Traditionelle Anlagen
21. Juni 2021

Mittelständler begrüßen neue ESG-Berichtspflichten

Umfrage unter Firmen ab 250 Mitarbeitern. Drei Viertel sehen Ausweitung durch CSRD positiv.

Mit ihrer im April vorgestellten Corporate Sustainablity Reporting Directive (CSRD) plant die EU-Kommission eine Überarbeitung der aktuellen Non-Financial Disclosure Regulation und ihrer ESG-Berichtspflichten. Unter anderem soll diese in Zukunft auch für Unternehmen gelten, die ab 250 Mitarbeiter haben. Der Bankenverband und u.a. die Bertelmann-Stiftung haben nun in einer Umfrage unter deutschen Mittelständlern und börsennotierten Unternehmen untersucht, wie sich die Unternehmen auf die geplante EU-Gesetzgebung zur nichtfinanziellen Berichterstattung (CSRD) vorbereiten. Für die repräsentative Forsa-Umfrage „ESG-Herausforderungen für Großunternehmen in Deutschland“ wurden 104  mittelständische und 32  börsennotierte Unternehmen zwischen dem 5. Mai und 4  Juni 2021 befragt. Die Umfrage entstand im Auftrag des internationalen Wirtschaftsforschungsinstituts OMFIF (Official Monetary and Financial Forum) in Kooperation mit dem Bankenverband, dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee, der Bertelsmann Stiftung, The New Institute sowie weiteren Organisationen und wurde am vergangenen Donnerstag in Berlin vorgestellt.

Zum Teil wenig informiert

Eine der größten Überraschungen der Umfrage: Drei Viertel der befragten mittelständischen Unternehmen begrüßen, dass die EU die nicht-finanziellen Berichterstattung auch auf ihre Unternehmen ausweiten will. Allerdings hatte erst die Hälfte der mittelständischen Unternehmen davon bereits gehört. „Soweit es um Nachhaltigkeit geht, gibt der Mittelstand Brüssel derzeit also Vorschusslorbeeren für Regelungen zu mehr Transparenz“, sagt Janine von Wolfersdorff, Leiterin der Studie und Mitglied des OMFIF-Zentralbeirats. „Die Politik sollte sich jetzt allerdings keineswegs zurücklehnen, sondern gerade den Mittelstand jetzt in der Transformation fördern und unterstützen, auch das ist eine klar geäußerte Forderung der befragten Unternehmen.“

34 Prozent sehen in CSRD wichtigste Herausforderung

Betrachtet man die Ergebnisse der Umfrage unter den börsennotierten Unternehmen, so zeigt sich, dass trotz der Nachwehen der Corona-Pandemie 34 Prozent der börsennotierte Unternehmen bereits heute die Erfüllung der neuen Nachhaltigkeits-Berichtspflichten als wichtigste anstehende Herausforderung sehen; erst dann kommt die Bewältigung der Corona-Krise und deren Folgen (31 Prozent).

Erstmals konnten mit der Umfrage auch Anhaltspunkte zu den Taxonomie-Quoten unter deutschen börsennotierten Unternehmen abgefragt werden. Unternehmen müssen im Rahmen der Taxonomie-Verordung erstmalig ab 2022 für das Berichtsjahr 2021 berichten. Knapp die Hälfte der Unternehmen, die Quoten genannt haben, schätzt derzeit den Anteil ihrer Umsatzerlöse wie auch für Investitionen in taxonomie-konforme Aktivitäten bereits auf bis zu zehn Prozent, immerhin rund fünf Prozent sogar auf bis zu 50 Prozent. Mit großer Mehrheit gehen die börsennotierten Unternehmen in den nächsten fünf Jahren zudem von einer Steigerung dieser Taxonomie-Quoten bei Umsatzerlösen und Investitionsausgaben aus (88 Prozent bzw. 78 Prozent).

Unternehmen erhoffen sich auch Vorteile durch EU-Klimapolitik

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Drei Viertel der Befragten erwarten mindestens gleichermaßen Vor- wie Nachteile für ihr Unternehmen durch die Brüsseler Klimaschutzpolitik. Die Hälfte der Mittelständler geht sogar davon aus, dass sie ihrem Unternehmen unterm Strich nutzen wird. Die Ergebnisse sind laut Bankenverband auch deswegen bemerkenswert, weil für mittelständische Unternehmen die Corona-Krise und die damit verbundenen Folgen derzeit weiterhin noch die mit Abstand wichtigste Herausforderung für die kommenden zwölf Monate darstellen (45 Prozent), gefolgt von Herausforderungen nachhaltigen Wirtschaftens (29 Prozent). Etwas skeptischer blicken die börsennotierten Unternehmen auf die Brüsseler Klimaschutzpolitik: Knapp 60 Prozent erwarten wirtschaftlich mindestens gleichermaßen Vor- wie Nachteile infolge des EU-Green Deals; immerhin ein Drittel erwartet eher Vorteile.

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