Alternative Anlagen
16. Februar 2026

Mehr Venture Capital für Klima und Verteidigung

KfW: Geldgeber setzen in Deutschland andere Schwerpunkte. Pitchbook: Bewertungen legen in Europa zu.

Start-ups mit Fokus auf Klimatechnologien und Verteidigung erhalten hierzulande anteilig mehr Geld als in anderen Ländern: Das ergab eine Analyse von KfW Research, basierend auf der Datenbank des Anbieters Dealroom.co.

Trotz des Rückgangs auf 1,3 Milliarden Euro blieb der Anteil an dem in Deutschland verteilten Wagniskapital für Climate-Tech mit 18 Prozent relativ hoch. International gingen nur acht Prozent aller VC-Gelder in dieses Segment. Auch in anderen Sektoren weist der deutsche Markt für Wagniskapital teils deutliche Unterschiede zum weltweiten VC-Geschehen auf. Ebenfalls höher als weltweit war der Kapitalanteil, den VC-Investoren in Deutschland in junge innovative Unternehmen aus dem Bereich Dual Use und Defense einspeisten. Dabei geht es um Start-ups, die auf Produkte mit ziviler und militärischer Anwendung setzen. In Deutschland flossen im vergangenen Jahr 1,16 Milliarden Euro in diesen Bereich, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Verhältnis zu den gesamten Investitionen auf dem deutschen VC-Markt, die insgesamt 7,2 Milliarden Euro betrugen, lag somit bei 16 Prozent – deutlich über dem weltweiten Niveau von vier Prozent.

VC-Investoren gaben in Deutschland zudem mehr Geld als international üblich an Start-ups, die im Bereich Cybersicherheit tätig sind. Acht Prozent der Investitionen hierzulande gingen in dieses Segment, weltweit dagegen fünf Prozent. Der Bereich Cybersicherheit wuchs in Deutschland im vergangenen Jahr um 632 Prozent auf 578 Millionen Euro.

Viel Geld für KI

Besonders dynamisch, aber relativ zum globalen Geschehen unterdurchschnittlich, war in Deutschland im Jahr 2025 der Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Die Investitionen in deutsche KI-Start-ups stiegen um 45 Prozent auf nahezu drei Milliarden Euro. Weltweit war das Wachstum der VC-Investitionen in KI mit 74 Prozent höher. Der Marktanteil der VC-Investitionen in KI lag weltweit bei 47 Prozent, in Deutschland bei ebenfalls hohen 41 Prozent. „Die weit verbreitete Annahme, dass Deutschland im Bereich Künstliche Intelligenz wenig zu bieten hat, stimmt nicht. Es gibt inzwischen viele vielversprechende Start-ups in Deutschland, die in diesem Bereich aktiv sind“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW.

Für das laufende Jahr erwarten die VC-Investoren eine Verschiebung der Prioritäten. Eine Sonderbefragung unter in Deutschland tätigen Venture-Capital-Investoren ergab, dass diese in diesem Jahr die höchsten Wachstumschancen für hiesige Start-ups ansehen, die sich auf die Felder Internet of Things und Robotics fokussieren. Dabei handelt es sich um junge innovative Unternehmen, die beispielsweise vernetzte Geräte und Automatisierungstechnologien entwickeln. Diese Unternehmen zeigten im vergangenen Jahr mit 809 Millionen Euro – nach Rückgängen in den beiden Jahren zuvor – erstmals wieder einen Anstieg im Deal-Volumen (plus 24 Prozent). „Hier kommt zum Ausdruck, dass die Industriekultur in Deutschland nach wie vor ein guter Nährboden für Innovationen in der Produktionstechnik ist“, sagte Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW.

Bewertungen steigen – vor allem im Later Stage

Generell betrachtet, sollten die Bewertungen die Anleger ebenfalls zu neuen Investitionen motivieren. Wie der Datenanbieter Pitchbook berichtet, legten die Bewertungen europäischer Venture-Unternehmen 2025 weiter zu. Allerdings waren die Zuwächse zunehmend ungleichmäßig. Die Preisresilienz konzentrierte sich auf die späte Phase, wo KI-Engagements und die Beteiligung nicht-traditioneller Investoren weiterhin für hohe Bewertungen sorgten, während die Märkte für Unternehmen in frühen Phasen eher verhaltene Fortschritte verzeichneten, so Pitchbook.

KI-Sentiment beeinflusst Bewertungen

Eine gute Nachricht für Bestandsinvestoren ist, dass Down-Runden auf ein fast zyklisches Tief fielen. Dies deute darauf hin, dass ein Großteil des Resets nach 2021 abgeschlossen ist. Jedoch habe sich die Streuung über Sektoren, Regionen und Phasen hinweg erheblich vergrößert. Ebenfalls positiv stimmt, dass die medianen Exit-Größen nun auf einem Allzeithoch liegen. Die anhaltenden Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Märkten sorgen jedoch weiterhin für eine Trägheit der Bewertungen. Im weiteren Jahresverlauf dürften die Bewertungen vor allem von einer kleinen Gruppe kapitalstarker Unternehmen in der Spätphase abhängen und zunehmend empfindlich auf Stimmungsänderungen im Bereich KI reagieren.

Interessant für den deutschen Markt ist zudem, dass in der Pitchbook-Analyse unter den Top 10 Deals in Q4 2025 auch drei deutsche Unternehmen auftauchen: Black Forest Labs, Quantum Systems und N8N.

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