MRH Trowe präsentiert sein Pensions-Sextett
„Vollsortimenter Made in Germany“. Sprecher Norman Dreger im Gespräch mit portfolio institutionell.
Auf dem Pensions-Markt ist viel in Bewegung – und zwar nicht nur auf Seiten der Corporates in Sachen bAV. Viel hat sich in den vergangenen Monaten auch auf der Anbieterseite getan. „Wir sind organisch und anorganisch gewachsen“, sagt Norman Dreger, Sprecher der Geschäftsführung der MRH Trowe Benefits, Pensions & Compensation GmbH, im Redaktionsgespräch mit portfolio institutionell.
Im vergangenen Jahr dürfte das Wachstum deutlich anorganisch gewesen sein. Im März 2025 gaben MRH Trowe & Lurse und die Heubeck AG ihre Fusion bekannt, um ihr Expertenwissen zu bündeln. „Die Dienstleistungen sind komplex und es braucht interdisziplinäre Teams“, begründet Dreger dem Zusammenschluss mit den Aktuar-Experten von Heubeck.
Der Zusammenschluss war eine wesentliche Voraussetzung für MRH Trowe für den heutigen Auftritt als Vollsortimenter im deutschen Benefits-Markt, der Pensions-, Benefits- und Compensation-Beratung ganzheitlich denkt. Das Leistungsspektrum umfasse nun alle relevanten Disziplinen in der Benefits-Wertschöpfungskette und reiche von Pensions-Consulting und Aktuariat über bAV und Benefits-Administration bis hin zu Human-Resources- und Vergütungsberatung. „Wir haben die einzigartige Möglichkeit, Pensions-, Benefits- und Compensation-Beratung wirklich ganzheitlich zu denken. Das ist unter den deutschen Anbietern ein Alleinstellungsmerkmal und gleichzeitig der Mehrwert, den unsere Kunden in einer immer komplexer werdenden HR-Landschaft brauchen“, erklärt Norman Dreger.
M&As prägen bAV
Der Pensions-Markt war schon immer durch Übernahmen und Fusionen geprägt. Vor über 20 Jahren übernahm Towers Perrin die Reutlinger Rauser AG, damals einer der führenden bAV-Berater. Towers Perrin wiederum schloss sich mit Watson Wyatt zu Towers Watson zusammen. Gemeinsam mit Willis bildete man 2016 Willis Towers Watson (WTW).
Unter Marsh McLennan firmieren mittlerweile neben Marsh auch Guy Carpenter, Mercer und Oliver Wyman. Seit diesem Jahr tritt man einheitlich unter Marsh auf.
Im Oktober 2025 erläuterte John Doyle, Präsident und CEO von Marsh McLennan, diesen Schritt mit dem „Alles-aus-einer-Hand-Ansatz“: „In einem zunehmend komplexen Umfeld suchen die Kunden nach Beratung, Lösungen und Erkenntnissen, die sich auf die Expertise unseres gesamten Unternehmens stützen.“
Man habe den Anspruch, um die Kunden zu unterstützen, das Unternehmen noch enger zu integrieren. Das betrifft aktuell auch die Private-Markets-Spezialisten von Altamar CAM, die von Mercer gekauft wurden. Ein anderer Übernahmeplan hat jedoch anscheinend zu gut in den Vollsortimenter-Trend gepasst: Der schon beschlossenen Akquisition von WTW durch Aon schob der Regulierer in den USA wegen Bedenken vor einer zu großen Marktkonzentration Mitte 2021 einen Riegel vor.
Im Organigramm von MRH Trowe – das selbst neben Heubeck in den vergangenen Jahren noch viele Versicherungsmakler und Spezialdienstleister übernommen hat – ist die Neuaufstellung durch ein sechsköpfiges Expertenteam personifiziert, das gemeinsam die Geschäftsleitung der Zwischenholding bildet. Namentlich handelt es sich um Susanna Adelhardt, Norman Dreger selbst, Maximilian Evers, Carsten Ganz, Rainald Meyer und Frank Zagermann. Sie bringen in der Holding ihr Fachwissen in den Bereichen Aktuariat, bAV, Compensation, Administration, Internationale Beratung und strategische HR-Beratung zusammen.
