Statement
26. Oktober 2021

Neuausrichtung der Portfolios zur Bewältigung des Klimawandels

Investoren beziehen nachhaltige Kriterien und speziell auch den Klimawandel zunehmend in Anlageentscheidungen ein. Denn sie erkennen, dass die Neuausrichtung der Wirtschaft hin zur Kohlenstoffneutralität – Stichwort „Netto Null“ – sämtliche Anlageklassen und Unternehmen betreffen könnte.

BlackRock ist davon überzeugt, dass der Klimawandel sowohl ein Investitionsrisiko als auch eine große Chance darstellt. Deshalb hat die Integration von Nachhaltigkeit in unserem Anlageprozess oberste Priorität.

 

Die vergangenen Monate waren mit Blick auf die Bekämpfung des Klimawandels richtungsweisend. Zum einen in politischer ­Hinsicht: Neben der Europäischen Union haben sich auch China, Japan und Südkorea verpflichtet, klimaneutral zu werden. Anfang 2021 ­kündigten dann die USA an, dass sie dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten werden. 127 Regierungen, die für mehr als 60 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, ­erwägen oder verpflichten sich bereits, bis zum Jahr 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Das bedeutet, sie wollen nicht mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) emittieren, als sie der Atmosphäre ent­ziehen. Diese Dynamik wird sich weiter beschleunigen – mit ­deutlichen Folgen für die Weltwirtschaft. Denn es gibt kein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell nicht fundamental vom Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft betroffen sein wird. Dieser Übergang mag komplex und schwierig werden. Er ist jedoch unerlässlich, um eine langfristig widerstandsfähigere Wirtschaft zu schaffen, die mehr Menschen als bisher zugutekommt.

Kapitalströme in nachhaltige Anlagen nehmen zu

Richtungsweisend waren zum anderen die Kapitalströme: Mehr als 360 Milliarden US-Dollar haben Anleger 2020 weltweit in nachhaltige Publikumsfonds und ETFs investiert – mehr als ­doppelt so viel wie 2019. Davon entfielen 68 Milliarden auf BlackRock, wo wir Nachhaltigkeit 2020 als Investment-Standard etabliert haben. Investoren erkennen offenbar zunehmend, dass Nachhaltigkeitsrisiken auch Anlagerisiken sind – und dass mit dem positiven Wandel zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ­historische Anlagechancen verbunden sind. Dementsprechend ­adjustieren sie ihre Portfolios – Tendenz steigend: So planen ­Investoren weltweit nach eigenen Angaben, ihr nachhaltig ­verwaltetes Vermögen innerhalb der nächsten fünf Jahre von 18 auf 37 Prozent zu verdoppeln.
Die bisherigen Mittelbewegungen sind unserer Ansicht nach erst der Beginn einer langfristigen und grundlegenden Verschiebung an den Kapitalmärkten. Zu erwarten ist, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten noch weiter beschleunigen wird. Denn dann werden weltweit ­Billionen US-Dollar in die Hände der ­Millennials-Generation ­gelegt, die den Umgang der Welt mit dem Thema Nachhaltigkeit neu definieren werden. Dies wird die ­Kapitalmärkte entscheidend prägen.

Die steigende Nachfrage seitens der Anleger trifft auf einen enormen Kapitalbedarf: Schätzungsweise werden Investitionen in Höhe von 50 bis 100 Milliarden US-Dollar nötig sein, um eine „Netto-Null-Wirtschaft“ aufzubauen – eine Wirtschaft also, die im Jahr 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstößt, als sie der Atmosphäre entzieht. Konkret wären für das Erreichen eines solchen Ziels mindestens zehn Marshallpläne pro Jahr über drei Jahrzehnte ­hinweg erforderlich. Diese gewaltigen Summen werden sich ohne privates Kapital nicht aufbringen lassen. Insofern kommt Investoren und ­Asset ­Managern als bedeutende Kapital­sammelstellen eine ­tragende Rolle zu. Denn sie stellen Unternehmen langfristig Kapital zur Verfügung, um sich nachhaltiger und damit zukunftsfähig aufzustellen.

Kapitalmarktannahmen sollten das Klima berück­sichtigen

Im Alltag werden die Folgen des Klimawandels bereits immer ­offensichtlicher – siehe die Überschwemmungen in Deutschland oder die Rekordhitze in Kanada in diesem Sommer. Anleger mögen die Auswirkungen aktuell noch nicht so sehr spüren – doch das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Um darauf vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich, den Klimawandel in Kapitalmarktannahmen einzubeziehen. Das zunehmende Klimabewusstsein wirkt unserer Ansicht nach dreifach auf die Märkte, und zwar über:

– Änderungen im Makroumfeld, die sich in veränderten Risikoprämien widerspiegeln sollten
– Kapitalströme in nachhaltige Anlagen, die künftig mit einem Aufschlag gehandelt werden dürften
– Fundamentaldaten von Unternehmen, weil der Klimawandel sich wohl auf die Profitabilität von Firmen auswirken wird.

Zwischen unseren klimabezogenen Ansichten und den ­traditionellen gibt es deutliche Differenzen. Beispielsweise hat unsere Präferenz für Aktien der Industriestaaten zugenommen, zulasten von Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen. Denn die Zusammensetzung von Industrieländer-Aktienindizes passt besser zum Übergang zu einer klimabewussten Wirtschaft, angesichts ihrer hohen Gewichtung von Technologie- und Gesundheitsunternehmen. Zudem ­lassen sich Chancen der grünen Transformation mit Aktien besser wahrnehmen. Wachstumsorientierte Anleger könnten in Technologien, die es für eine nachhaltige und klimafreundliche Umgestaltung der Wirtschaft braucht, einmalige Chancen finden. Denn schon bald könnte eine neue Generation von Energiefirmen den Weg an die Aktienmärkte finden.

