Pensionskassen
19. Januar 2012

Nachhaltige Renditen

Nachhaltigkeit wird in der Kapitalanlage der Nest-Pensionskasse groß geschrieben. Mit Hilfe eines Best-in-Service-Ansatzes berücksichtigt die Schweizer Sammelstiftung ökologische und soziale Gesichtspunkte. Das führt zu einem­ höheren Risiko,­ zahlt sich aber aus. Über die Jahre lag die Rendite deutlich über der konventioneller Portfolios.

Herr Signer, wer sind die Träger von Schweizer­ Pensionskassen?
Jedes Unternehmen kann eine eigene, ­eine sogenannte betriebliche Pensionskasse führen. Weiter gibt es öffentlich-rechtliche Körperschaften – der Bund, Kantone und ­Gemeinden – die für angestellte Berufs­gruppen eine Pensionskasse führen. Nest ist ein Beispiel für eine Sammelstiftung. Uns schließen sich kleinere Unternehmen an, die keine eigene Pensionskasse führen können oder wollen. 
Wir müssen uns also am Markt ­behaupten und konkurrieren zum Beispiel mit Ange­boten von Versicherungsgesellschaften. Uns kommt der Trend zugute, dass gerade ­kleinere Unternehmen, die jetzt noch eine ­eigene Pensions­kasse führen, unter anderem wegen sich verschärfender Auflagen ihre Kasse an Dritte auslagern. Bis zu einem Anlage­volumen von rund 500 Millionen Schweizer Franken steht die Frage im Raum, ob sich der Aufwand für eine eigene Pensions­kasse lohnt. Uns haben sich nun rund 2.500 ­Unternehmen angeschlossen, wodurch unser Anlage­volumen auf über eine Milliarde Schweizer Franken gestiegen ist.

_Praktizieren Schweizer Pensionskassen das ­Umverteilungs- oder das Kapitaldeckungs­verfahren?
Die staatliche Rente, die erste Säule, ­basiert auf dem Umverteilungsverfahren. Für die Pensionskassen gilt das Kapitaldeckungsverfahren. Diese zweite Säule, die durch Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert wird, soll die erste Säule ergänzen.

_Welche Rolle spielt Solvency II für Schweizer Pensionskassen?
Die Pensionskassen beziehungsweise Sammelstiftungen in der Schweiz sind von Solvency II nicht direkt betroffen. Wegen den neuen Anforderungen an die Versicherer und die Banken (Basel III) werden diese ihre ­Bilanzen verändern. So stehen uns als Investitionen heute auch neue Anlagen offen, wie zum Beispiel die Kreditfinanzierungen für ­Private-Equity-Transaktionen, da diese über direkte Anlageprodukte und weniger über Bankkredite abgewickelt werden.

_Welchen Einfluss kann ein einzelnes Unternehmen auf die Strategie der Nest nehmen?
Grundsätzlich hat jedes Unternehmen die Möglichkeit, einen Mitarbeiter in die ­Delegiertenversammlung, die Interessen­vertretung der Versicherten, zu entsenden und in das Leitungsorgan, den Stiftungsrat, gewählt zu werden. In der Delegiertenversammlung kann jeder ­seine Einwände vorbringen. Die Frage ist dann, ob der Einwand auch mehrheits­fähig ist. 

_Aber die Lebenserwartung von Mitarbeitern bestimmter Branchen und das Alter der Belegschaft in den Firmen ist unterschiedlich.
Bei Nest gibt es nur  eine Anlagestrategie für alle. Jedes Unternehmen kann aber seine Altersleistungen und Risiken für Invalidität und Todesfall innerhalb von gesetzlichen ­Bestimmungen individuell absichern. 
Unser Kundenbestand weist eine komfortable Struktur von 17 Aktiven auf einen ­Pensionär aus. Das Durchnittsalter ­beträgt 42 Jahre. Dank unseres Wachstums von ­jährlich etwa 15 Prozent können wir es uns auch im Sinn unserer Bestandskunden ­leisten, eine Schwächung dieser Struktur zu ­vermeiden indem wir interessierte Unternehmen ab­lehnen.   
Es ist aber eine Frage der Zeit, dass wir den Unternehmen, wie einigen anderen Sammelstiftungen, eine sicherheitsorientierte und eine aggressivere Anlagestrategie anbieten werden. Das Unternehmen kann die Strategie auswählen. Die Diskussion der Wahl wird dann im Unternehmen selbst geführt. 
Ein weiterer Schritt wäre die Wahl jedes einzelnen Versicherten. Einher geht damit auch die Frage der freien Auswahl seiner ­Pensionskasse. Die freie Pensionskassenwahl wurde schon vor zehn Jahren diskutiert. Aber die Altersvorsorge hatte ja bekanntlich in den vergangenen zehn Jahren noch andere ­Probleme. 

