Traditionelle Anlagen
21. Januar 2013

Nachhaltige Staaten mit Outperformance gegenüber nicht-nachhaltigen

Staatsanleihen von nachhaltig agierenden Industrieländern entwickeln sich laut einem Research-Papier von Sarasin besser als die von nicht-nachhaltigen. Das Gleiche gilt auch für Schwellenländer.

Den Nimbus als risikolose Asset-Klasse haben Staatsanleihen spätestens seit der europäischen Staatsschuldenkrise verloren. Für die Einschätzung der künftigen Leistungs- und Zahlungsfähigkeit von Staaten waren dabei traditionelle Bonitäts-Ratings keine besonders gute Hilfe. Erinnert sei hier an Griechenland, das Ende 2007 von S&P noch mit A- bewertet wurde und damit für VAG-Anleger investierbar war. Hilfreich wäre hingegen gewesen, wenn neben den traditionellen Kredit-Ratings auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt worden wären. Wie Sarasin in seinem jüngsten Research-Papier zur Nachhaltigkeit von Staaten feststellt, hätte sich dies ausgezahlt. So hätten sich Staatsanleihen aus nachhaltigen Ländern insgesamt besser entwickelt als Staatspapiere von nicht-nachhaltigen Ländern.
Um die Nachhaltigkeit von Staaten zu beurteilen, zieht Sarasin den World Government Bond Index der Citigroup heran und analysiert die darin enthaltenen Länder auf ökonomische, soziale und umweltrelevante Indikatoren. Im Mittelpunkt der Analyse stehen dabei die Verfügbarkeit und effiziente Nutzung von natürlichen, sozialen und wirtschaftlichen Ressourcen. Daraus ergibt sich schließlich eine Matrix, in der zwischen 15 nachhaltigen und zehn nicht-nachhaltigen Ländern unterschieden wird. Zu den nachhaltigen Ländern gehören unter anderem Deutschland, Schweden, die Schweiz und Australien. Unter den nicht-nachhaltigen Staaten finden sich Griechenland, Spanien, Portugal und auch die USA.
Bei einem Performance-Vergleich zeigt sich, dass die Staatsanleihen von nachhaltigen Ländern über einen Zeitraum von Dezember 2005 bis Dezember 2012 besser abschneiden als die nicht-nachhaltigen Länder. Im Schnitt kamen die nachhaltigen Industrieländer auf eine jährliche Performance von 6,7 Prozent, die nicht-nachhaltigen auf 5,5 Prozent. Auch bei einer risikoadjustierten Betrachtung haben die nachhaltigen Länder die Nase vorn. Obwohl die Volatilität der nicht-nachhaltigen Länder etwas geringer war, fiel die Sharpe Ratio der nachhaltigen Industriestaaten mit 0,46 gegenüber 0,35 besser aus.
Entkopplung seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise
Die Entkopplung der beiden Gruppen setzte laut Sarasin mit Ausbruch der europäischen Staatsschuldenkrise ein, zuvor habe sich eine beinahe parallele Wertentwicklung gezeigt. Die größte Performancedifferenz zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Industrieländern stellte Sarasin Ende Dezember 2011 fest, als der Vorsprung bei 27,3 Prozentpunkten lag. Im Jahr 2012 habe es dann eine Gegenbewegung gegeben, die von einigen Aufs und Abs geprägt gewesen sei. „Der Vorsprung ging schlussendlich auf 12,4 Prozentpunkte zurück, über die Gesamtperiode betrachtet ist er aber weiterhin vorhanden“, schreibt Balazs Magyar, Autor der Nachhaltigkeitsstudie, in dem Research-Papier.
Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei Schwellenländern aus. Die von Sarasin als nachhaltig eingestuften Staaten, wie Brasilien, Peru oder Indonesien, erzielten über den Untersuchungszeitraum hinweg durchschnittlich eine jährliche Performance von 12,7 Prozent, während nicht-nachhaltige Länder, wie China und Südafrika, nur auf 6,4 Prozent kamen. Auch risikoadjustiert schneiden Brasilien & Co. besser ab als die nicht-nachhaltigen Länder, obwohl deren Volatilität nur halb so groß war. Die Sharpe Ratio betrug 0,63 gegenüber 0,51.
portfolio institutionell newsflash 21.01.2013/kbe

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