Schwarzer Schwan
18. September 2020

Millionen für eine Schneeflocke

Growth oder Value – das ist hier die Frage!

Kaufpanik bei US-Technologieaktien: Apple, Facebook, Amazon, Alphabet & Co sind begehrt wie Schnaps auf dem Schützenfest. Value-Aktien sind dagegen so unbeliebt wie ein Hautausschlag. Längst kaufen auch Dividendenfonds Tech-Titel und Value-Fondsmanager versuchen sich in rhetorischen Verrenkungen, warum typische Growth-Aktien eigentlich doch irgendwie auch Value sind.

Dies führt zu kuriosen Bewertungen. US-Wachstumsaktien notieren mit dem zehnfachen Kurs/Buchwert, Value-Aktien unter dem Buchwert. Vor kurzem hätte das Auseinanderlaufen der beiden Aktienkategorien ein 50-Jahres-Extrem erreicht, konstatiert der Fondsmanager DJE. Die Marktkapitalisierung der acht größten US-Aktien macht fast die Hälfte des gesamten Nasdaq aus. Im S&P500 kommt der Market Cap der fünf größten Aktien auf fast ein Viertel des gesamten Index. Normal ist das nicht.

Eine Analogie lässt sich zur Champions League ziehen, in der ebenfalls nur ein halbes Dutzend Clubs mit Geld zugeschüttet wird. Anders aber als die meisten dieser Clubs – und anders als die Überflieger der TMT-Bubble vor 20 Jahren – bekommt die Tech- Crème-de-la-Crème nicht nur Geld, sondern verdient auch welches.

Buffett definiert Value neu

Trotzdem scheint der Tech-Hype so langsam ausgereizt. Einmal, weil die Bewertungsdiskrepanz auch daraus resultiert, dass die Sektoren Telekom, Versicherung oder Versorger sehr günstig sind. Zum anderen, weil nun auch der eigentlich wenig Tech-affine Warren Buffett bereit war, 735 Millionen Dollar für Anteile an dem Cloud-Spezialisten Snowflake hinzublättern. Das neue „Value“ wird ja auch „nur“ mit dem 66-fachen Jahresumsatz bewertet. Ein KGV lässt sich mangels Gewinn nicht berechnen. Ein Fuchs wie Warren Buffett ist eigentlich kein Kontraindikator – aber nun müssten wirklich alle in Tech-Aktien investiert sein.

Also rein in die Jahrhundertchance Value? Die Geschehnisse bei Wirecard und nun die Verdächtigungen gegenüber Grenke zeigen, dass man nur in ein Unternehmen investieren sollte, wenn deren Bilanzierung stimmt. Und abgesehen von Wirecard kann man die bisherigen großen Bilanzskandale Enron, Worldcom, Parmalat und Steinhoff zum Value-Lager zählen. Vielleicht ist also nicht Growth, sondern Value überbewertet?

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

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