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19. Mai 2026

Nach außen verlagert

Die Kapitalanlage institutioneller Investoren wird komplexer und teurer. Die Investmentfunktion ganz oder teilweise an einen externen Dienstleister auszulagern, kann da Sinn machen. Das Modell des Outsourced Chief Investment Officer nimmt auch in Deutschland an Bedeutung zu.

Es gibt für Investoren sicher viele Gründe, über die externe Vergabe einzelner Module oder gleich des gesamten Portfoliomanagements nachzudenken. Komplexe Anforderungen, steigende Kosten und Risikoüberlegungen sind nur ein paar davon. Die Auslagerung der Anlage-Funktion an einen OCIO („Outsourced CIO“) ist in angelsächsischen Ländern etabliert, in Deutschland nimmt das Modell zunehmend Fahrt auf. Der Pension Buyout kommt als zusätzlicher Treiber hinzu.

Gutes Geschäft wittern auch die Anbieter: Immer mehr Asset Manager, Consultants und spezialisierte Anbieter stellen entsprechende Dienstleistungen ins Schaufenster. Angesichts einer Vielfalt an Anbietern und Möglichkeiten gilt es, den Überblick zu bewahren und die eigenen Ziele klar zu definieren.

Für Andreas Weigl, Geschäftsführer bei Faros Consulting, geht es beim OCIO um die Auslagerung der effektiven Portfolioentscheidungen. Die Realität ist oft anders: „In der Praxis sehen wir im Zusammenhang mit einem OCIO-Mandat neben der Übernahme von Investmententscheidungen auch die Auslagerung von administrativen Tätigkeiten und Reporting-Dienstleistungen.“ Die Bandbreite reicht vom Beratungsmandat und dem Management einzelner Asset-Klassen bis zur vollständigen Auslagerung, zu der oft auch administrative Zuständigkeiten und das Risikomanagement zählen. „Wir bewegen uns in einem breiten Spektrum“, sagt Weigl. Viele dieser Strukturen laufen nicht unter OCIO, sondern unter Fiduciary Management oder Investment Solutions. Potenziell infrage kommt das für unterschiedlichste Asset Owner: Der OCIO kann etwa für vermögende Familien die Alternative zum Family Office sein. Oder für Stiftungen tätig werden, von denen viele bereits umfassend externe CIO-Dienstleistungen in der Kapitalanlage nutzen.

Und gerade auf der Pension-Seite kommt der Markt in Bewegung. So vermeldeten vergangenes Jahr die Privatbank Berenberg und der bAV-Lösungsanbieter Lurse ein gemeinsames OCIO-Mandat eines deutschen Konzerns in Form eines CTA in dreistelliger Millionenhöhe. Im September 2025 übernahm Funding Solutions Deutschland (FSD) die Pensionsverpflichtungen der Wintershall Dea. Mit dem Anlagemanagement in Form eines CDI-Mandats wiederum beauftragte FSD einen externen Asset Manager. Und vor wenigen Monaten mandatierte das Altersversorgungswerk der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt den Consultant Faros mit der umfassenden Betreuung der Kapitalanlage.

Gründe für den Wechsel

Neben der umfassenden Auslagerung der CIO-Funktion geht es oft auch um eine Teilauslagerung, bei der etwa die Steuerung der Alternatives-Allokation komplett an einen externen Dienstleister übertragen wird. Für ein OCIO-Modell sprechen unterschiedliche Gründe: darunter die steigende Komplexität der Portfolios, knappe eigene Ressourcen und Fachkräftemangel sowie der explodierende finanzielle Aufwand für Daten, Systeme und Technologie. „Die Kosten für Datenbeschaffung und die Pflege eines Risiko-Dashboards steigen jährlich zweistellig“, so Richard Nuzum, Leiter OCIO bei Franklin Templeton. Das Kürzungspotenzial eines solchen Zugs beim eigenen Team wird zwar kaum erwähnt, spielt aber in der Praxis angesichts des allgemeinen Kostendrucks sicher auch eine Rolle. Und auch die verschiedenen medienwirksamen Vorfälle der jüngeren Vergangenheit haben sicher mit dazu geführt, dass sich manch ein Anleger fragt, ob er wirklich die nötigen Ressourcen für komplexes Anlage- und Risikomanagement im eigenen Haus hat. Auch Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director Investments bei WTW Deutschland, beobachtet gerade bei Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland einen klaren Trend hin zu eher ganzheitlichen Outsourcing-Lösungen: „Unternehmen fokussieren sich verstärkt auf ihre Kernkompetenzen und vermeiden es, umfangreiche interne Ressourcen für regulatorische und fachliche Spezialthemen vorzuhalten.“

Eine Rolle spielt auch das „Key Person“-Risiko: „Wenn beim Anleger eine Person geht, geht auch das Wissen mit“, erklärt Thorsten Wellein, CIO bei Faros Fiduciary Management. „Das lässt sich mit der Auslagerung vermeiden. Da kaufen sich Investoren das Wissen der Institution ein, haben eine dauerhafte, hohe Kompetenz in dem Bereich und sind nicht mehr personenabhängig.“ Zur stärkeren Popularität des OCIO trägt gerade auf der Pension-Seite sicher auch das Zinsumfeld bei, da aufgrund der höheren Ausfinanzierungsgrade immer mehr Firmen darüber nachdenken, sich ihrer Pensionsverbindlichkeiten über einen Pension Buyout zu entledigen, der natürlich auch die CIO-Funktion betrifft. „Pension-Buyouts sind ein klassisches OCIO-Thema“, sagt Faros-CIO Wellein.