Der Zusammenschluss hilft, um in einer Liga mit den anderen Vollsortimentern WTW, Aon und Mercer mitzuspielen. Von diesen grenze sich MRH Trowe in zwei Punkten ab: „Im Unterschied zu diesen, sind wir der einzige Top-Player ‚Made in Germany‘“, erklärt Dreger. Der Benefit-Experte selbst ist übrigens gebürtiger Kanadier, arbeitet allerdings seit 2001 in Deutschland und kam im Februar 2024 zu Lurse.
Zuvor war Dräger für Mercer tätig. Aus diesen Jahren ist ihm auch noch ein weiterer Unterschied zu den anderen Vollsortimentern bewusst: MRH Trowe berät zwar zu SAA- und ALM-Fragen, hat jedoch kein eigenes Kapitalanlageprodukt wie beispielsweise eine OCIO-Lösung. „Unsere Kunden schätzen unsere Unabhängigkeit in der Asset-Anlage. So können wir für die unterschiedlichen Anforderungen und Ziele verschiedene Lösungen anbieten“, sagt Dreger.
Ein Produkt findet sich aber auch beim Vollsortimenter mit deutschen Wurzeln. Für Mittelständler bietet man seit etwa einem Jahr mit Allianz Global Investors eine digitale „Plug-In Pension“ für die fondsgebundene Direktzusage an.
Wo Unternehmen der bAV-Schuh drückt
Gefragt nach den aktuellen Themen in der bAV-Welt nennt Norman Dreger zuvorderst die Beratung zur Umsetzung des Entgelttransparenzgesetzes. Diese verpflichtet größere Unternehmen zum Nachweis, dass die Beschäftigten fair bezahlt werden, und zwar insbesondere, dass Frauen für die gleiche Arbeit nicht weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen bekommen.
Weiter nennt Dreger die „Rentnergesellschaften und generell die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen“. Drittens – obwohl eigentlich dritte Säule – Riester II. „Eventuell kann eine Kombination von zweiter und dritter Säule zielführend sein und Arbeitgeber können hierfür den passenden Rahmen geben. Auf jeden Fall macht eine ganzheitliche Beratung Sinn“, so Dreger. Schließlich basiere eine sinnvolle Altersvorsorge auf mehreren Säulen.
Die Bündelung von Kompetenzen in einem Haus dürfte nicht zuletzt für den deutschen Markt der richtige Weg sein. Ein Komplexitätsabbau ist in Deutschland gerade in der bAV nicht zu erwarten. Dreger ist sich sicher, dass es auch künftig in Deutschland fünf Durchführungswege geben wird. „In Deutschland kommt nie was weg, sondern immer nur noch etwas on-top oder etwas wie das Sozialpartnermodell oder Langzeitkonten dazwischen.“
Der Unterschied zwischen Kapitalmarkt und Casino
Trotz der Vielzahl an Versicherungslösungen ist in der Altersvorsorge ein klarer Trend hin zum Kapitalmarkt zu erkennen. Vorbehalte, dass Altersvorsorge Sicherheit brauche und nicht ins Casino gehöre, teilt Dreger ausdrücklich nicht. „Der große Unterschied ist, dass man im Casino auf Dauer verliert und im Kapitalmarkt auf Dauer gewinnt.“ Damit hat Dreger aber auch ein Umsetzungsproblem für das Sozialpartnermodell adressiert: Den Arbeitnehmervertretern ist bewusst, dass Gewerkschaftswahlen kurzfristiger anstehen als der Kapitalmarkt braucht, um langfristig hohe Renditen zu generieren.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Betriebliche Altersversorgung (bAV) | Rentensystem
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