Assets mit starken Klimaprofilen dürften teurer werden

Unserer Ansicht nach sind die Konsequenzen einer Umstellung auf nachhaltige Geldanlage noch nicht vollständig in den Wert­papierkursen enthalten, weil die entsprechenden Kapital­ströme noch am Anfang stehen. Wir erwarten, dass die Kurse ­künftig deutlicher auseinanderdriften werden, abhängig vom ­jeweiligen Nachhaltigkeitsprofil: Vermögenswerte mit starkem Nachhaltigkeitsprofil dürften teurer werden, während andere im Zuge des Übergangs hin zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft günstiger werden. Dies dürfte nachhaltigen Vermögenswerten ­einen Rendite­vorteil bescheren.

Aktuell ist mehr als die Hälfte des weltweiten Wirtschaftswachstums direkt oder indirekt von der Natur abhängig. Dies bedeutet, dass alle Anlageklassen auf der ganzen Welt von den physischen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein könnten. Zur ­Verdeutlichung: Im Jahr 2020 wurden weltweite Schäden in Höhe von 210 Milliarden US-Dollar durch Naturkatastrophen ver­ursacht. Darum beachten Investoren, welche die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltwirtschaft und die Vermögensentwicklung vernachlässigen, nicht das große Ganze. Und wir sind überzeugt, dass Investoren, die ihre Portfolios rasch auf die neue Ära des Klimawandels ausrichten, besonders profitieren dürften.

Der Weg zu „Netto Null“ birgt historische Anlagechancen

Denn der Wandel hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft ist eine große Chance. Er ermöglicht, eine widerstandsfähigere Ökonomie aufzubauen, von der mehr Menschen profitieren. Denn Unter­nehmen, die erfolgreich auf klimabezogene Herausforderungen ­reagieren, klimafreundliche Lösungen entwickeln und sich ­dementsprechend ausrichten, könnten zusätzliche Marktanteile ­gewinnen.

Auf Wachstumskurs: nachhaltige KapitalanlagenDiese Einsicht setzt sich zunehmend durch, unterstützt durch die immer bessere Datenlage. In der Vergangenheit war es mit­unter schwierig, die physischen Auswirkungen des Klimawandels auf ­Anlageportfolios zu quantifizieren. Inzwischen lässt sich besser ­modellieren, wie sich steigende Temperaturen auf die Häufigkeit und Schwere von Naturkatastrophen auswirken könnten – und wie hoch das potenzielle Investitionsrisiko und die Anfälligkeit für ­solche Gefahren sind. Verlässliche Daten und Analyse-Tools sind eine wesentliche Voraussetzung zur weiteren Verbreitung und Entwicklung nachhaltiger Anlagestrategien. Denn sie ermöglichen, ­Investments unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit effizient zu ­bewerten und zu verwalten. Und sie geben Investoren mehr ­Transparenz, um ein noch besseres Verständnis für den Mehrwert entsprechender Anlagestrategien zu entwickeln.

ETFs ermöglichen, Klimaziele unterschiedlich zu addressieren

Anfangs war es aus Investorensicht vor allem ein probates Mittel, sich von gewissen Anlagen zu trennen beziehungsweise sie gar nicht erst zu berücksichtigen, um klimafreundlich zu agieren. Inzwischen ermöglichen bessere Daten innovative Lösungen, um Chancen und ­Risiken umfassender zu berücksichtigen. Zum Beispiel im Bereich der börsengehandelten Indexfonds: Waren vor zehn Jahren weltweit erst etwa 30 nachhaltige ETFs am Markt verfügbar, so sind es inzwischen rund 600 – darunter eine steigende Zahl ­klimabezogener Lösungen. Investoren wissen diese zunehmende Vielfalt zu schätzen. Denn ETFs ermöglichen, nachhaltige Anlagestrategien effizient umzusetzen und sind daher häufig das Mittel der Wahl. Daher ­stehen wir bei BlackRock im Dialog mit großen Indexanbietern, damit diese nachhaltige Versionen ihrer wichtigsten Indizes bereitstellen – auch in Bezug auf den Klimawandel.

So haben wir drei verschiedene Ansätze entwickelt, um klimabezogene Investitionen einfach, transparent, kostengünstig und flexibel zu ermöglichen. Diese können auch mit ETFs umgesetzt werden:

– Reduzierung von Kohlenstoffemissionen oder fossilen Energieträgern: Entsprechende ETFs begrenzen das Engagement eines Portfolios in den größten Kohlenstoffemittenten. Sie eignen sich als breite Bausteine eines diversifizierten Portfolios.
– Priorisierung klimabezogener Anlagechancen und -risiken: ­Solche ETFs integrieren Klimadaten in den Anlageprozess. Sie gewichten ihre Investitionen entsprechend der Verpflichtungen und Maßnahmen von Unternehmen beziehungsweise Regierungen, etwa auf Basis wissenschaftlich fundierter Ziele.
– Klimarelevante Themen und messbare Ergebnisse (Impact): ­Diese ETFs investieren in eine bestimmte nachhaltige Aktivität oder in Projekte, die Umweltzwecken dienen. Dazu gehören beispielsweise grüne Anleihen (Green Bonds).

Die zunehmende Vielfalt nachhaltiger und speziell auch klima­bezogener Fonds bietet Investoren neue Möglichkeiten, um ihre Portfolios mit Blick auf den Klimawandel zukunftsfähig aufzustellen. So lassen sich finanzielle und nachhaltige Ziele gleichermaßen erreichen.

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