_Wie problematisch sind für die nächsten zehn Jahre die Zinssätze?
Strukturell haben wir, wie erwähnt, eine hohe Risikotragfähigkeit. Doch auch bei uns steigt die Lebenserwartung bei gleicher ­Beitragsdauer. Das Alterssparkapital muss ­also länger ausreichen. Allerdings erfolgt in Zeiten niedriger Inflation die Entwertung des Alterskapitals auch langsamer. Somit bietet derselbe Betrag auf die Dauer mehr Kaufkraft. Trotzdem können wir wegen der ­finanziellen Risiken keine ­betont risikoreiche Anlagestrategie fahren. 
Von der Politik wird uns vorgegeben, mit welchem Mindestzins wir das Kapital verzinsen müssen. Aktuell sind es 1,5 Prozent. ­Außerdem bestimmt das Parlament einen ­sogenannten technischen Zinssatz zur Diskontierung des Deckungskapitals, der derzeit bei 3,5 Prozent liegt. Wie soll man aber eine solche Rendite im derzeitigen Umfeld erwirtschaften? Zehnjährige Eidgenossen rentieren derzeit mit 0,77 Prozent. Die Diskrepanz ­zwischen den politischen Vorgaben und dem auf den Kapitalmärkten Realisierbaren ist so groß, dass das Kapital­deckungsverfahren teils in ein Umlagever­fahren mutiert ist. Das ist nicht die Idee des ­Systems. Aber nachdem nun die Parlamentswahlen vorbei sind, ­besteht wieder Hoffnung, dass die Probleme nun sachlich angepackt werden.

_Dieses Lamento klingt auch in Deutschland ­bekannt. Aber im Gegensatz zu deutschen genießen die Schweizer Pensionskassen einen Luxus: die Möglichkeit einer Unterdeckung!
Langfristig können wir nicht in Unter­deckung gehen. Wir fielen 2008 auf einen Deckungsgrad von 95 Prozent. Die Alarm­glocken bei der Aufsicht läuten aber erst, wenn man unter 90 Prozent fällt. Dann ­besteht nämlich die Pflicht, einen Maß­nahmenplan zu erstellen und umzusetzen. Am wirkungsvollsten ist dann die Sanierung via Beitragserhöhung. 
Unterdeckungen wollen wir natürlich schon aus Wettbewerbsgründen vermeiden. Denn im Falle einer ­Unterdeckung stehen wir im Markt in der ­Regel immer etwas schlechter da als die Konkurrenz von den ­Versicherungsgesellschaften. Diese können nicht in Unterdeckung gehen, haben aber ­andere Nachteile, wie zum Beispiel tiefere Umwandlungssätze, das heißt tiefere Renten, höhere Prämien, hohe Gemeinkosten und mangelnde­ Transparenz. 
Derzeit liegt unser Deckungsgrad bei 103 Prozent. Dies ist im Vergleich zur ­Konkurrenz ein guter Wert. Die Wohlfühlzone beginnt aber erst ab 110 Prozent. Bevor wir unsere Leistungsversprechen erhöhen, sind weitere Wertschwankungsreserven aufzubauen. Im Umfeld anhaltend unsicherer Finanzmärkte wird diese Aufbauphase noch einige Zeit ­andauern. 

_Drängt denn die Delegiertenversammlung auf eine Leistungserhöhung?
Nein. Die Versicherten haben realisiert, dass im heutigen Umfeld eine Leistungs­erhöhung nicht machbar ist. Selbst wenn wir wieder in besseren Zeiten schwelgen können, sind wir mit Leistungserhöhungen zurückhaltend. Einmal erhöhte Leistungen sind schwierig wieder abzubauen. Ich glaube, den Delegierten ist auch eine gewisse Stabilität lieber als vorschnelle Erhöhungen.

