Schwarzer Schwan
27. Juni 2014

Neuer Trendsport im Allgäu

Haben Sie schon Ihren wohlverdienten Urlaub gebucht? Wenn nicht: Wie wäre es denn mit einem Aktivurlaub im Allgäu?

Diese Ferienregion wirbt zu Lande und zu Luft mit Rafting, Canyoning oder Hochseilgärten. In dieser Saison suchen besonders Zahnärzte, Erben und andere finanziell Gutsituierte in dieser schönen Region den Adrenalin-Kick – und zwar beim Schwarzgeld-Schmuggel. Binnen zwölf Monaten hat sich beispielsweise in der Region Lindau die Zahl der ertappten Geldschmuggler fast verdoppelt, und die Zollfahnder rechnen mit einem weiteren Anstieg im Laufe des Jahres. „Die Banken in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein haben ihre Kunden angeschrieben und ihnen, vereinfacht gesagt, mitgeteilt, dass sie bis Ende 2014 ihre Finanzen ordnen sollten“, begründet ein deutscher Zöllner gegenüber der Süddeutschen Zeitung die Attraktivität dieser neuen Trendsportart. „Das zwingt die Leute jetzt zum Handeln“, so der Experte. Auslöser der Bankschreiben sind diverse Steuer-CDs und insbesondere der Fall Uli Hoeneß.
Jetzt aber los!
Jetzt aber los, und bringen Sie als Schmuggler etwas Farbe und Romantik in Ihr langweiliges Dasein als Bürohengst. Erkunden Sie eigenständig mögliche Schmugglerrouten und Schmugglerstrategien! So lernen Sie spielerisch, wie viele Goldbarren in eine Handtasche passen, wie man ein Lebkuchenhaus mit doppeltem Boden backt oder wie man – so eine weitere in der Süddeutschen Zeitung beschriebene Variante – Millionenbeträge in Bauchtaschen unter Designer-Hemden versteckt. Bei letzterer Variante kann man sich auch als echter Filmstar fühlen, wenn man sich an folgende (hier leicht verkürzte und zensierte) Konversation in dem Film „The Wolf of Wall Street“ erinnert:
Donnie Azoff: I got a couple of mil‘ comin‘ in like a week. And when it gets in, I’ll give you a call and you come pick it up. 
Chantalle: Well, we don’t work for you, man! 
Donnie Azoff: Sweetheart, you have my money taped to your t**s. Technically, you do work for me.
Unvergessliche Gruppenerlebnisse kommen also auch nicht zu kurz. Eine beliebte Variante besteht übrigens darin, das Schwarzgeld auf den erlaubten Betrag von bis zu 10.000 Euro pro Mitreisenden aufzuteilen. Diese Strategie verfolgte auch der Eigenbrötler Cornelius Gurlitt, bis er bei einer Routinekontrolle im Eurocity von Zürich nach München – dem Schmugglerexpress – mit 9.000 Euro Bargeld auffiel und prompt Ermittlungen auslöste. 
Anpassen muss sich noch die regionale Tourismusbranche in ihrem Marketing für Kuren und Wellness. Sie kann sich allerdings auf Textbausteine stützen, mit denen für die traditionelle Schrothkur geworben wird. Dann könnte kurzerhand mit folgendem Slogan geworben werden: „Schmuggeln fördert insbesondere bei der Zollkontrolle die periphere Durchblutung und regt den Stoffwechsel an. Außerdem wird der Abbau und Abtransport abgelagerter Gelder optimal gefördert. Gerne sind Ihnen die Zollbeamten beim Anlegen von Ganzkörperwickeln behilflich.“ 
Grenzgänge als Bewegungstherapien trainieren freilich nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern fördern auch den Stoffwechsel. Berichtet wird bei manchen Kontrollen von einem spontan einsetzenden Heißhunger, mit dem diverse Quittungen oder andere Belege verspeist werden. Wie bei allen Aktivitäten sollte man es auch hier aber mit dem Volumen nicht übertreiben. Werden mehr als eine Million Euro durchgeschleust, mutieren kurzweilige Outdoor- zu langfristigen Indoor-Aktivitäten, bei denen sich die Bewegung auf den täglichen einstündigen Hofgang beschränkt. Auch hier grüßt Uli Hoeneß. 
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 
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