Banken
9. September 2020

Nur 16 Finanzinstitutionen mit robusten Kohlerichtlinien

Bei deutschen Finanzinstitutionen dominieren die Leerstellen. Kohlerichtlinien über komplette Wertschöpfung und Finanzdienstleistungen gefordert.

Die NGO Reclaim Finance hat gemeinsam mit 27 NGOs weltweit eine Datenbank veröffentlicht, welche erstmals einen Überblick über Kohlerichtlinien von weltweiten Finanzinstitutionen gibt. Das Coal Policy Tool enthält aktuelle Informationen zu Kohleausschlussregeln der größten Banken, Versicherer und Vermögensverwalter. Bewertet werden 214 Unternehmen mit Kohlerichtlinien sowie weitere Finanzinstitutionen, die bislang keine Richtlinien verabschiedet haben.

Konsistent mit dem bisherigen Forschungsstand finden sich die stärksten Regeln zum Kohleausschluss bislang in Europa. Speziell einige französische Banken werden von dem beiliegenden Bericht hervorgehoben, die kürzlich Maßnahmen mit dem Ziel eines kompletten Ausstiegs verabschiedet haben. Global hätten jedoch (Rück-)Versicherer weitergehende Schritte unternommen als Banken. Desolat fällt das Zeugnis für die großen amerikanischen Vermögensverwalter aus: Selbst Blackrock, den der Report als einzigen großen amerikanischen Vermögensverwalter mit einer Kohlerichtlinie listet, wird bei allen Kriterien bis auf eines mit dem schlechtesten Wert bewertet.

Von den untersuchten Institutionen hätten global nur 16 Finanzinstitutionen wie Axa, Crédit Agricole/Amundi, Crédit Mutuel und UniCredit robuste Richtlinien eingeführt, welche Kohleinvestments konsequent herunterfahren. Die meisten Kohlerichtlinien im Finanzsektor weltweit seien nach wie vor sogar zu schwach, um allein ein weiteres Wachstum des Kohlesektors zu verhindern, so das bittere Fazit einer Pressemitteilung.

Allianz am „wenigsten schlecht“

Bei deutschen Banken, Investoren und Versicherern dominierten trotz einiger Fortschritte der vergangenen Jahre noch immer die Leerstellen. So fällt auch das deutsche Positivbeispiel Allianz bei einem Bereich (Ausschluss von Unternehmen, welche neue Kohlekraftwerke entwickeln) komplett durch, auch die AGI und Pimco werden aufgrund fehlender öffentlicher Richtlinien sehr negativ bewertet. Positiv zu werten ist, dass zumindest im Banken- und Versicherungsgeschäft erste Schritte gegangen wurden, wobei der Report die BayernLB, Deutsche Bank und die Helaba für das Bankengeschäft sowie die Talanx-Tochter Hannover Re für das Versicherungsgeschäft hervorhebt.

„Im Vergleich zu französischen Institutionen enttäuschen die deutschen Akteure“, kommentierte Campaignerin Regine Richter von Urgewald, einer deutschen NGO, die an der Datenbank mitwirkt. „In Anbetracht der Größe der Klimakrise sind die Schritte zu klein und zu wenig weitreichend. Dass mehr geht, beweisen die UniCredits, Crédit Agricoles und Axas dieser Welt, an denen sich Deutsche Bank, Commerzbank und Allianz ein Beispiel nehmen sollten.“

Viele Finanzdienstleister ohne Richtlinien

Die NGOs empfehlen zur Umsetzung starker Kohlerichtlinien die Abdeckung der gesamten Kohle-Wertschöpfungskette vom Bergbau über die Infrastruktur bis zur Stromerzeugung, die Einbeziehung aller Finanzdienstleistungen sowie die Kombination von Ausschlüssen und Engagements. Auch wenn es angesichts der umfangreichen Debatten um ESG anders scheint: Die meisten Banken und Versicherer unterstützen noch neue Kohleprojekte, so der Report. 216 der größten Finanzdienstleister weltweit hätten nach wie vor keine Richtlinien zum Ausschluss von Kohle.

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