_Wie lief denn 2011?
Stand Ende November hat das Vermögen eine Rendite von knapp einem Prozent ­erzielt. Das ist relativ zum Markt, der im Schnitt im ­Minus liegt, gut. Der Dezember war ein guter Monat. Die Zahlen liegen uns aber im Detail noch nicht vor. Wir gehen jedoch davon aus, eine Jahresrendite von rund zwei Prozent zu ­erreichen. Im Marktvergleich ist dies ein sehr gutes Ergebnis. Absolut betrachtet reicht eine ­solche Rendite jedoch nicht, um unseren ­Verpflichtungen nachzukommen. Dafür bräuchten­ wir rund ein bis zwei Prozentpunkte mehr. Es ist also absehbar, dass unser Deckungsgrad leicht gegen 102 Prozent ­zurückgehen wird. 
Sehr geholfen hat uns, dass wir praktisch alle Fremdwährungsrisiken (aus Sicht eines Schweizer-Franken-Anlegers; Anm. d. Red.) unserer Obligationen abgesichert haben. ­Zudem hatten wir qualitativ gute Schuldner, keine­ südeuropäischen Staaten und euro­päische Banken unter die Benchmark reduziert. Hilfreich war auch, dass wir viel Liquidität (sechs bis neun Prozent) hielten sowie 26 Prozent unseres Portfolios in Schweizer Immobilien angelegt und Aktien mit 19 Prozent untergewichtet haben. Unsere taktische Bandbreite für Aktien reicht von 15,5 bis 32,5 Prozent. Insgesamt haben wir unser Risikobudget bei weitem nicht ausgeschöpft. Die konservative Strategie hat sich aber im Jahre 2011 ausbezahlt. 

_Wer entscheidet über Strategie und Taktik? 
Die Festlegung der Anlagestrategie ist Aufgabe des Stiftungsrats. Sie hat jeweils für fünf Jahre Gültigkeit, vorausgesetzt es ­liegen keine tiefgreifenden Verwerfungen des Marktes vor. Für die Taktik ist eine sich aus Kapital­marktexperten zusammensetzende Anlagekommission zuständig. Sie tagt mindestens sechsmal im Jahr und beurteilt die mittelfristigen Chancen und Risiken und setzt die Quoten der einzelnen Anlageklassen innerhalb der von der Strategie vorgegebenen Bandbreiten fest. Die Bandbreiten lassen der Anlagekommission genügend Spielraum für eine aktive Umsetzung.  
Weiter obliegt der Anlagekommission auch die Vergabe von Mandaten. Die Asset Manager werden nach einem strengen Auswahlprozess ausgewählt. Wir selbst verwalten außer den direkten ­Immobilien in der Schweiz, der Liquidität und der Darlehensvergabe keine Vermögen.

_Bei Bandbreiten kann man das Risiko nicht komplett rausnehmen, und es besteht die ­Gefahr, dass man sich in stetig fallenden ­Märkten zu Tode verbilligt.
Wenn die strategischen Bandbreiten verletzt werden, meistens infolge von starken Marktbewegungen, sind wir gehalten, die ­Positionen durch Nachkäufe beziehungs­weise Verkäufe wieder in die Bandbreite zurückzuführen. Im Nachhinein erwiesen sich oft ­gerade diese Investitionen als lohnend. 
Sind die Marktverhältnisse aber außer­ordentlich, unterziehen wir, wie bereits ­erwähnt, unsere Strategie einem Review. Dies war in der Finanzkrise 2008 und in der ­gegenwärtigen Schuldenkrise der Fall. In ­beiden Fällen wurde jedoch nach intensiver Diskussion an der bestehenden Strategie festgehalten. Die Anlagekommission hat sodann ihren taktischen Spielraum wahrgenommen und risikoreiche Anlageformen, wie Aktien, untergewichtet und Liquidität aufgebaut.

