Versicherungen
30. Juli 2015

Neue Bafin-Erhebung: Es hat sich nichts verändert

Die deutschen Lebensversicherer sind für Solvency II gerüstet – bis auf wenige Ausnahmen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Unternehmen mit zu wenig Eigenkapital nicht verändert. Allerdings: Ohne Übergangsmaßnahmen ergäbe sich eine Eigenkapitallücke von zwölf Milliarden Euro.

Die deutsche Lebensversicherungsbranche wird trotz deutlich gesunkener Zinsen die Umstellung auf die Kapitalanforderungen unter dem künftigen europäischen Aufsichtsregime Solvency II bewältigen können. Zu diesem Fazit kommt die Bafin angesichts der zweiten „Vollerhebung Leben“. Für diese wurden erneut alle deutschen Lebensversicherer, die unter der Aufsicht der Behörde stehen, gefragt, wie ihre Eigenmittelsituation unter Solvency-II-Bedingungen aussähe. Stichtag war der 31. Dezember 2014. 
Wie die Bafin mitteilte, hat sich – wie im Vorfeld erwartet – ein wesentliches Ergebnis der ersten Vollerhebung bestätigt: Die Übergangsmaßnahmen und die Volatilitätsanpassung, die Solvency II vorsieht, entfalten die gewünschte Wirkung. Nahezu alle Lebensversicherer konnten dank der Anwendung dieser Instrumente zum Stichtag 31. Dezember 2014 ausreichende Eigenmittel nachweisen. Die Zahl der Unternehmen, die trotz Anwendung dieser Maßnahmen keine ausreichenden Eigenmittel vorweisen konnten, habe sich im Vergleich zur ersten Vollerhebung zum Stichtag 31. Dezember 2013 nicht erhöht. Damals war von wenigen Unternehmen mit einem Marktanteil von zusammen weniger als einem Prozent die Rede. Mit den Versicherungen, bei denen sich mögliche Schwierigkeiten zum Start von Solvency II abzeichnen, steht die Bafin eigenen Angaben zufolge in engem Kontakt.
Grundsätzlich wertet der Bafin-Präsident Felix Hufeld die Ergebnisse der neuen Vollerhebung als positiv. Allerdings ließ er es sich nicht nehmen, nochmals deutlich zu machen, dass die Übergangsmaßnahmen innerhalb der 16-jährigen Übergangsphase sukzessive auslaufen: „Die Unternehmen werden sich also sehr anstrengen müssen, um ihre Kapitalbasis zu stärken, auch wenn die Zinsen seit Ende 2014 leicht gestiegen sind.“ Bestätigt wird Hufeld dabei durch die erneute Vollerhebung. Laut dieser lägen bei fast der Hälfte der befragten Unternehmen die Eigenmittel zum Stichtag 31. Dezember 2014 unter den künftigen Anforderungen, wenn sie die Übergangsmaßnahmen nicht anwendeten. In der Summe ergäbe sich dann für diese Unternehmen eine Eigenmittellücke von etwa zwölf Milliarden Euro. Zum Vergleich: In ihrer ersten Vollerhebung zum Stichtag 31. Dezember 2013 war noch von einer Lücke von etwa 15 Milliarden Euro die Rede.
portfolio institutionell 30.07.2015/Kerstin Bendix
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