Recht, Steuer & IT
22. November 2021

Nachhaltigkeit: Mangel an Daten, aber nicht an Regulierung

ESG-Experten-Panel auf Faros-Konferenz am Puls der Nachhaltigkeit. Best-in-Progress statt Best-in-Class. 

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein vielschichtiges, sondern auch ein sich wandelndes Thema. Einblicke und Ausblicke hierzu gab vergangenen Donnerstag ein ESG-Panel auf dem Faros Institutional Investors Forum. Mit von der Partie waren eine Naturschutzorganisation, zwei Asset Manager, eine Verwahrstelle und ein Fondsverband. Moderator des Panels war Faros-Consultant Dr. Harald Eggerstedt.

Mehr Dynamik

Die Entwicklung der Nachhaltigkeit von einer eher statischen hin zu einer mehr dynamischen Ausrichtung beschrieb Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance des WWF Deutschland. Früher habe man vergangenheitsbasierte Daten von Nachhaltigkeitsagenturen genutzt, um Unternehmen zu vergleichen, beispielsweise bezüglich Emissionen, oder auch um generell einen Überblick über sein Portfolio zu bekommen. Heute würden jedoch Transitions im Vordergrund stehen. Statt der Bestandsaufnahme zum CO₂-Ausstoß, achte man darauf, ob das Unternehmen eine Reduktionsstrategie habe. „Statt dem damaligen Best-in-Class geht es nun um Best-in Progress“, so Kopp. Seinem Statement fügt der ESG-Experte noch hinzu, dass Sustainability auch ein gutes Risikomanagement ist. Die Herausforderung für Kopp: „Der Mangel an Daten macht die Umsetzung von nachhaltigen Strategien komplex.“

Fehlende Daten waren das Hauptthema für Ole Jorgensen, Researcher bei Global Evolution. Das ist wenig verwunderlich, schließlich handelt es sich bei dem dänischen Haus um einen Frontier Markets Manager. In den Portfolios finden sich Emissionen aus Staaten wie Usbekistan, Sambia oder Georgien. „Nur einmal im Monat Daten zu bekommen, ist für einen Asset Manager nicht ausreichend. Wir brauchen eine höhere Frequenz“, so Jorgensen. Grundsätzlich habe Nachhaltigkeit einen sehr starken und wichtigen Einfluss auf die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen aus den Frontier Markets. „Die Nachhaltigkeit eines Emittenten spiegelt sich in den Konditionen eines Bonds wider.“

Über den Umgang mit vorhandenen Daten äußerte sich Neil Clark von State Street. Der Verwahrstelle macht sich um die Integration von ESG verdient und darum, über neue Technologien tiefer in die Datenanalyse gehen zu können. Ein Schwerpunkt dieser Analyse betrifft die Dekarbonisierung der Kundenportfolios. Dabei geht State Street auch den entsprechenden Einflussfaktoren auf den Grund und analysiert zudem, in welchem Ausmaß der Markt CO₂-Reduktions-Ambitionen honoriert.

SFDR: Kategorien sind zu begründen

Der ESG-Analyse-Ansatz von Candriam für Sovereigns basiert auf vier Säulen: Natural Capital, Human Capital, Social Capital and Economic Capital. Besondere Beachtung erfährt dabei das Naturkapital. „Natural Capital lässt sich nicht ersetzen“, erklärte Marie Niemczyk. „Wir achten also darauf, inwieweit ein Land seine Umwelt schützt.“ Wegen der Nicht-Ersetzbarkeit der Umwelt kann somit aus Sicht von Candriam ein Land einen schwachen Natural Capital Score nicht durch Economic Capital aufwiegen. Als Beispiel führte Niemczyk die Bonitäten von Australien und Costa Rica an. Im Vergleich zu Ratings von anderen Dienstleistern hat bei Candriam wegen des Umwelt-Schwerpunkts das Kohleland Australien einen relativ schwachen und Costa Rica einen relativ hohen Score in der Gesamtbewertung. Marie Niemczyk äußerte sich auf dem Panel auch zu den SFDR. Für die Expertin ist die Offenlegungsverordnung nützlich, lasse aber Raum für Interpretationen. Die Herausforderung für Asset Manager bestehe darin zu erklären, warum sie Artikel 8 oder 9 für einen Fonds gewählt haben. „Asset Manager müssen ihre Artikel-Kategorie rechtfertigen können.“

Die Offenlegungsverordnung war auch einer der vielen regulatorischen Aspekte, zu denen sich BVI-Geschäftsführer Rudolf Siebel äußerte. Grundsätzlich kommen die Regulierungsvorhaben zur Unterstützung der Transition für das 1,5-Grad-Ziel von der Europäischen Ebene. Hierzulande spielt bezüglich der Klimaziele jedoch auch die nationale Ebene eine Regulierungs-Rolle. In dem Versuch der Bafin einen nationalen Goldstandard zu etablieren, sieht der BVI Nachteile für den Fondsstandort und für die Kunden.

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