_Bei Nest erfolgt die Auswahl der Anlagen nach ökologischen und sozialen Kriterien. Wie wird dieser Nachhaltigkeitsansatz umgesetzt?
Nest verfolgt einen eigenständigen ­Ansatz, der Investitionen in Bereiche der Wirtschaft lenken soll, die der nachhaltigen Entwicklung förderlich sind. Dieser so­genannte Best-in-Service-Ansatz unterscheidet sich vom gängigen Best-in-Class-Ansatz. „Best in ­Service“ berücksichtigt in größerem Ausmaß Umwelt- und Sozialgesichtspunkte und sollte zu ­einem höheren „Impact“ führen. Als Vergleichsgruppe zur Selektion wird nicht die Branchenklassifizierung eingesetzt, sondern Unternehmungen, die für die ­Konsumenten ähnliche und damit substi­tuierbare­ Dienstleistungen anbieten („Services“). Damit wird auf die Nachhaltigkeit der Wirtschaft ­insgesamt und neue branchenübergreifende Trends fokussiert und weniger auf die Politik einer einzelnen Unternehmung (Corporate Social Responsability). 
Eine weitere Integration von Nachhaltigkeit folgt in der Anwendung von Ausschlusskriterien, wie Waffen, Großrisiken (Nuklearindustrie), Kinderarbeit und Korruption. ­Anhand dieser Kriterien schrumpft die mit dem Nachhaltigkeits-Research beauftragte Tochtergesellschaft Inrate in Zürich, das Aktien­universum um mehr als die Hälfte. Aus diesem Anlageuniversum stellen dann die mit dem Mandat beauftragten Asset ­Manager ihre Portfolios zusammen. 

_Ab welchem Umsatzanteil in kritischen ­Produkten ist denn ein Unternehmen für Nest nicht mehr „koscher“?
Vor allem geht es uns um eine saubere Kerntätigkeit. Es ist sehr komplex, die ganze Wertschöpfungskette aufzudröseln und auch noch die Zulieferer zu analysieren. Insgesamt ist für uns ein Mosaik aus diesen Umsatz­anteilen, Corporate Governance oder Arbeitsbedingungen entscheidend.

_Die Theorie sagt: Je mehr Einschränkungen, desto höher Volatilität und Renditeeinbußen. 
Nachhaltigkeit darf nicht zu Renditeeinbußen führen. Wir müssen für die Versicherten mindestens die Rendite erzielen, die sie auch mit konventionellen Portfolios erzielen würden. Darum vergleichen wir uns auch mit den konventionellen Indizes „Swiss Performance Index“ und „MSCI World“ und nicht mit Nachhaltigkeitsindizes. Die Rendite steht bei uns auf der Prioritätenliste auf der gleichen­ Stufe wie die Nachhaltigkeit. 
2011 waren unsere Aktienmandate „Global“­ und „Schweiz“ unter der Benchmark, was ­jedoch nicht allein auf die Nachhaltigkeit ­zurückzuführen ist. Gerade die Schweizer Aktien waren in den vergangenen Jahren aber eine echte Erfolgsstory.
Nachhaltigkeit hat zur Konsequenz, dass die Portfolios aktiv geführt werden. Zudem sind die Auswirkungen der Nachhaltigkeit auf die Porfolios nicht in allen ­Anlagekategorien gleich. Unsere Aktienportfolios haben ­einen starken Small- und Mid-Cap-Charakter. Der Tracking Error ist also hoch, was wir auch ­tolerieren. Bis jetzt können wir aber sagen, dass wir im mehrjährigen Vergleich über alle Asset-Klassen hinweg risikoadjustiert mehr Rendite als konventionelle Portfolios erzielt haben. In den vergangenen zehn Jahren schnitten wir nur in zwei Jahren schlechter als der „konventionelle“ Pensionskassen­index der Schweiz ab.

_Die Jahres-Performance kann jedoch bei ­einer so rigiden Nachhaltigkeit leiden. 2008 erwies sich zum Beispiel der Small- und Mid-Cap-­Effekt als negativ und ein sinkender Erdölpreis als nachteilig. 2010 litt Nest unter dem hohen Anteil an Aktien aus dem Segment „alter­native Energien“. 
Sie sprechen die Jahres -Performance der Aktien an. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir in unseren Portfolios höhere Anteile an  alternativen Energien, Klima und Wasser halten. Diese Unternehmen sind stark im Segment der Small und Mid Caps vertreten. Die Entwicklungen der Aktien aus den  alternativen Energien korrelieren zu einem ­gewissen Grad mit den Erdölpreisen. Sinken die Erdölpreise, bleibt dies nicht ohne ­Auswirkungen auf Solar- und Windaktien. Zudem können politische geführte Diskussionen über die Subventionierung, zum Beispiel Einspeisevergütungen, die Kurse beeinflussen. 
In ­bestimmten Zeitperioden kann Nachhaltigkeit eine negative Auswirkung auf die Rendite ­haben. Diese „Gaps“ werden jedoch erfahrungsgemäß in Zeitperioden positiver Einflüsse wieder ausgeglichen. Somit  können wir auch sagen, dass uns die Nachhaltigkeit in einer längeren Betrachtung keine Nachteile beschert hat.