Auch die Anbieterlandschaft ist in Bewegung: Traditionell waren Asset Manager innerhalb der OCIO-Wertschöpfungskette vor allem für die Einzeltitelauswahl innerhalb definierter Mandate und Asset-Klassen und teils auch für die dynamische Multi-Asset-Allokation verantwortlich. Doch gerade internationale Asset Manager bieten immer umfassendere Services im OCIO- und Auslagerungsspektrum an. Auf der anderen Seite haben auch große Consultants ihre Kapazitäten in der praktischen Durchführung der Asset-Allokation und des Portfoliomanagements erweitert. Folge: Die Schnittmenge, innerhalb der die verschiedenen Anbieter konkurrieren, wird größer. Das zeigt der Vergleich der weltweit größten OCIO-Manager: Mit Cambridge Associates, Mercer, Goldman Sachs, Blackrock, Aon und WTW finden sich hier genauso klassische Asset Manager wie auch Consultants.

Bei der Mandatierung eines Asset Managers als umfassendem OCIO stellt sich natürlich die Frage nach den Eigenprodukten und der Art der Rückvergütung. „Das ist sicherlich ein Thema, das man beim Aufsetzen des Mandats genau prüfen muss“, sagt Weigl: Am Ende müsste ein Asset Owner immer die Kosten in der Gesamtschau betrachten, so der Faros-Geschäftsführer. Dazu kommt: Kaum ein Asset Manager hat dieselbe Kompetenz in allen Anlageklassen. Für Weigl ist dann wichtig: „Wie stellt der Partner sicher, dass seine eigenen Produkte wettbewerbsfähig sind, und wo setzt er gegebenenfalls Fremdprodukte ein?“ Und da kommt auch die Selektion ins Spiel. Gerade hier könne sich ein Asset Manager potenziell schwerer tun: „Es stellt sich immer die Frage, inwiefern andere Asset Manager bereit sind, gegenüber einem Wettbewerber in seiner Funktion als Fiduciary Manager ihren kompletten Prozess offenzulegen.“

Das vertikal integrierte OCIO-Modell, bei dem zumindest ein Teil der Mittel in eigene Investmentstrategien des Asset Managers als OCIO investiert wird, gewinnt laut Franklin-Templeton-Experte Nuzum an Bedeutung. Er betont aber auch die potenziellen Vorteile dieses Vorgehens. Etwa die höhere Agilität in Krisensituationen. Umsetzungen von Portfolioanpassungen seien innerhalb von Tagen oder Stunden statt Wochen möglich. Dazu komme die klare Performanceverantwortung: „OCIOs werden an der risikoadjustierten Outperformance nach Gebühren gemessen“, so Nuzum. Das wirke Interessenkonflikten entgegen und schaffe einen starken Anreiz, die besten verfügbaren Investmentfähigkeiten zu nutzen – unabhängig davon, ob sie intern oder extern bereitgestellt werden. Mit externen Asset Managern arbeitet auch Funding Solutions Deutschland etwa bei Pension Buyouts zusammen. „Für uns ist die Kapitalanlage über OCIO-Mandate ein wichtiger Bestandteil der Governance“, erklärt Roland Wiesmann, Director Pension & Investment Solutions bei FSD. Im Zentrum der gesuchten Asset-Management-Kapazitäten stehe dabei aber weniger ​die Erreichung absoluter Performanceziele, sondern ein robustes und verlässliches CDI-Management.

Für Schmidt-Narischkin von WTW Deutschland ist die Komplexität des Mandats der entscheidende Bestimmungsfaktor bei den Kosten. Erst danach kommen volumenabhängige Überlegungen ins Spiel. In der Regel arbeite man je nach Mandatsgröße mit einer Mindestgebühr, in wenigen Fällen auch auf Festpreisbasis. Franklin-Templeton-Experte Nuzum sieht zwei gängige Modelle: Entweder eine Basisgebühr für das OCIO-Mandat zuzüglich der direkt zurechenbaren Kosten des Asset Managements oder eine Gesamtgebühr einschließlich der Investmentkosten.

Der Umsetzungsaufwand richtet sich nach Umfang und Ausgangsbedingungen. Am Anfang steht grundsätzlich die Analyse der Asset-Verbindlichkeiten und der Anlageziele. Schmidt-Narischkin sagt: „Im ersten Schritt werden Governance-Strukturen und Anlageziele präzisiert. Darauf aufbauend die strategische Ausrichtung und Eckpunkte der operativen Umsetzung definiert. Erst dann, in der Implementierungsphase, wird die Kapitalanlage in die angestrebte Zielallokation überführt.“ Betrifft ein OCIO-Mandat nur die Asset-Management-Seite, lässt sich das noch relativ einfach umsetzen. Das gilt wohl besonders, wenn das Mandat zu einem anderen Fiduciary Manager wechselt. Bei umfassenden Mandaten kann das Onboarding aber durchaus mehrere Monate dauern. In den allermeisten Fällen gilt aber: Kompetenzen, die einmal außer Haus vergeben wurden, werden nach aller Erfahrung intern auch in Zukunft nicht wieder aufgebaut.

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