Versicherungen
27. April 2021

Mit viel Substanz

Sachwerte spielen eine große Rolle in der Kapitalanlage der Stuttgarter. Interview mit CFO Guido Bader.

Die Stuttgarter ist nicht der größte ­Lebensversicherer. Hilft Ihnen das Proportionalitätsprinzip von Solvency II?

Beim Proportionalitätsprinzip geht es nicht um die Unternehmensgröße, sondern um die Risiko-Proportionalität. Eine Stuttgarter hat strukturell ähnliche Passivbestände und Aktivbestände wie zum Beispiel eine ­Allianz Leben. Wir haben die gleichen Garantiezinsgenerationen und ähnliche Kapitalanlagen. Somit unterscheidet sich die Risikoausgestaltung auch nicht sehr – wohl aber die Unternehmensgröße. Wir ­haben also die gleichen Solvency-Anforderungen, ­weshalb wir regulatorisch einiges zu ­stemmen haben. Das ist schlussendlich auch eine Kostenfrage.

Das Größen-Proportionalitätsprinzip können wir nicht in Anspruch nehmen. ­Zusammen mit unserem Sachversicherer und der Direkte Leben kommen wir auf knapp acht Milliarden Euro eigene Assets nach Marktwerten. Dazu kommt noch eine Milliarde Euro fondsgebundenes Geschäft. Damit sind wir größenmäßig in der oberen Hälfte der deutschen Versicherungen.

Bezüglich den Sachwerten könnte Solvency II hilfreicher sein, nehme ich an?

Eine meiner Änderungen ist ja, wie ­erwähnt, Solvency II bei der Neuanlage ­stärker im Fokus zu haben. Wir achten zum Beispiel auf Solvenz-optimierte Infrastruktur-Alternatives, wollen also vom ­Anbieter die Bestätigung, dass es sich um Qualified Infrastructure handelt, so dass unsere ­Eigenkapitalunterlegung geringer ausfällt.

Trotzdem leisten wir uns auch ein Prozent Private Equity. Das ist das teuerste, was ­Solvency II zu bieten hat. Aber als kleine, vorsichtige Beimischung gehört für uns ­Private Equity dazu. Diese leisten wir uns übrigens schon seit über 20 Jahren und ­daran halten wir auch fest. Ein Stück weit muss das Eigenkapital ja auch unter ­Risiko ­gesetzt werden – und wenn Private Equity normal läuft, dann ist dies auch die Asset-Klasse, die die höchsten Gewinne ­erzielt.

Was wir derzeit ausbauen ist Infrastruktur. In dieser Asset-Klasse halten wir bereits zwei Prozent. Wir haben etliche Fonds ­gezeichnet, die noch in der Aufbauphase sind. Die Erneuerbaren Energien in diesem Segment helfen uns auch, unseren CO₂-Fußabdruck zu verbessern.

Direkt oder indirekt? Das ist bei der Stuttgarter auch bei Aktien die Frage.

Unser Aktiendirektbestand beläuft sich auf etwa zwei Prozent der gesamten Assets. ­Unsere gesamte, reine Aktienquote liegt bei etwa sieben bis acht Prozent. Ausbaupläne haben wir derzeit keine, außer wenn wider Erwarten das Zinsniveau doch deutlich ­steigen und unsere Solvenzquote durch die Decke gehen sollte.

Direkt sind wir überwiegend in Titeln aus Deutschland und Kerneuropa investiert. Teilweise sind es Werte, die wir schon vor vielen Jahren gekauft haben und die nun hohe stille Reserven aufweisen. Grundsätzlich haben wir im Direktbestand eher Value-Werte, weshalb dieser in den vergangenen Jahren etwas schlechter als die indirekten Aktien lief. Für Regionen außerhalb ­Europas oder auch für Small Caps ­sowie Emerging Markets vergeben wir ­Mandate. Die Abwägung, ob direkt oder ­indirekt ­entscheidet sich immer daran, ob wir mit der Region oder einem Sektor vertraut sind. In Asien ist das zum Beispiel nicht der Fall. Die paar Basispunkte, die man als institu­tioneller Investor an professionelle ­Manager bezahlt, sind gut angelegt.

