Andere
30. November 2020

Mit viel Engagement

Für Kirchen spielen Engagements eine wichtige Rolle in der nachhaltigen Kapitalanlage. Interview mit der evangelischen Landeskirche in Braunschweig.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig betreibt, wie andere Landeskirchen auch, Engagements. Damit die kirchlichen Anliegen besser gehört werden, organisieren die Protestanten ihre Dialoge im Arbeitskreis Kirchlicher Investoren. Unter anderem darüber sprach der Leiter der Finanzabteilung, Dr. Jörg Mayer, mit Patrick Eisele.

Mit verschiedenen Rückstellungen, Gemeinden und Stiftungen haben Sie recht verschiedene Anlagezwecke und Ziele?

Wir haben zwei Anlagewelten, nämlich die Drittgelder, für die wir treuhänderisch tätig sind, und unsere eigenen Anlagen. Mit unseren eigenen Geldern investieren wir auch in Aktien, mit den Drittgeldern nicht, beziehungsweise noch nicht. Auf Aktien zu verzichten ist aus meiner Sicht kein Zustand, der weiter lange anhalten kann. Das Problem ist, dass die Kirchengemeinden möglicherweise nur für eine gewisse Zeit das Geld anlegen können und wollen. Dann kann es sein, dass der Einstiegsbetrag deutlich höher als der Ausstiegsbetrag ist. Dann stünden wir unter extrem großem politischen Druck, den Fehlbetrag auszugleichen. Wir können aber nicht die Marktrisiken für die Kirchengemeinden puffern.

Sie sind bei den Engagements bei Banken und Automotives dabei. Wo läuft es besser?

Bei den Banken sind wir bereits in den Folgegesprächen und Fortschritte sind erkennbar. Aber wir sind neben sehr positiven auch mit einigen frustrierenden Erfahrungen gestartet. Jetzt bekommen wir immer mehr Antworten. Für die weiteren Folgegespräche bin ich sehr zuversichtlich. Bei den Autoherstellern und -zulieferern starten wir gerade in die zweite Gesprächsrunde. Wir sprechen mit den Herstellern Daimler, BMW und Volkswagen und den Zulieferern Continental und BASF über ökologische und menschenrechtliche Risiken in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie am Beispiel von Lithium, Platin und Kautschuk. Hier können wir auf die hervorragende Expertise von Brot für die Welt und dem Institut Südwind zurückgreifen. Beim zweiten Gespräch mit einem der Hersteller sitzen auch die Einkaufsabteilungen für die Rohstoffe mit am Tisch und wir können also unsere Anliegen direkt dort anbringen, wo die entsprechenden Entscheidungen im Unternehmen fallen. Was schon erkennbar ist, ist, dass die Unternehmenskulturen innerhalb dieses Sektors sehr unterschiedlich sind. Die Nachhaltigkeitsexperten in diesem Sektor reagieren auf unser Engagement durchweg positiv, da wir ähnliche Interessen haben: Wir wollen ökologische und menschenrechtliche Anliegen positionieren, die Nachhaltigkeitsexperten wollen dies nach innen gegen Widerstände in ihren Unternehmen durchsetzen und nach außen die Reputationsrisiken minimieren: Das kann durchaus eine „win-win“-Situation sein. Da wir als Anleger auftreten, sind zusätzlich auch die Investor-Relations-Abteilungen beteiligt, so dass unsere Themen auch über diesen Kanal ins Unternehmen gelangen.

Haben sich die Engagements auch schon auf Anlageentscheidungen ausgewirkt?

Ja. Wir als Landeskirche in Braunschweig haben uns zum Beispiel dafür entschieden, nicht in Wertpapiere einer bestimmten Bank zu investieren. Diese hat uns und unsere Anliegen nicht ernst genommen. Mit denen möchte ich nicht zusammenarbeiten. Bei einer anderen Bank kam es zu einem Divestment. Auf Grund der Engagement-Erfahrungen mit diesem Haus könnte ich mir heute aber einen Wiedereinstieg vorstellen.

Sind denn für Sie als Finanzdezernent einer Kirche auch Gleichnisse eine Inspiration und erinnert Sie vielleicht diese Bank an das Gleichnis von der verlorenen Drachme? Diese wird nach langer Suche wiedergefunden und die Freude der Finderin wird mit der Freude der Engel über einen umgekehrten Sünder verglichen.

Als Schwabe spricht mich dieses Gleichnis natürlich besonders an (lacht). Es gibt Gleichnisse, die mich als Finanzdezernenten und als Mensch beschäftigen. Dazu gehört zum Beispiel auch das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Für manche ist Geld und Mammon eins. Dieses Gleichnis lehrt aber, dass Geld nichts Verwerfliches ist und dass man mit vom Herrn anvertrauten Geld etwas zu machen hat. Schließlich müssen wir sicherstellen, dass die Verkündigung des Evangeliums funktioniert – und zwar über Generationen und Jahrhunderte hinweg.

Das komplette Interview lesen Sie in der November-Ausgabe von portfolio institutionell.

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