Versicherungen
30. Mai 2017

Munich Re passt Zinsmodellierung an neue Realität an

In der Vergangenheit hat wohl niemand damit gerechnet, dass es an den Kapitalmärkten negative Zinsen geben könnte. Die Realität hat unter anderem die Versicherungsunternehmen eingeholt.

Als Versicherungsunternehmen unterliegt der größte deutsche Rückversicherer, die Munich Re, der europäischen Solvency-II-Richtlinie. Diese stellt Anforderungen an die Höhe der Eigenmittel eines Versicherers, die entweder mit einer sogenannten Standardformel oder einem internen Modell berechnet werden. Wie der Asset Manager von Munich Re und deren Versicherungstochter Ergo, die Meag, in einer Publikation erläutert, verwendet Munich Re seit 1. Januar ein von den Aufsichtsbehörden zertifiziertes internes Modell. Die Ergebnisse hätten über die Zielgröße RoRaC (Return on Risk adjusted Capital) Einfluss auf die Steuerung der Kapitalanlagen. Das betrifft zum Beispiel das Asset Liability Management und das sogenannte Mandatemanagement. 
Den größten Beitrag zum Gesamtrisiko von Munich Re liefert das Marktrisiko, das den Asset Liability Mismatch beziffert, erläutert die Meag. Um dem Risiko auf den Grund zu gehen, werden bei dem Versicherer mögliche Kapitalmarktentwicklungen simuliert. Das betrifft beispielsweise die Rückgänge von Aktienindexständen oder ungünstige Zinsentwicklungen. Zur Prognose möglicher Kapitalmarktstände verwendet man in München stochastische Modelle, die die spezifischen Eigenschaften der unterschiedlichen Kapitalmärkte berücksichtigen. Die Vorläufer der Modelle basieren auf einem konzernweiten Projekt, das im Jahr 2007 – und damit lange vor der Scharfschaltung von Solvency II zum 1. Januar 2016 – initiiert wurde. 
Seit der Einführung des daraus im Jahr 2009 hervorgegangenen Marktrisikomodells haben sich die Kapitalmärkte jedoch fundamental gewandelt. Folgte man in der Anfangszeit der Modellierung noch der Annahme, dass Zinsen per se positiv sind, stellten negative Zinsen inzwischen kein vernachlässigbares oder kurzfristiges Phänomen mehr dar. Der Asset Manager von Munich Re und Ergo stellte die nicht mehr zeitgemäße Zinsmodellierung auf den Prüfstand. Eingebunden in das dafür ins Leben gerufene Projekt waren Experten aus allen relevanten Bereichen der Munich-Re-Gruppe. 
Das Projektteam habe vor der Herausforderung gestanden, eine alternative Modellierung für Zinsen zu etablieren. Blaupausen gab es nicht. Denn damals hatte global noch keine andere Versicherungsgruppe Überlegungen hinsichtlich der Zinsmodellierung unter den neuen Bedingungen umgesetzt, berichtet die Meag rückblickend. Deshalb hatte sich auch noch kein Standard herausgebildet. Und die Güte einer Alternativmodellierung sei nur schwer zu beurteilen gewesen. 
Validierung und Weiterentwicklung des Risikomodells 
Auf dem Tisch lag zunächst die Option, die Modellierung anhand absoluter statt relativer Zinsänderungen vorzunehmen, um die negativen Zinsen abbilden zu können. Die Idee wurde jedoch fallen gelassen – zugunsten einer Prüfung der Verallgemeinerung der bereits bestehenden Modellierung. Vereinfacht gesagt wurde der Definitionsbereich des Modells auf negative Zinsen erweitert, während die gemeinsam gestellten Anforderungen an das Modell „weitgehend“ erfüllt werden konnten. Es folgten Auswirkungsstudien und Testrechnungen.
Die inzwischen modifizierte Modellrechnung besitzt laut Meag eine höhere Stabilität und Erklärbarkeit. Sowohl in Niedrig- und Negativzinsphasen als auch bei einem Zinsanstieg produziere das erweiterte Marktrisikomodell „angemessen plausible Ergebnisse“. 
Munich Re sieht sich als eines der ersten Versicherungsunternehmen in der Lage, global negative Zinsen in der internen Risikomodellierung abzubilden. Und mit Blick auf die Zukunft hält man in München weitere „Strukturbrüche in der Entwicklung der Kapitalmärkte“ für möglich. 
portfolio institutionell newsflash 30.05.2017/Tobias Bürger
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