Ob nun direkt oder indirekt: Wir wollen ­Alpha erwirtschaften, praktizieren also ein aktives Management.

Im Direktbestand würde ich Unternehmen wie Siemens oder BASF vermuten, verbürgt sind aber Aktien der Umweltbank AG.

Die Umweltbank ist ein Vertriebspartner, der unter anderem für Die Stuttgarter ­unsere nachhaltige Produktlinie Grüne Rente vermittelt. Im Zuge dieser Partnerschaft kamen wir mal ins Gespräch, ob wir uns nicht an einer Kapitalerhöhung ­beteiligen. Da die Umweltbank schöne Wachstumsraten aufweist und gut in unser Nachhaltigkeitskonzept passt, hat der Vorstand aus strategischen Überlegungen ­beschlossen, etwas mehr als ein Prozent der Anteile der Umweltbank zu zeichnen. ­Dieses Engagement entpuppte sich dann als eine unserer besten Investitionen.

In sechs Monaten macht der Vorstand 50 Prozent … und ihre Aktienmanager wären auf diese Idee nicht gekommen?

Vielleicht hätten unsere internen Manager für dieses Geld noch eine viel lukrativere Idee gehabt. Wer weiß?

Suchen Sie für das Fixed-Income-Portfolio in der aktuellen Lage eher ­Durations- oder Kreditrisiken?

Mit den eingegangenen Kreditrisiken ­fühlen wir uns momentan einigermaßen ­sicher. Unser Credit-Portfolio ist auch sehr breit diversifiziert und die durchschnittliche Bonität mit A- bis A recht hoch. Im ALM-Portfolio, also im Durationsportfolio, sind die Sicherheiten natürlich noch deutlich ­höher. Da kaufen wir vornehmlich AAA- und AA-Papiere.

Da schlagen dann zwei Herzen in einer Brust: einerseits befürchtet der Asset Manager, dass sich das Zinsrisiko materialisiert und die Anleihe – womöglich über Jahrzehnte – in der stillen Last ist. ­Andererseits freut sich der Aktuar in mir, da meine ­Passivseite ja noch länger als die ­Aktivseite ist und so die Bewertung nach Solvency II viel stabiler wird.

Aber dieser Zwiespalt ist beherrschbar. Die Volatilität sorgt natürlich für etwas ­Ner­vosität. Grundsätzlich bin ich bezüglich des Zinsniveaus aber entspannt. Wir haben ­gelernt, auch mit sehr niedrigen Zinsen umzugehen.

Die Deutsche Aktuarvereinigung – deren Vorsitzender Sie sind – empfahl Ende des vergangenen Jahres, den Höchstrechnungszins auf 0,25 Prozent abzusenken. Was sagt denn dazu im Vorstand der Stuttgarter Ihr Vertriebskollege?

Die Stuttgarter hat in 2021 ganz neue Tarife eingeführt, die mit Garantiezinsen deutlich unterhalb von 0,9 Prozent, dem aktuellen Höchstrechnungszins, arbeiten. Das trägt mein Vertriebskollege zu 100 Prozent mit. Von diesen Produkten hat der Kunde im ­jetzigen Umfeld mehr. Die alte Klassik ist eigentlich nur noch bei kurzen Anspar­phasen gefragt.

Reduzierte Garantien helfen auch unseren Beständen, weil sie es uns ermöglichen, weiterhin eine ordentliche Substanzwertquote zu fahren. Die 20 Prozent wollen wir beibehalten.

 

Das komplette Interview mit Dr. Guido Bader lesen Sie in der April-Ausgabe von portfolio institutionell

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