen aber auf spezifischere Vorteile aus der Berücksichtigung von ESG wie die Fähigkeit, faktorspezifische Risiken wie das Risiko von „Value Traps“ besser zu steuern.

„ESG- und Faktoransätze werden zunehmend miteinander verknüpft, was einige Investoren, die diese zuvor unabhängig voneinander umgesetzt haben, jedoch vor Herausforderungen zu stellen scheint“, sagt Elsässer. „Das gilt umso mehr, da viele Faktorprodukte keine ESG-Kriterien berücksichtigen und die meisten ESG-Produkte keine Faktorstrategien sind. Daher brauchen wir einen besseren Wissenstransfer zur optimalen Eignung von Faktorstrategien für die ESG-Integration. Faktorstrategien können bei der reibungslosen Umsetzung von ESG-Konzepten helfen und dadurch sogar das Risiko-Ertrags-Profil eines Portfolios verbessern.“

Investoren schätzen Faktor-ETFs

Die Nutzung von Faktor-ETFs hat in den vergangenen zwölf Monaten weiter zugenommen: Die meisten institutionellen Investoren nutzen inzwischen ETFs, die im Schnitt 14 Prozent ihrer Faktorportfolios ausmachen. Im Wholesale-Segment werden ETFs von mehr als zwei Dritteln der Investoren genutzt und machen rund die Hälfte der Faktorportfolios aus. Für Wealth Manager sind ETFs gewöhnlich das Instrument der Wahl, um Faktorengagements umzusetzen: Der durchschnittliche Anteil dieser Produkte an den Faktorallokationen liegt hier bei drei Viertel.

Im Jahr 2020, dem fünften Jahr, in dem wir diese Studie durchgeführt haben, wurden Gespräche mit 238 verschiedenen Pensionsfonds, Versicherern, Staatsinvestoren, Vermögensberatern und -managern sowie Privatbanken weltweit geführt. Das verwaltete Vermögen dieser Investoren beläuft sich auf insgesamt 25,4 Billionen USD (Stand 31. März 2020). Die Interviews wurden im April und Mai 2020 durchgeführt.

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