_Solange es gut, läuft ist das nicht schlimm. Es ist nur schwierig, wegen der Ausschlüsse eine Performance Fee auszuloben. Bei Misserfolgen können sich aber die Asset Manager mit einem Verweis auf die Einschränkungen aus der Verantwortung stehlen. 
Wir haben ja keine Black Box. Für die ­Beurteilung des Asset Managers führen wir ein kapitalgewichtetes Portfolio mit unserem Anlageuniversum. Die Abweichungen zum aktiv geführten Portfolio des Vermögensverwalters werden analysiert. Dadurch erhalten wir eine starke Indikation seiner Leistung. Diese Vergleiche sind intern und dienen der Zerlegung der Performance-Beiträge. Nach ­außen wird mit den konventionellen Indizes verglichen, zum Beispiel mit dem Swiss ­Performance Index für Aktien Schweiz oder MSCI World für Aktien weltweit. 

_Was wäre,  wenn es zu einer Rallye von Automobilwerten, Versorgern und Banken kommt?
Wenn sich alle die von ihnen erwähnten Sektoren gleichzeitig von den anderen ­Werten nach oben absetzen, wird unsere Rendite schlechter ausfallen. Die Erfahrung zeigt aber, dass diese Konstellation selten gleichzeitig eintrifft und zeitlich begrenzt ist. Wir sind optimistisch, dass wir mit unserer Ausrichtung nicht falsch liegen. 
Was uns mehr bekümmert, ist, dass unser Vorsprung vor dem Mainstream zeitlich ­immer kürzer wird. Dies war früher sicher einfacher als heute. Wir haben im Sinne von Pionier­arbeit gewisse Markt- und Thementrends sehr früh erkannt. Wir glauben, das weiterhin tun zu können, aber die Investitions­ströme reagieren heute schneller. Wir zählen aber immer noch zu den wenigen Pensionskassen, die wirklich nachhaltig investieren. Wir sind überzeugt, dass die Chancen größer sind als die Risiken. Auch deshalb, weil wir primär in Unternehmen investieren, die ­einen gewissen Weitblick haben. Zudem gibt es auch immer mehr Beispiele, dass nicht nachhaltig wirtschaftende Unternehmen vom ­Regulator bestraft werden. Nachhaltigkeit wird sich für die Unternehmen zunehmend auch betriebswirtschaftlich lohnen.

_Mit welchen Investments wollen Sie denn den Vorsprung erhalten?
Zwei Hauptthemen sind Energieeffizienz und Cleantech. Hier investieren wir vor allem über Private Equity in junge Unternehmen. Infrastruktur, Timber und Agrar sind für uns ebenfalls Themen, die wir genauer anschauen.­ Schlussendlich ist aber die Nachhaltigkeit nur ein, wenn auch wichtiger, Mosaikstein im Zusammenspiel mit strategischen, taktischen und titelspezifischen Entscheiden.

_Es gibt Nachhaltigkeit und nachhaltige ­Geschäftsmodelle. Nämlich Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Waffen …
Mag sein. Natürlich vergeben wir uns auch Chancen, wenn diese Branchen, Autos oder Gold boomen. Wir stehen aber, wie ­gesagt, nicht unter Renditedruck. Wenn wir ein Renditeproblem hätten, müssten wir aber unser­ rigides Anlageuniversum infrage stellen.­ Wir haben uns aber mit dem Szenario, dass die Rendite wirklich langfristig schlecht ist, noch nie befassen müssen.
Ein kleiner Hinweis: Mit „nachhaltig“ meinen wir nicht einfach „dauerhaft“, ­sondern eher einen „fairen Deal“ mit künftigen Generationen einzugehen. Dabei muss man sich durchaus flexibel für ­Veränderungen zeigen.

_Stand heute sind Ihre Ergebnisse für andere ein Signal, sich mehr Nachhaltigkeit zuzu­trauen.
Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Nachhaltigkeit eine Chance ist. Die Nachhaltig­keit ist eine etwas unklare ­Kategorie und wird ganz unterschiedlich in Portfolios integriert.  Das erfordert vom Investor einiges an Entscheidung und damit an Wissen. Wir haben einen strengen Ansatz, sagen aber nicht, dass dieser das A und O für alle ist. ­Jeder kann Nachhaltigkeit definieren, wie er möchte. Unser Portfolio ist auch noch nicht nach unseren Vorstellungen absolut nach­haltig. In einigen Anlageklassen fällt die ­Umsetzung schwerer. 
Aber ein Investor sollte doch mal mit ­einer stufenweisen Integration beginnen, zum Beispiel Vermeidung von ­Investments in ­Unternehmen, die in Konflikt mit internationalen Konventionen geraten sind. Im weiteren Schritt sind die Werte zu bestimmen und eigene Standards zu setzen.

_Kann man nachhaltiger in Aktien oder Private­ Equity investieren? 
Bei Aktien ist es einfacher wegen der ­höheren Transparenz, dem größeren Anlage­universum und dem einfachen Ausstieg. Der Handlungsspielraum bei Private Equity ist komplexer. Wir haben für Private Equity den Weg über ­Managed Accounts gewählt. Wir ­geben dem Manager unsere Richtlinien ­bekannt. In der Due ­Diligence wird die Nachhaltigkeit einbe­zogen. Scheint ein Investment vereinbar, wird ein Commitment ausge­sprochen. Dies garantiert ­jedoch nicht, dass beim Aufbau des Portfolios „schwarze ­Schafe“ vermieden werden. Ein Ausstieg ist nicht mehr möglich. Trotzdem scheint uns diese Lösung im Gegensatz zu den gängigen Fund-of-Fund-Konzepten geeigneter, unsere Vorstellungen umzusetzen.

_Die Planung für Hedgefonds läuft bei Nest schon länger. Hakt es bei Hedgefonds an der Nachhaltigkeit?
Mit Hedgefonds beschäftigen wir uns schon seit einiger Zeit. Wir haben die Grundsatzfrage noch nicht beantwortet, welche Hedgefonds generell oder welche Strategien mit der Nachhaltigkeit vereinbar sind. Die Antwort war mit Blick auf die Performance von Hedgefonds auch nicht so drängend. 
Ein Knackpunkt werden bei Hedgefonds jedoch die Transparenz und gewisse ­Strategien sein. Man kann aber darüber diskutieren, ­eine Long-Short-Strategie zu führen mit der Absicht, nicht nachhaltige Unternehmen zu shorten.

_Nest investiert seit kurzem in Insurance- linked Securities. Was ist daran nachhaltig?
ILS zeichnen sich durch ihre weitgehende Abkoppelung zu den Finanzmärkten aus. Rein ökonomisch investieren wir in von den Finanzmärkten unabhängige Risiken und ­tragen zur Diversifikation des Portfolios bei. Bezüglich Nachhaltigkeit sehen wir zumindest keine Nachteile. 
Durch die Ausgabe von ILS wird weltweit mehr Kapital zur Verfügung gestellt. Indirekt verbessert sich somit der Kapital­marktzugang auch für Entwicklungs- und Schwellenländer, und ILS tragen damit zu einer effizienteren Preisbildung bei.

_Eine Neuerwerbung ist auch ein Global Custodian­ für ein zentrales Reporting. Bislang kam das Reporting von den Asset Managern selbst. Ist das in der Schweiz üblich?
Das Global Custodian umfasst Aufgaben im Bereich der Verwahrung und Administration­ von Vermögenswerten. Aufgrund der zentralen Datenverwaltung und der Datenflüsse ist es üblich, sich aus der gleichen­ Quelle ein Reporting erstellen zu lassen. Das Reporting des Global Custodians erscheint monatlich und gewährleistet ein einheitliches Berechnungsmodell über alle Anlageklassen sowie über das Gesamt­portfolio. 
Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir auf die Reportings der Asset Manager verzichten. Im Rahmen einer vierteljährlichen Mandatsbesprechung werden die Reportings der Asset Manager vertieft diskutiert. Die ­Auswertungen sind detaillierter und sind für die Beurteilung der Managerleistung entscheidend. Diese Handhabung ist in der Schweiz bei professionellen Investoren üblich.  

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